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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-08-01 · Heft 8 (1.8.1881) · p. Seite 188

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 8 (1.8.1881)
Date
1881-08-01
Page
Seite 188 (sequence 12)
Language
German
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188 sämmtliche eben zitirten Bibelstellen auch für ihre Lehren in Anspruch zu nehmen. Wir finden fast sämmtliche hier zitirten Nachweisungen im Sohar wieder. Doch wollen wir sehen, was die Polls- und Gesetzeslehrer im Talmud von denselben verworfen oder ausgenommen und umgebildet haben. Gegen das Jahr 63. v. Chr. zur Zeit, als sich unter den Inden Alexandriens durch die Septuaginta und die Schriften Aristobuls u. a. in. eine griechisch jiidische literarische Thätigkeit schon ziemlich entwickelt hatte, aus der später die philonische Philosophie hervorgegangen ist, lebte in Palästina der Volks- und Gesetzeslehrer Abtaljon, der gegen diese jüdisch hellenistischen Philosopheme Front zu machen schien, wenn' er lehrte: „Ihr Weisen, seid vorsichtig mit euren Worten lLehren», vielleicht verschuldet ihr das Exil und werdet nach einei» Ort böser Wasser tIrrlehren) verwiesen; es trinken davon die Jünger nach euch und sie sterben «den geistigen Tod) d. h. sie fallen von ihrem Glauben ab, sodaß der Name Gottes entweiht wird!" Eine ähnliche Mahnung gegen den Hellenismus hat das äthiopische Heuochbuch 94. 5; 98. 15; 99. 2; 99. 14; 104. 10: „Wehe euch, die ihr Lügen redet und Frevelwort niederschreibt, denn sie schreiben ihre Lügen auf, damit man sie höre und nicht vergesse. — Wehe euch, die ihr die Worte der Rechtgläubigkeit fälschet und von dem ewigen Gesetze abfallet. Ferner sie ändern die Worte der Wahrheit, fuhren schlechte Reden und schreiben Lügeubücher über ihre Reden. In Kap. 98. 16. wird in bitterer Auslassung nachdrücklichst über das griechische Gift geklagt, das in die Schriften gedrungen. Solche Warnungen waren nicht vergeblich, sie fanden in Palästina ihre volle Beachtung. Die talmudischeu Berichte über die folgenden Zeiten bis zum 3. Jahrh. n. Chr. erzählen, wie man mit der Aufnahme von hellenistischen oder alexandrinischen Philosvphemen über Gott, Welt, Schöpfung u. a. in. vorsichtig war und gar oft sie bekämpfte und völlig verwarf. Man machte sich an die Feststellung des biblischen Kanons, revidirte sorgfältig den Inhalt seiner einzelnen Schriften und manches Buch, das in seinen Lehren Anklänge an jene unbiblisch gehaltenen alexandrinischen Philosopheme enthielt, wurde aus dem Kanon gewiesen oder wenigstens als mit der reinen Lehre des Judenthums unvereinbar bezeichnet. R. Jochanan Sohn Sakai, das Synhedrialvberhaupt von Jabne, geht darin noch weiter, ihm erscheint jede Forschung über den Grund der Gesetze als sektirisch, er dringt auf die Vollziehung derselben aus dem einzigen Grunde, weil sie Gottes Befehle sind, über deren Ursache man weiter nicht zu fragen habe. Eine ebenfalls sehr alte Lehre, die in die Mischna ihre Aufnahme gefunden, lautete: „Wer über die vier Gegenstände nachforscht, sollte nicht in der Welt sein, über das, was über dem Himmel, was unterhalb der Erde sei, was früher (vor der Weltschöpfung) und was später (nach dem Weltuntergänge) sein werde." „Wer nicht der Ehre seines Schöpfers bedacht ist, besser, er wäre nicht dagewesen!" Man beschränkte die Forschung überhaupt auf den Jüngerkreis von Eingeweihten und hielt deren Resultate geheim, als nicht die Sache jedes Mannes. Die Bestimmung darüber war: „Man forschte nicht in der Schöpfungsgeschichte vor Zweien und in der Merkaba «s. Geheimlehre) vor Einem, wenn dieselben nicht weise sind und selbst verstehen." Gegen die Annahme Philos von Mittelwesen bei der Weltschöpfung, den Urkräften oder Urideen, wird hier an der Bibellehre von der unmittelbaren Schöpfung durch Gott festgehalten und die Lehre von einem vorweltlichen Urstoff lUrmaterie) in Abrede gestellt. Hiervon bringen wir erst: a. die von der Annahme eines Urstoffes. Die Annahme eines Urstosfes drang aus der griechischen Philosophie ins Judenthum ein. Die alexandrinischen Juden bemühten sich noch, dieselbe in

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