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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-08-01 · Heft 8 (1.8.1881) · p. Seite 189

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 8 (1.8.1881)
Date
1881-08-01
Page
Seite 189 (sequence 13)
Language
German
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189 der Schöpfungsgeschichte des 1. B. Mosis nachzuweisen. Mit demselben Nachdruck wie Philo oben die griechische Annahme von den Urstoffen zur seinigen macht, thut es auch das Buch der Weisheit. Dagegen betrachteten sie die palästinischen Volks- und Gesetzeslehrer als mit der biblischen Schöpfungslehre unvereinbar und unjüdisch. Das zweite Makkabüerbuch betont daher entschieden die Schöpfung aus Nichts. Im l.Jahrh. n. Chr. ist es der Volks- und Gesetzeslehrer R. Akiba, der seinen Zeitgenossen Ben Asai, Ben Soma und Elisa b. Abuja, als sie gemeinschaftlich theosophifche Betrachtungen anstellten, — wörtlich in den Pardes (Paradies) eingingen, — warnend zurief: „So ihr zu dem reinen Marmorstein gelanget (eine bildliche Bezeichnung des Wassers als des Urstoffes», saget nicht: „Wasser, Wasser!" d. h. „hütet euch vor der Annahme des Wassers als Urmaterie!" Das Wasser als Urmaterie wurde bekanntlich von dem jonischen Philosophen Thales allfgestellt, kommt als solches in mehreren Stellen bei Homer vor, und war bei den Gnostikern weiter verbreitet. Auch in den Schriften des Evangeliums 2. Petri 8. 5. kommt vor: „Die Erde entstand durch Wasser mit Wasser". Von den genannten Lehrern wurde Ben Soma ausdrücklich von dem Lehrer R. Josua ben Chananja in Folge der Annahme des Wassers als des Urstoffes bei der Weltschöpfnng als außerhalb des Judenthums stehend, bezeichnet. Ersterer theiltc diesem mit: „Ich schaute zwischen dem oberen und dem unteren Wasser (dem schaffenden göttlichen Prinzip und dem Urstoffe) und sah, wie zwischen beiden kaum eine Handbreit (oder drei Fingerbreit) war, denn es heißt: „und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser". Nächst R. Akiba war es R. Gainliel II., der sich entschieden gegen die Annahme von Urstoffen aussprach. Ein Philosoph, wird erzählt, redete R. Gamliel II. an: „Euer Gott war ein großer Bildner, aber er fand hierzu die Urstoffe vor: das Tohu und Bohn, die Finsternis;, den Wind ldie Luft), das Wasser und die Abgründe, sämnitliche cxistirten nach der Bibel schon vor der Schöpfung. Dieser entgegnete: „Wol kommen dieselben in der Bibel als solche vor, aber mit der sie näher bestimmenden Angabe bara, er (Gott) schuf sic; auch sie wurden von Gott geschaffen." Es kommen in diesem Sinne „Tohu und Bohn" vor in 1. M. 1. 1; Licht und Finsternis; in Jesaia 45; Wasser in Ps. 48; Wind in Ainos; Abgründe in Sp. Sal. 7. Von den Gesetzeslehrern des 2. Jahrh. n. Ehr. nennen wir R. Juda und R. Elasar. Letzterer thut den Ausspruch: „Wer da annimmt, erst sei die Welt Wasser in Wasser gewesen, begeht eine Schmähung gegen Gott; Gott braucht nur zu blicken, aber nicht sich zu bemühen." Denselben Ansspruch wiederholt im 8. Jahrh. n. Chr R. Samuel bar Nachmani vor dem Patriarchen R. Juda II. Sein Zeitgenosse R. Abbahn erklärt gegen die Annahme von Urstoffen die Ausdrücke „Tohu und Bohn" in 1 M. 1. 2. im Sinne von Staunen und sich Wundern, Dieselbe Deutung wiederholen die Lehrer des 4. Jahrh. it. Chr. R. Tanchum und R, Berachja. 'Wenn dennoch die Volkslehrer in der talmudischen Zeit von Urstoffen sprechen, so bemerken sie ausdrücklich, das; dieselben geschaffen wurden, aber nicht uranfänglich und unerschafsen existirt hatten. So lehrten Rabh im 3. Jahrh. n. Chr. und Rabh. Juda im 4. Jahrh.: „Zehn Gegenstände wurden am ersten Tage geschaffen: der Himmel, die Erde, das Tohu und Bohn, das Licht, die Finsterniß, der Wind (die Luft), das Wasser, die Tages- und Nachtzeit." Ein Anderer svricht von drei erst erschaffenen Urelementen; dem Wasser, dein Geist oder Wind (Luft) und dem Feuer, aus denen drei andere hervorgingen: aus dem Wasser die nebliche Finsterniß, aus dem Feuer das Licht und aus dem Geist die Weisheit, b. Die

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