Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1881)
- Date
- 1881-08-01
- Page
- Seite 187 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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187 nicht „Bild Gottes" steht, was andeutet, daß der Mensch nur nach dem Abbilde Gottes, den« Logos, geschaffen wurde. Aus Spr. Sal. 8. 22. u. 2 M. 20. 12. entnimmt er, daß die Weisheit die Mutter des Logos sei und findet eine Hinweisung auf beide in deni Namen Bethuel (Bathel, Tochter Gottes) und in dem Namen Bezalel, 2 M. 31. 2., Schatten Gottes. Aus l M. 1. „Gott schafft durch das Wort" beweist er, daß der Logos das Werkzeug Gottes bei der Schöpfung war. Mehr als dies sieht er in den Worten 5 M. 8. 3. „denn von Allem was aus dem Munde des Ewigen kommt, lebt der Mensch", daß der Logos gleich Gott das alleinige Sein ist, dem die Welt unterliegt. Die Beziehung des „Himmels" in 1 M. 1. 1. auf den Logos bestimmt denselben als den Inbegriff der Idealwelt und deutet ihm an, daß der Logos ein Buch sei, in welches sämmtlichc Ideen eingegraben find. Symbolisirt findet er den Logos in seiner Wirksamkeit, die geistigen und sinnlichen Mächte zu vereinigen, in dem bunten Gewände des Hohenpriesters. Unter- Hinweisung auf 3 M. 21. 10. „und seine Kleider zerreißt er nicht" lehrte er, daß der Logos die ganze Welt wie ein Gewand umhat, welches er nicht zerreißt, sondern fest zusammen hält. Ueberhanpt wird der Logos in seiner zwischen Welt und Gott vermittelnden Stellung in dein Hohenpriester 3 M. 16. 17. symbolisch dargestellt gefunden und wird somit Höherpriester genannt. Diese seine Priesterthätigkeit in Bezug auf den Menschen erkennt er in der des Priesters Melchisedek (1 M. 14. 18.) verbildlicht; auch er bringt als Melchisedek als gerechter König und als Köllig von Salem d. h. als König des Friedens, der menschlichen Seele Gerechtigkeit und Frieden. Weiter deutet er 3 M. 21. 11. „zu keiner tobten Person soll er (der Priester) koinmen" als auf den Logos sich beziehend, daß er in keine gestorbene Seele (d. h. in eine in Sünden versunkene Seele) einziehe. Ferner soll 1 M. 19. 23. „die Sonne ging auf und Lot kam nach Zoar" das Bild für die Erleuchtung der Seele durch den Logos sein; ebenso findet er in 1 M. 28. 11. „denn die Sonne war nntergegangen" die Andeutung der Verdunkelung der Seele, so der Logos davon zieht". Ueberhaupt werden die Worte daselbst: „er traf auf einen Ort", daß der Schauende auf den göttlichen Logos traf. Wie er zugleich der Verkünder und Vermittler der Rathschläge Gottes an die Menschen sei, weist er in 1 M. 22. 16. „bei mir habe ich geschworen, spricht der Ewige" und in 5 M. 6. 13. „und in seinem Namen sollet ihr schwören" nach. Von seiner Weltleitung soll der Psalm 23.1. „Der Ewige ist mein Hirt, ich habe keinen Mangel" sprechen. Der Logos leite, wie eine Heerde, Erde, Wasser, Feuer und Luft nebst den Pflanzen und Thieren darin. Die Patriarchen, Moses, das Volk Israel und dessen künftige Sammlung aus dem Exil werden durch ihn geleitet. Symbolisirt findet er den ebenso thätigen Logos in dem Felsen, aus dem Moses das Wasser in der Wüste für Israel quellen ließ; in der Feuersäule ans dem Zuge der Israeliten, in dem Obersten der drei Männer, die Abrahanr besuchten u. a. m Den Logos sieht er ferner in deni Geist, der bei der Schöpfung 1 M. 1. 2. über dem Wasser schwebt; auch in der Taube, die bei Noah die göttliche Gnade vermittelt. Wie diese und ähnliche Nachweise durch die Bibel von den strenggläubigen Juden in Pälästina, nachdeni dieselben bei ihnen bekannt geworden, ausgenommen wurden, darüber giebt uns das talmudische Schriftthunr Auskunft. Aber wir bemerken schon jetzt, daß im Ehristenthume die Kirchenväter sich fast all dieser biblischen Nachweise bemächtigt hatten, urn das Dogma der Trinität u. a. m. zu rechtfertigen. Später hat es auch die spekulative Mistyk nicht gescheut, fast