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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-07-01 · Heft 7 (1.7.1881) · p. Seite 171

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 7 (1.7.1881)
Date
1881-07-01
Page
Seite 171 (sequence 19)
Language
German
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171 Versöhnung, dem die Menschheit sicher, wenn auch langsam und unter Rückfällen, entgegenringt. Wie an jenem lichtumflossenen Drama aber und noch mehr als an demselben hat der Fürwitz und die Anmaßung, die Beschränktheit und der Scharfsinn an dem Heptaplomcres zu mäkeln und auszusetzen gefunden. Vor allem, rufen sie, fehlt der Schluß des Dialogs! Versteht man unter einem passenden kunstgerechten Schluß: eine freitvillige oder gewaltsame Bekehrung Aller zu einer alleinseeligmachendeu Wahrheit — dieser Schluß fehlt. Dieser Schluß wird auch nimmer eintreffen. Nicht Jahrhunderte und nicht Jahrtausende werden die religiösen Gegensätze verschwinden lassen; die Vielheit der Bekenntnisse nimmer aufhören. Nathan veriveist die streitenden Brüder auf eine spätere Zukunft, auf einen „weisen Richter," der das väterliche Geheimnis;, das Nüthsel des echten Ringes offenbaren soll. Die Redner des Heptaplomcres erkennen das als eine Täuschung, eine Ausflucht für die Schwachheit und die Einbildung. Solange die Menschen, selbstsüchtig und unduldsam, von gegenseitigem Haß und Hader nicht lassen, so lange sie selber nicht weiser sind, wird der ersehnte weise Richter ihnen nimmer erscheinen; so sie aber weiser geworden, verlangen sie des Richters nicht mehr. So wollen die Freunde den religiösen Disput aus ihrer Mitte für immer verbannen: den Richterspruch wollen sie nimmermehr herausfordern. Die Religion, die Jeder bekennt, bleibt ihm die höchste und heiligste. Es beugt sich nicht und weicht nicht der Eine vor dem Andern. Nur die Liebe, die nach harten Kämpfen errungen, schlingt uni sie Alle ein einendes Band. Zu den alten Ringen schaffen sie sich selber einen neuen, nicht minder echten: die Humanität niit ihrer herzbezwingenden Gewalt: der Wunderkraft beliebt zu machen, vor Gott und Menschen angenehm. An diesem neuen Ring hangen alle übrigen, er durchschlingt und vereinigt sie zu einem unlöslichen Bunde. „Wie schön und wie lieblich wenn einträchtig Brüder beisammenwohnen." Das sind echte und reine Lessinggedanken, die mit dem Anbruch der Neuzeit in Jean Bodin ihren vornehmsten Diener und Priester gefunden: Gedanken der Eintracht und Brüderlichkeit aller Völker, der Liebe und Versöhnung aller Bekenntnisse, des Friedens und der Freiheit aller Racen und Zungen. Eine dreihundertjährige Entwicklungsgeschichte hat die Menschheit seitdem zürückgelegt. Wir sind an der Schwelle des hundertjährigen Erinnerungtages seitdem der große Toleranzdichter des deutschen Volkes sein irdisches Wirken beendet. Die Völker Europas aber stehen heute wie in den finsteren Zeiten nach Nationalitäten, nach Stämmen, nach Ra<;en, Sprachen, Glaubenslehren, haßgerüstet einander gegenüber, mit einem lieblosen Späherauge die gegenseitigen Schwächen musternd, zergliedernd. Aus dem Reich der Finsterniß scheinen sie wieder erstanden, die Hochstraaten, die Pfefferkorn, die Götze, die Possevin und Voccalin, ihren längst vermodert geglaubten Gebeinen scheint neues Blut gekonrmen und sie sind aus dein Grabe emporgestiegen, uni den alten Kampf wieder aufzunehmen gegen die heiligsten Güter der Menschheit. Sie häutete sich nur, die alte Schlange, ihr Gift'aber, ihre Wuth und ihr tödtlicher Blick haben sich nicht geändert. Gleich jenem „Schlaukopf von einem Maire in Lyon," von welchem Seuamns im Heptaplomcres erzählt, daß er die Jugend der Protestanten und Reformirten unablässig mit gleißnerischen Redekünsten wider einander aufgestachelt und gehetzt, daß sie sich auf offenem Marktplatz wie Gladiatoren begegneten und gegenseitig abschlachteten, so wird heute wieder mit gleißnerischer Rede und tönender Phrase, mit feingesponnenen Lügen, mit dem schleichenden sicher tödtenden Gifte der Verleumdung Zwiespalt gesäet in die Herzen, ein flammender Haß entfacht und ein * 14

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