Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1881)
- Date
- 1881-08-01
- Page
- Seite 193 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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193 eignet, der gedenket der frominen Werke der Väter und Erlösung bringt ihren spätesten Abkömmlingen um seines Namens willen in Liebe. König, Beistand, Retter und Schirm! Du bist mächtig, o Herr, und stets bereit zu helfen; der Du die Lebenden in Gnaden ernährst, die Todten belebst in großer Barmherzigkeit, die Fallenden stichst, die Kranken heilst, die Gefesselten erlösest . . . " Kaum verklungen waren die letzten Gebetsworte, noch schwebten seine Gedanken im Zauberbanne der geweihten Stimmung, noch suhlte er sich gehoben, allen Erdenleiden entrückt, beseeligt durch die innige Zwiesprache mit seinem Gotte, als sich eine Hand sanft auf seine Schulter legte, und er die Stimme seines Sohnes Davids vernahm, die ihm jetzt wie eine Offenbarung aus der Höhe erklang. „ Guten Morgen, lieber Vater," begrüßte ihn dieser, „ du hast heute wenig geschlafen, auch deine Andacht war vielfach gestört; deine Blicke schweiften bald nach deni Osten, von wo glückverheißend die warme» Strahlen Herdringen, bald dorthin nach dem Grabe unseres Glückes und unserer Freuden. Ich beobachte dich schon stundenlang, du wirst von schweren Sorgen gequält, grübelst nnd sinnst und furchst nachdenklich die Stirn. Ich n>eiß es, dich beschäftigt unsere unsichere Zukunft, die Sorge um das tägliche Brod. In der lieblosen Fremde, von Verwandten und Freunden getrennt, nicht geschützt vor Noth und Mangel, das sind allerdings harte Strafen, die man nur dann ertragen kann, wenn man den Mnth nicht sinken läßt nnd ein unerschütterliches Gottvertrauen sich im Busen bewahrt. „ Sei stark und fest!" so rief Gott wiederholt dem Josua zu, als er in das unbekannte Land zog, um es zu erobern. Seien wir Männer wenigstens stark und fest, dainit wir der lieben Mutter und Schwester das geängstete Herz erleichtern lind nicht noch neue grauenhafte Gespenster zu den Schreckbildern eurer Seefahrt hinzufügen. Siehe, du bist alt, und ich bin jung und kräftig, wälze die ganze Last, welche dich drückt, auf^ meine Schultern, und ich betheuere es dir unter freiem Himmel, solange ich die Hände rühren kann nnd meine Sehnen inich tragen, will ich streben und arbeiten, daß das Haus Maimun keine Noth leiden soll. Zwar weiß ich noch nicht, in welchem Lande und auf welche Weise ich mein Versprechen wahr machen werde, doch ist schon der feste Wille, der entschlossene Muth ein günstiger Anfang jedes Unternehmens. Mein Bruder Moses ist gelehrt, reich an Geist und Wissen, er wird gewiß eine Zierde Israels werden, eine Rnmessänle unseres Hauses. Er hat sich redlich Mühe gegeben, mich zu der Höhe seiner Ideen emporzutragen; leider aber waren meine Geistesschwingen zu solchem Gedankenfluge zn schwach. Ich will deßhalb in anderer Weise' dir Ehre machen, lieber Vater, mein Ruhm soll es sein, überall und immer für unfern leiblichen Bedarf zu sorgen und die Würde mit) geachtete Stellung unseres Hauses zu erhalten. „Du sprichst wie ein wackerer Jüngling," versetzte der Vater, „nur hast du allzubescheiden deine Kenntnisse unterschätzt. Aber auch der Beruf den du dir erwählt hast, ist ehrend und edel. Nach der Lehre unserer Religion steht die Arbeit mit den Händen in gleichem Range mit der Arbeit des Kopfes. Größer ist der, welcher von der Arbeit lebt, als wer blosgottesfürchtig ist. Wie angenehm ist das Handwerk vor dem Schöpfer der Welt. Dauert eine Hungersnoth sieben Jahre, die Thüre des Handwerkers erreicht sie nicht. Nur wer der Erde dient, wird von ihr gesättigt. Meinst du mein lieber Sohn, daß wir zunächst auf dem heiligen Boden Palästinas landen? Dieser ist zwar uns ebenfalls fremd 16