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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-09-01 · Heft 9 (1.9.1881) · p. Seite 203

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 9 (1.9.1881)
Date
1881-09-01
Page
Seite 203 (sequence 3)
Language
German
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203 Herr Julius Freiberg trat dann vor, und erklärte, daß die Feier der Einweihung eines Gebäudes gelte, das ein Tempel der Wissenschaft sein solle, und von dem aus die Lehren der heiligen Schrift und der alten Religionslehrer über die Welt verbreitet werden s ol l e n. Es sei dies die einzige derartige Anstalt in den Ver. Staaten und das Ereigniß für das Judenthum Amerika's von so eminenter Wichtigkeit, daß es passend sei, vor Allem den Segen des Höchsten für die Anstalt herabzuflehen. Er stellte dann den Rev. Dr. M. Lilienthal vor, der das Gebet sprechen würde. Die Anwesenden erhoben sich und Dr. Lilienthal sprach in der ihm eigenen beredten und eindringlichen Weise ein Gebet, dessen Sprache kräftig und blumenreich war. Er flehte um den Segen Gottes für dieses Haus, das dem Auffinden der Wahrheit geweiht sei und bat Gott^ er möge die Lehrer und Schüler erleuchten, daß sie die Wahrheit, die reine Wahrheit finden mögen. Herr Freiberg stellte dann Herrn M. Loth, den Vorsitzenden des Executiv-Komite's vor, der das Gebäude mit einer Ausprache dem Präsidenten des Boards der Gouverneure Herrn B. Bettmann übergab. Herr Loth machte zuvörderst auf den großen Nutzen freier und griindlicher Erziehung aufmerksam und wie eine Anstalt, in der die zukünftigen Lehrer und Rabbiner der Israeliten für ihren Beruf ausgebildet würden, sich als eine dringende Nothwendigkeit herausgestellt habe. Die jüdischen Gemeinden der Ver. Staaten bildeten daher im Jahre 1873 auf einer Konvention eine Vereinigung, der jetzt über 100 Gemeinden angehören und ihre erste That sei das Hebrew Union College gewesen. Durch die generöse Schenkung des Herrn Henry^Adler, der #10,000 für ein Gebäude schenkte, wurde die Anregung zu einer Subscription gegeben, und Dank den edlen Gebern sei das Executiv-Komite heute in der Lage, den Gouverneuren das Gebäude übergeben zu können, in welchem von jetzt an das Hebrew Union College ein eigenes Heim habe- Dem Komite, welchem die Arbeiten oblagen, gebühre der höchste Dank. Vor sechs Jahren habe die Anstalt noch keine Bibliothek gehabt, und heute zähle dieselbe 6000 Bände. Zum Präsidenten Bettmann gewendet, sprach der Redner auch diesem den Dank des Komite's für das rege Interesse und den Eifer aus, den er der Anstalt stets bewiesen, und übergab ihm dann das Gebäude. Herr B. Bettmann antwortete mit einer längeren Ansprache. Er wiederholte den Dank an das Executiv-Komite und die Subscribenten und sagte dann, daß er mit inniger Herzensfreude dieses Gebäude übernehme. In alten Zeiten hätten die Israeliten zwei große Denkniäler gehabt. Moses legte den Schatz der Wissenschaft in das Buch der Bücher nieder und Salomon errichtete einen Tempel, in welchein alle Schätze der Kunst gesammelt wurden. Das Gebäude, das heute eingeweiht werde, sei ein Tempel, der Kunst und Wissenschaft, aber ein Tempel der nicht so vergänglich sei, wie der Salomons. Dessen Tempel und die jüdische Nationalität sei weggefegt vom Erdboden, aber die Religion der Juden sei noch unverändert, denn deren Losung sei mit unauslöschlichen Buchstaben jedem Juden in's Herz geschrieben und von Generation auf Generation als heiliges Vermächtniß übergegangen. Daß junge Leute dazu erzogen werden, diese Lehre zu verbreiten, und eine Bibliothek gegründet werde, in welcher die Schätze der jüdischen Literatur angesammelt werden und die einzig in ihrer Art dastehen wird, das sind die Hauptzwecke, um deretwillen das College gegründet wurde. Er übernehme es 17*

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