Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1881)
- Date
- 1881-08-01
- Page
- Seite 198 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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198 * um die Zukunft, aber im Stillen empfindet er doch mit uns und theilt unser Leid. Auch begleitet mich stets das Bild der Lieben, die wir tu Fez und Cordova zurückgelassen. Vielleicht werden wir sie nie wieder sehen. Dein frohes Auflachen geht uns oft durch Mark und Bein. „Mutter, glaube mir," entschuldigte sich das Mädchen und ihre Augen standen voll von Thränen, „den Muthwillen treibe ich meist zu eurer Erheiterung, es schiteidet mir immer tief in die Seele, wenn ich Kummer auf eurem Antlitz sehe; ich möchte dann gern die Furchen von des Vaters Stirne hinwegzanbern und dich herzlich anflachen sehen. Darum zwinge ich mich förmlich zur Heiterkeit; ich will aber mein Wesen ändern, wenn es euch stört." „Du bist gut," besänftigte sie die Mutter, „ich habe dir Unrecht gethan, deine Absicht ist edel." ' (Fortsetzung folgt) Eine spanische Stimme üöer die Iudenfrage. Angesichts der betrübenden Erscheinung unserer Zeit, der gewaltsam heraufbeschworenen Antisemitenbewegung in unserem freisinnig und religiös aufgeklärten Vaterlande und gegenüber den Gräueln und Verfolgungen des griechischkatholischen Rußlands, Gräuel, die uns die schrecklichen Zeiten der Krenzzüge in Erinnerung bringen, ist es wohlthucnd, eine Stimnie aus dem Lande der Inquisition und der Autodafes über die Judenverfolgung in Rußland und die beabsichtigte Aufnahme der vertriebenen russischen Juden in deni allerchristlichsten Staate zu vernehmen. Der „Globo", eines der geachtetsten und verbreitetsten Blätter von Madrid, veröffentlicht in seiner Nummer vom 16. Juni d. I. folgenden Artikel: „Edle Sühne für ent großes Vergehen". Die Verfolgung der Juden in Rußland hat den Erfolg gehabt, daß sechszigtausend Unglückliche, vertrieben von ihrem Herde, grausam behandelt und von allen Seiten verhöhnt, einen gastlichen Boden suchen, auf dem sie ihr Leben dem Schutze der Gerechtigkeit anvertrauen und den nöthigen Unterhalt durch ihre Arbeit sich verschaffen können. Vergebens haben diese unglücklichen Söhne Israels bei den deni Moskowitenreiche benachbarten Ländern um die Erlaubniß nachgesucht, sich zu ihnen begeben zu dürfen. Runiänien, welches sich noch tvidersetzt, den Christen mit* den Hebräer vom Lande als gleichberechtigt anzuerkennen, weigert sich, ein solches Element aufzunehmen, welches der socialen Frage in seinem Lande Verwickelungen zu bereiten im Stande wäre. Serbien stößt sie von sich aus einem Argwohn, der bei einem neuen und wenig civilisirten Volke ganz tiatürlich ist. In der Türkei kann der Zustand der öffeittlichen Ordnung denselben keine Garantie bieten und Deutschland, das gelehrte Deutschland, mit seiner antisemitischen Bewegung, die sich jeden Tag mehr ausspricht, ist eher geneigt die Nachkommen Jakobs, die daselbst wohnen, aus seinen Provinzen zu verjagen, als neue Gäste dieser Race aufzunehmen. So ist es dahitt gekommen, daß am Eitde des 19. Jahrhutiderts und in dem gebildeten Europa Tausende von Menschen unstät umherirren, an die Pforten der Stationen anklopfen, ohne daß eine menschenfreundliche Stimme ihnen antwortet, noch eine niildthätige Hand ihnen Hülfe reicht. Aber diese Unglücklichen ohne Vaterland und ohne häuslichen Herd haben ohne Zweifel sich erinnert:, daß hier im äußersten Westen des alten Contittents