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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-08-01 · Heft 8 (1.8.1881) · p. Seite 184

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 8 (1.8.1881)
Date
1881-08-01
Page
Seite 184 (sequence 8)
Language
German
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184 mudischen Schriftthume über die Anthropomorphismen und Anthropopathismen in der Bibel. Dieselben erklärt Philo als eine Anbequemung an die Schwächen der Menschen. Die Masse derselben vermag nicht, das Göttliche in seiner Reinheit zu fassen; daher hat Gott im biblischen Schriftthume die an sich unwahre anthropomorphistische Form gewählt. Ebenso sprechen sich die Volks- und Gesetzeslehrer im Talmud aus: „Die Thora lPentateuchl redet nach der Sprache der Menschen." „Groß ist die Kraft der Propheten, denn sie vergleichen den Schöpfer mit dem Geschöpf". „Die Schrift gebraucht diese Redeweise, um es dem menschlichen Ohre verständlich zn machen". II. Welt, Weltschöpfung, Urstoff, göttliche Urkräfte, Logos, Mittelwesen. Die in der griechischen Philosophie sich geltend machende Annahme eines vorweltlichen Urstoffes bei der Weltschöpfnng, der Philo gefolgt war, und die Zeichnung Gottes als eines außerweltlichen erhabenen geistigen Wesens, Schöpfers der Welt, stießen in seiner Darstellung der biblischen Schöpfnngslehre auf Widerspruch. Die Weltschöpfung durch Gott selbst, seine Berührung mit der Materie, dem vorweltlichen Urstoffe, erschien ihm als mit der göttlichen Erhabenheit unvereinbar und sie aufhebend. Philo denkt sich daher die Weltschöpfung gleich Plato als eine Weltbildung, nur mittelbar durch Gott. Mit Plato nimmt auch er erst eine Bildung von einer intelligiblen Welt von Ideen als Ur- und Musterbilder für die Schöpfung. „Als Gott die Welt schaffen wollte, heißt es bei ihm, erkannte er, daß ohne ein schönes Vorbild ein schönes Abbild nicht werden könne, und da jedes Werk ein geistiges Urbild voraussetzt, bildete er erst die intelligible Welt der Ideen". Mit diesem platonischen Philosophen« verbindet er die stoische Lehre von den wirkenden Ursachen, sodaß seine Urideen nicht blos Musterbilder, sondern zugleich die wirkenden Ursachen, Urkräfte alles Gebildes sind, die sich des ungeordneten Stoffes bemächtigten und jeden« Dinge seine Eigenschaften gaben. Diese Urkräfte, nicht blos Urideen, bezeichnet Philo weiter als Theile der Gottheit, die eine Ausströmung von Gott an die Welt, oder eine Erweiterung des göttlichen Wesens, Ausbreitung seiner Kräfte, durch die Welt darstellten. 'Hierbei betont er es, daß wenn auch die Urkräfte durch ein Ausströmen aus Gott entstanden sind, Gott dadurch von seiner Einheit nichts verliere. Eine Schwankung bemerken wir in seiner Lehre von dem Wesen dieser Urkräfte, ob sie von Gotteswesen unzertrennlich oder von ihnen verschieden sind. Er spricht von einem Lichte, das von ihnen ausstrahlt und stellt Gott als das Urlicht dar. Dagegen nennt er an mehreren Stellen diese Urkräfte Diener und Statthalter Gottes, Vollzieher seines Willens und Vermittler zwischen Gott und Welt, die Engel bei Moses und die Dämonen bei den Griechen. Die Zahl dieser Urkräfte wird verschieden angegeben. Im Allgemeinen werden sechs angenommen. Von diesen werden zwei besonders genannt: die Güte und die Macht; durch erstere wurde Alles erschaffen, durch letztere wird Alles beherrscht. Die Güte ist die höhere und ursprüngliche, nach der Gott vorzugsweise genannt wird. Durch diese Eigenschaft ist Gott gnädig den Sündern, denen er die rettende Hand reicht, durch die andere herrscht er; giebt Gesetze und bestraft. In Bezug auf ihr gegensätzliches Wirken wird eine dritte, sie beide verbindende oder vermittelnde Urkraft genannt; es ist der „Logos", der beide vereinigt, sodaß Gott durch ihn herrschen und gütig sein kann. Wer dieser Logos sei? In der nähern Bezeichnung desselben greift Philo zu verschiedenen Bildern, ohne ihn doch klar und bestimmt anzugeben. Man merkt das Dilemnia, in dem er sich befindet; er möchte den biblischen Monotheismus geschont wissen und doch mit der Consequenz seiner Philo-

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