Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1881)
- Date
- 1881-08-01
- Page
- Seite 192 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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192 1 M. 1. 1. „Im Anfänge schuf Elohim" n. s. w. Auf gleiche Weise wird wegen der obigen dritten Bibelstelle 11. 1. 26. die Singularform der Aussage „Er schuf den Menschen" als Gegenbeweis hervorgehoben, also nur ein Gott schuf den Menschen. Mit vielem Nachdruck wird die Stelle 5 M. 4. 32. „Frage die Vorzeit, den Tag, wo Gott den Menschen auf der Erde schuf" hier zitirt, wo es heißt „Gott schuf" aber nicht „Götter schufen". Auch gegen die verineinten biblischen Beweise für die Annahme eines Urstoffes im 1 M. 1. 2. „Oede, Berniischtes und Finsterniß" (tobu, bohu, choschech,) versteht der Patriarch R. Gamliel 11. eine Gegenstelle aus Jesaia 45. 8. anzugeben „Er schuf das Licht und die Finsterniß", wo ausdrücklich der Urstoff „die Finsterniß" als von Gott geschaffen, verkündet wird. Wir ersehen daraus, daß die philonischen Ppilosopheme im talmudischen Schriftthume ihre Umbildung und Rektifizirung, d. h. ihren Ausgleich mit den biblischen Lehren und Anschauungen erhielten und in dieser Gestalt weiter gelehrt und verbreitet wurden. AL a i m o n i d e s. Wm-ifchi' Er-iMiny von l)r. M. Dessau e l in Cötheu, design. Landesrabbiner zu Meiningen. (Fortsetzung.) Es war am achtzehnten April elfhundert fünf und sechszig. Dämmerung lag auf der weiten Fläche, der Morgen kämpfte noch mit der Nacht um die Alleinherschaft, und ein kalter Luftzug strich über die dunkeln Wellen, da schlich der greise Mniuiun unbemerkt aus seiner Schlafzelle und ging hinauf auf das Deck. Der Schlaf floh seine Augen, denn schwere Sorgen belasteten sein Haupt. Gen Osten gewandt, der sich allmählich in immer helleren Purpurstreisen färbte, stand er eine Weile fast regungslose und sprach in tiefer Andacht sein Morgen- , gebet; er legte sein Schicksal und die ungewisse Zukunft in die Hand dessen, der seine Väter oft auf wunderbare Weise aus Noth und Gefahr befreit, sie aus Knechtschaft zur Freiheit, aus Nacht zum Licht geführt hat. Es mag für einen ergrauten Familienvater eine unsäglich qualvolle Sorge sein, noch einmal mit zitternden Händen die Lebensarbeit beginnen, von Neuem den Kampf um das Dasein aufnehmen zu müssen, aus einem großen Kreise von Freunden und Ver» rhrern zu gehen und nicht zu wissen, wohin.-In solche peinigende Gedanken versunken, beschienen von den Strahlen des aufgehenden Sonnenballs, der neugestärkt aus den Fluthen sich erhob, um froh wie ein Held die Siegesbahn zu durchlaufen, stand Maimuu wie verklärt am äußersten Ende des Schiffes, als wollte er heute sein Anliegen ganz unmittelbar ohne Schranke und Hinderniß dem Himmel übergeben. Zuweilen seufzte er tief auf, warf einen sehnsuchtsvollen Blick nordwärts nach der Richtung von Cordova, wo tausend seiner schönsten Hoffnungen und Jugendträume begraben waren, dann erniannte er sich wieder, erleichterte sein Gemüth mit der Hoffnung auf die göttliche Hülfe, mit dem Vertrauen auf ihn, der der Verlassenen sich erbarmt und den Bedrängten beisteht, und betete heute mit aller Inbrunst seiner Seele: Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott und Gott unserer Väter, Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, Allmächtiger, Großer und Erhabener, der Gnade erweiset, und dem Alles