Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1881)
- Date
- 1881-09-01
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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204 mit Stolz und Freudigkeit, als eine Anstalt, in der nach dem Licht der Wahrheit und Aufklärung geforscht werden solle. Es werde in demselben der beste, nur erreichbare Unterricht sowohl als auch der theologische Fachunterricht gegeben. Alle sind eingeladen, Jedem stehen seine Thore offen und seine Lehrmittel zur Verfügung, ganz gleich, welcher Religion, Nationalität oder Rasse er an gehört. Die Anstalt soll ein Heim der Wissenschaft sein, in dem Jeder willkviiimen ist, der sich in eine Literatur einführen lassen will, die 0000 Jahre alt ist, oder welcher der Lehren der modernen Wissenschaft theilhaftig werden will. Der Redner schilderte dann den Reichthnm der jüdischen Literatur, die gleich reich an philosophischen und wissenschaftlichen Werken sei und an poetischen, die sich mit denen Shakespeare's, Dante's oder Göthe's auf gleichen Fuß stellen könnten. Der Redner zollte dann dem Präsidenten des College Dr. I. M. Wise und der Fakultät den herzlichsten Dank für ihr eifriges Streben und übergab ihnen dann das College im Namen der Gouverneure für den Gebrauch, zu dem es errichtet wurde. Der Plnm Straßen Tempel-Chor sang dann wieder ganz prachtvoll die Hymne „Lei there be Light,“ worauf Herr Freiberg als nächster Redner den Ex-Gouvernenr I. D. Cox vorstellte. Dieser sagte im Eingänge seiner Rede, daß das Ereigniß, das eben gefeiert werde, nicht nur von den Bewohnern Cincinnati's sondern vom ganzen Volke der Ver. Staaten mit Freuden begrüßt und dasselbe dem ersten Heim jüdischer Wissenschaft auf amerikanischem Boden ein herzliches Willkommen znrnfen werde. Wir alle Hütten ein Interesse an dem Gedeihen des Instituts, denn sein Gedeihen bringe Jedem Nutzen und gereiche Jedem zur Freude, der ein Freund der Wissenschaften und Aufklärung ist und aufrichtig bemüht ist, die Wahrheit zu finden. Von der Anstalt ergehe die liberale und herzliche Einladung an Alle, die Schätze der Wissenschaft derjenigen Männer der jüdischen Nation zu ehren, die sich als scharfe Denker und eifrige Forscher auszeichneten. Die Errichtung einer solchen Anstalt sei ein Markstein in der Geschichte, der uns stets noch in späten Zeiten in der Erinnerung bleiben wird. Es gab eine Zeit, in welcher eine solche Anstalt Eifersucht und Haß erregt hätte: jetzt sei sie uns willkommen. Dieser Wechsel sei nicht dadurch entstanden, daß früher die Menschheit stärker und intensiver glaubte und dieser Glaube jetzt dem Skepticismus und der Gleichgültigkeit gewichen sei, sondern weil geistige Beschränktheit eineni liberaleren und weiteren Gesichtskreis in Bezug auf Glaubenssachen gewichen sei. Wir fühlen jetzt die Zusamniengehörigkeit mit unserem Nächsten stärker, wir wissen den Vortheil eines guten Nachbars wohl zu schätzen, wir verlangen daher von ihm Nachsicht und gewähren sie ihm. Wir sind kosmopolitischer geworden; trotzdem aber sei uns ein gutes Stück von lobeuswerthem Lokalpatriotismus geblieben, so daß wir das, was uns die Heimath Werthvolles bietet, doppelt schätzen. In diesem Sinne erfülle ihn die Errichtung einer Universität, in der Alle, die es wünschen, systematisch in den Wissenschaften unterrichtet werden und von den Quellen trinken können, die nur selten dargeboten werden, mit Freude. Die Studenten dieser Universität, die mit der bekannten, ja sprichwörtlichen jüdischen Energie, Geistesschärfe und Eifer ihren Studien obliegen werden, werden den jungen Leuten des Landes zuni Muster dienen und sie anstacheln, ebenso viel zu leisten. Wir stehen erst an der Schwelle des Wissens und die Gründer dieser Anstalt wußten, daß jenseits derselben noch ein unbegrenztes Feld für Forschungen ist. Nur Schritt vor Schritt können wir vorwärts gehen und uns freuen, wenn wir wieder ein Stückchen neues Feld der