Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1881)
- Date
- 1881-08-01
- Page
- Seite 183 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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183 nicht sage, die Engel Michael und Gabriel standen Gott bei seinein Schöpsunaswerk bei". In Bezug auf den Engel Metatron, »der gleich dem philonischen Logos in der Mystik gelten sollte, wird ausdrücklich diese Annahme als Abfall Achers voin Judenthume bezeichnet. Auch die Offenbarung an Moses behauptete R. Akiba gegen die philonische Annahme, daß sie durch den Logos geschehen; er lehrte: „Es heißt: „Er lGottt redete zu ihm", d. h. zu Moses aber nicht zu den Engeln." Dagegen wird der Lehrer Ben Soma mit seiner Annahme: „Die Stimme Gottes war der Engel Metatron" als irrig angegeben. Ein dritter Lehrer giebt die Berschuldung des Exils für die Israeliten in der Verleugnung des Monotheismus au. „lieber die Israeliten wurde nicht früher das Exil verhängt, bis sie die Einheit Gottes geleugnet. Eine andere dieser Zeit angehörende Lehre gegen den Glauben an eine Zwischengottheit lautet: „Und der Ewige führte aus Aegypten", nicht durch einen Engel, nicht durch einen Seraph, auch nicht durch einen Boten, sondern Gott allein in seiner Herrlichkeit, er selbst, ferner: „Ich durchzog das Land Aegypten", ich, aber kein Engel; „ich schlug jeden Erstgebornen", ich, aber kein Seraph „und an allen Göttern führte ich Strafgerichte aus", ich aber kein Bote!" Ein Lehrer aus dem 2. Jahrh. n. Ehr. R. Eleasar Hakapor, spricht dies noch deutlicher aus: Die Gcbornen sind zum Tod, die Todten zum Wiederaufleben, und die Wiederbclebten zum Tag des Gerichts bestimmt, damit es erkannt werde, daß Gott ist der Bildner, der Schöpfer, der Verständige, der Richter, der Zeuge u. s. w. Gegen die aus der philonischen Logoslehre hergeleitete Trinität lautete ihre Vermahnung: „Ich bin der Ewige dein Gott" •—, ein Mensch von Fleisch und Blut hat einen Vater, einen Bruder, einen Sohn, aber Gott hat keinen Vater, keinen Bruder und keinen Sohn, denn es heißt: „und außer mir giebt es keinen Gott." Die Erkennbarkeit und Nennbar keit Gottes, Eigenschaften Gottes, Herrlichkeit und Weisheit Gottes. In der Erkennbarkeit und Nennbarkeit Gottes sind die talmudischen Aussprüche in völliger Uebereinstimmung mit den oben angegebenen. Gott an sich kann von den Menschen weder erkannt, noch genannt werden, aber desto mehr in seinem Verhältnisse zur Welt. Aehnlich der philonischen Lehre oben lehren die Volks- und Gesetzlehrer: „Gott sprach zu Moses: „Meinen Namen willst du wissen?" Ich werde nach meinen Werken genannt: heiße „Elohim", wenn ich die Geschöpfe richte; „Zebaoth", wenu ich Krieg gegen die Frevler führe; „Schaddai", Mächtiger, wenn ich die Strafen verhänge; Ewiger, wenn ich niich der Menschen erbarme, denn es heißt: „Der Ewige, der Ewige ist barmherzig, gnädig u. s. w." Nur in Bezug auf obige Lehren von Gottes Eigenschaften und der in her Bibel vorkommenden Herrlichkeit und Weisheit Gottes weichen die Angaben im talmudischen Schriftthume von den philonischen Philosophemen ab, in denen wir eine Umgestaltung der letztem und eine Gegenerklärung gegen dieselben erblicken. Philo spricht von den göttlichen Eigenschaften als den von Gott getrennten selbstständig wirkenden Kräften, dagegen hat der Talmud den Ausspruch: „Zu jeder Zeit, da wir zu ihm rufen" (5 M. 4. 7.), „zu ihm", zu Gott allein, aber nicht zu seinen Eigenschaften." Die göttlichen Eigenschaften werden als keine von Gott getrennte, selbstständig existirende und wirkende Wesen gedacht. Nur hypostasirt spricht man bildlich von der göttlichen Barmherzigkeit und der göttlichen Gerechtigkeit. Auch hier ist es wieder die spätere Mystik und die Kabbala, welche diese göttlichen Eigenschaften als selbstständig wirkende Kräfte unter den Namen „Sephiroth" anfstellt. In völliger Uebereinstiinniung mit den philonischen Philosophemen sind die Lehren im tal-