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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-08-01 · Heft 8 (1.8.1881) · p. Seite 185

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 8 (1.8.1881)
Date
1881-08-01
Page
Seite 185 (sequence 9)
Language
German
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185 sophie, die im Platonismus und der Stoa wurzelt, nicht brechen. Der Logos, lehrt er, ist das Urbild der Welt, nach welchem sie geworden, aber zugleich die schaffende und erhaltende Urkraft; Gott schafft und erhält die Welt durch ihn; er ist sein Werkzeug. Anderwärts bezeichnet er ihn als die wirksame göttliche Vernunft; die Idee als Inbegriff aller andern Ideen; die Kraft, die alle andern wirkenden Kräfte in sich faßt; den Gesammtinhalt der übersinnlichen Welt, das geistige Haus Gottes im Gegensätze zu seinem sinnlichen Hause, der Welt, das allgemeine Sein, das allen Dingen zu Grunde liegt; das Buch Gottes, in welchem die Wesenheiten aller Dinge verzeichnet sind; die Metropole, deren Pflanzstätte die übrigen Kräfte sind. Der Logos, lehrte er ferner, ist der Mittler zwischen Gott und der Welt, der Stellvertreter und Gesandter Gottes, Verkünder und Ausleger der Rathschlüffe Gottes für die Menschen und somit der Prophet, der Erzengel zur Vermittlung von Offenbarungen, der Vertreter der Welt bei Gott, der Hohepriester, der für sic betet, die Sünden der Menschen aufhebt, versöhnt u. a. m. Ebenso wird er als Urbild des nienschlichen Geistes gehalten, nach dem er geschaffen wurde; daher er auch „der Urmensch", „himmlischer Mensch" genannt wird. Er erleuchtet die menschliche Seele und heißt deshalb die Sonne (de?<>inn. I. 15. 19), durch ihn hatten die Israeliten in Aegypten (2 M. 10. 23) Licht in ihren Wohnungen. Weiter heißt es von ihm, daß er das Band ist, das alle Theile in der Welt verknüpft und sie selbst, wie ein Gewand anzieht. Mit dieser Zeichnung des Logos steht Philo nicht mehr ganz auf dem Glaubensbode» des Judenthums; die biblische Gottesidee des Monotheismus hat bei ihm eine Modifikation erhalten, die sie fälschte und unkenntlich machte. Auch in seinen andern Angaben bemerken wir ein ähnliches Schwanken. So sagt er von dem Wesen des Logos, daß er weder geschaffen nach Art der andern Dinge, noch ungeschaffen gleich Gott sei. In Bezug ans das Verhältniß des Logos zu den obengenannten zwei Urkräften, der Güte und der Macht, lehrte er: „Der Logos steht zwischen diesen zwei Grundkräften in der Mitte, sodaß er nur das geineinsame Product von diesen beiden darstclle. Abweichend hiervon nennt er anderwärts den Logos höher als diese zwei Kräfte. Es ist daher zweifelhaft, ob Philo den Logos als die Wurzel oder das Product, dieser zwei Urkräfte hält. Größer wird dies Schwanken bei ihm in der fernern Bestimmung, ob der Logos nur eine göttliche Eigenschaft und identisch mit der göttlichen Weisheit sei oder ein für sich bestehendes Wesen bilde. An mehreren Stellen spricht er vom Logos als von einer göttlichen Eigenschaft und hält ihn identisch mit der göttlichen Weisheit. Doch erscheint er an andern Stellen bei ihm als ein neben Gott existirendes selbstständiges Wesen, das er „Bild Gottes" oder „Schatten Gottes" nennt. Aber bald tritt auch hier wieder sein jüdischer Glaube zum Vorschein; er möchte den Monotheismus retten. So bezeichnet er den Logos gleich den andern Wesen zum Unterschiede von Gott dem Ungewordenen, als den Gewordenen, der von den andern Wesen das Erste und Höchste ist und so zum Unterschiede von ihnen „der erstgeborene Sohn Gottes" heißt. Der Logos ist der ältere, die Welt der jüngere Sohn Gottes. Wieder läßt er sich von heidnischen! Einflüsse verleiten, ihm' den Namen Gottes beizulegen und begnügt sich zur Beschwichtigung seines jüdischen Gelvissens, daß er.ihn nur „Gott", ohne Artikel oder „zweiter Gott", um ihn von denr wahren zu unterscheiden, nennt. Wir wollen sehen, wie er für diese feine Lehren Begründungen und Andeutungen in der Schrift aufsucht. Zuerst: a. über seine Lehren von den Urkräften. Die Bildung einer idealen Welt, als Vorbild der zu

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