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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-07-01 · Heft 7 (1.7.1881) · p. Seite 167

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 7 (1.7.1881)
Date
1881-07-01
Page
Seite 167 (sequence 15)
Language
German
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167 Vor der Geschichte des Judenthums steht Bodin voller Bewunderung; die phänomenale Erscheinung dieses Volkes, welches so viele Jahrhunderte hindurch die heftigsten Verfolgungen und die wildesten Ausbrüche des Glaubenshasses mit Geduld und Demuth ertragen, ohne zu murren, in beispielloser Ergebenheit sich und alle Güter opfernd für einen bloßen — Gedanken, fesselt ihn mit nnnenbarer Gewalt; für dieses geheimnißvolle Wunder findet er keine Erklärung, er sieht darin eine Offenbarung der Vorsehung. Israel, sagt Salomo, ist in Wahrheit der erstgeborene Sohn Gottes, von ihm erkoren und ausgezeichnet; der heilige Chrysostomus nennt es die Mutter der Völker. Der erste Herold der reinen Gottesidee, war es zugleich Zeuge und Verkünder des Morgenrothes in der Welt des Geistes. Die Niedrigkeit und Verachtung, die Leiden und die Bedrängniß sind keine. Beweise für seine Verkümmerung und Hoffnungslosigkeit. Arm und elend, gering und unscheinbar, macht- und glanzlos und darum verachtet vor den Augen der Menschen, steht es in den Augen Gottes höher als jene mit aufgeblühter Größe und Stolz. Weit entfernt, daß die Erniedrigung ein Anzeichen sein soll des göttlichen Zornes, der göttlichen Verwerfung, wie Cur tius wiederholt argumentirt, feiern auch die Christen ihre Märtyrer wegen deren Leiden als gottbegnadete und erwählte Männer, zu denen sie anbetend und voller Verehrung aufschauen. Der größte Dulder aber ist Israel, das Märtyrervolk, der Träger und Bewahrer des göttlichen Erbes und Priesterthums. „Gesegnet seist du mein Volk Assnr, meiner Hände Werk Egypten, mein Erbe Israel." Dieses Priestervolk ist seines Amtes nicht entsetzt, es steht noch immer aufrecht seines Berufes zu warten; das Gotteswvrt, welches ihm das heilige Gut anvertraut hat, kann nicht zurückgenommen werden. So schwört Gott bei Jesaia (31,37), daß eher der vorgezeichnete Lauf der Gestirne und die schnellen Bewegungen der Himmelskörper zum Stillstand kommen, als daß er Israels vergäße. So wenig Jemand die Weite des Himmels und die Fundamente der Erde ergründen wird, so wenig werde ich meines Volkes vergessen. <S. 95.) Selbst in des Strafgerichts dräuendem Tone untermischt sich der süße Klang göttlicher Verheißung: Auch wenn sie sein werden im Lande der Feinde, werde ich sie nicht verstoßen und verachten, meinen Bund mit ihnen zu brechen. Die Zerstreuung Israels war eine wunderbare, göttliche Veranstaltung, um die Völker der Erde mit dem ihm verliehenen göttlichen Geiste zu durchdringen, und die h. Schrift in alle Länder zu tragen. (S. 200.) Es wäre ein Unrecht, ja eine arge Verkennung dieses cigenthümlichen Charakters, wenn man gegen Salomo bar Cassus den Vorwurf der Gering achtung fremder Völker erheben nwllte. Weit entfernt auf sie geringschützend herabzusehen, erkennt er einem jeden von ihnen eine göttliche Mission zu. Er beruft sich darauf, daß im Tempel zu Jerusalem 70 Opfer dargebracht wurden für die siebzig fremden Völker, um Gottes Segen für sie herabzuflehen. Das Selbstbewußtsein, dieErkenntnißdes eigenen Werthes und Berufes, ist keine Geringschätzung Anderer, kann nur von der Bosheit dafür ausgegebeu werden. Mcht neidisch sieht Israel auf die große Verbreitung des Christenthums und des Jsams: „wir mißgönnen nicht, betheuert Salomo, den Völkern ihr Heil, wir begleiten sie mit den glühendsten Wünschen, beten unablässig für ihr Gedeihen" nach den Worten des Profeten: „Gesegnet seist du mein Volk Assur, meiner Hände Werk Egypten, inein Erbe Israel." Was Bodin am hebräischen Volke vor allem mit solcher Bewunderung erfüllt hat, das war die religiöse Toleranz und die Humanität seiner Gesetz-

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