Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1881)
- Date
- 1881-08-01
- Page
- Seite 199 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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199 sich ein Volk befindet, wo einst ihr zweites Vaterland war, und dessen Sprache und Sitten sie bis an die entlegensten Grenzen der östlichen Länder Mitnahmen, und daß, wenn sie ehedem durch die blinden Ausbrüche des Fanatismus von diesem Volke vertrieben wurden, heute der Fanatismus aus dem Lande verbannt ist, über dem trotz einiger trüben Wolken die Sonne der Freiheit glänzt. Nach Spanien also haben die Moskowitischen Juden ihre Blicke gerichtet und von Spanien erwarten sie heute die Gastfreundschaft und den Schutz, welchen andere christliche Völker ihnen verweigert haben. Der Graf von Raseon, an den sie sich gewendet, hat der Regierung das Bittgesuch der Juden vorgelegt, und die Regierung, nachdem sie die Angelegenheit in Berathung gezogen hat, nach unseren! Wissen den Bittstellern mittheilen lassen, daß die Pforten des großmüthigen Spaniens geöffnet sind für Alle, die, seinen Gesetzen sich unterwerfend, unter seinem Schutze und seiner Garantie leben wollen. Durch eine solche Bestimmung hat das fusionistische Ministerium die Pflicht der Regierung eines freien und gebildeten Landes erfüllt. Aber es hat noch mehr gethan! Es hat eine wahrhaftige Genugthuung gegeben der Sache der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, die mit Füßen getreten wurde durch die schmachvolle Vertreibung, zu der Torquemada gerathen hatte. Jener Schandfleck unserer Geschichte ist durch die gestrige Bestimmung ausgelöscht worden. Wenn heute in einem christlichen Lande, in welchem die Tyrannei jede Art von Fanatismus erweckt, sich Ereignisse wiederholen, ähnlich denen, die Spanien im Jahre 1492 darbot, so zeigt die spanische Nation, indem sie ihre Arme den Verfolgten, den Betriebenen öffnet, durch dieses Verfahren den gewaltigen Umschwung, den ihr Geist gewonnen und wie sehr sie sich durch die Freiheit humanisirt und veredelt hat. Eine Regierung, welche die Gelegenheit wahrgenommen hat, durch einen solchen von ihr ausgehenden Art ihre moralische Erhebung zu bekunden, wird von allen Parteien, von allen liberalen und freidenkenden Elementen um ein solches Glück beneidet werden! U L. Will 6 ei tungen. (Frankfurt a. M.) Am 2,-i. Juni starb dahier der Staatsrath und Profeßor Dr. jur. ined. et pliil. Jakob Mathias Schleiden im Alter von 77 Jahren, nachdem er kurz vorher von Wiesbaden hierher übergesiedelt. Am 26. desselben Monats fand sein Leichenbegängniß statt. Prof. Schleiden, in jüdischen Kreisen bekannt durch seine Schrift, „die Bedeutung der Juden für Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften im Mittelalter" i Leipzig 1877! hatte ein reges Interesse für den hiesigen Mendelssohn-Verein an den Tag gelegt. Wir lassen über sein Begrübniß einen Bericht hiesiger Tagesblütter folgen: Unter strömendem Regen begleitete gestern früh um 8 Uhr eine kleine Schaar die irdischen Reste des berühmten Gelehrten Professor Dr. I. M. Schleiden zur letzten Ruhestätte. Unter den Leidtragenden befand sich auch dessen Bruder, Dr. Schleiden aus Hamburg. Herr Consistorialrath Pfarrer Jung schilderte, den Wunsch des Hingeschiedenen ehrend, in kurzen, aber inhaltsreichen Worten die Verdienste, die sich Schleiden um die Wissenschaft erworben