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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-07-01 · Heft 7 (1.7.1881) · p. Seite 165

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 7 (1.7.1881)
Date
1881-07-01
Page
Seite 165 (sequence 13)
Language
German
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165 schaulicht. Keiner von ihnen findet Gelegenheit, den Anderen entgegenzutreten, und sie sind selbst dort eines Sinnes, wo sie einander zu widersprechen scheinen. Toralba preist die Natur in ihrer geheimnisvollen Ordnung und Harmonie als Quelle ewiger, göttlicher Offenbarung, welche das positive Bekenntnis mit der Fülle und Üeberfülle seiner Satzungen, Riten und Ceremonien, entbehrlich mache. Die Frommen der Urzeit, Abel, Henoch, Noah, Sem, haben aus der Natnrbetrachtung ihre Gotteserkenntnis gezogen. Wer unter allen Frommen habe würdiger, geistiger und idealer die Herrlichkeit und Macht, die Güte und Weisheit des Schöpfers erkannt, seine reiche Vorsehung inniger erschaut als Job, wer hat mehr die Geheimnisse der Natur und göttlichen Gesetze erfaßt'? Wer unter allen Sterblichen hat Gott reiner angebetet'? Und was ist das Zweitafelgesetz, welches alle Völker von den Ebräern überkonimen haben, anderes als eine gekürzte und klare Zusammenfassung der Naturgesetze? Die Sonne, die sich im Osten erhebt in ihrer Pracht, der Mond, wenn er erscheint am westlichen Himmel, die Sphären mit ihrem Sternenheer, der unermeßliche Ocean mit seinen brausenden Wogen und Wellen, die Ganzheit der Natur sammt den mannigfaltigen abwechselnden Erscheinungen voll von Ordnung, zeugen und melden von Ihm, deni Einzigen und Ewigen. Richte in die Höhe den forschenden Blick, oder senke ihn sinnend in die Tiefe, du wirst erkennen die Sündhaftigkeit, statt des reichen, mächtigen Schöpfers, eine armselige, schwache Creatur anzubeten, betrachte sie mit sinnendeni Geiste und horchender Seele und sie wird dich die Pflichten lehren gegen die Urheber deines Lebens, die Pfleger deiner schwachen Jugend, deiner hilflosen Kindheit, die Pflicht vor Allem, die thierische Leidenschaft zu mäßigen, die sinnliche Gier zu zähmen, wahr und treu zu sein in Gedanken und Worten, wie die Gottes-Natur es ist. In müßiger Spielerei zeigt er die zehn Gesetze sinnbildlich dargestellt, in den zehn Himmelssphüren. Sv entspricht das 4. Gebot der Sphäre' des Jupiter, des Menschen-Vaters, das 5. der des Saturn, hebräisch Sabbati, das 6. der des Mars, des Menschen-Mörders, das 7. der der Venus, das 8. der des Diebsgottes Merkur, das 6. lies't er in der Sonne, dem Bilde der Wahrheit bei den Alten, u. s. w. Saloino stimmt ihm bei, daß Naturbetrachtungen den Menschen zu veredeln, Herz und Gemüt zu erwärmen, zur Heiligkeit des Wandels hinanzuleiten vermag. Abraham, der das Gottesgesetz treu befolgt hat, kann es blos von der Natur gelernt haben. Den Zusammenhang zwischen dem Dekatog und dem Naturgesetz hat schon Philo betont. Allein so wenig ein in dunkeln Räumen eingeschlossenes, farbenfrisches Bild von Meisterhand, ausgerüstet mit noch soviel Pracht und Zauber, gesehen werden kann, ans den sinnigsten Beschauer irgend eine Wirkung üben, so lange nicht das Sonnenlicht seinen Schimmer und seine Stralen darauf geworfen: ebenso muß der Mensch einen Gottesstral der Erkenntnis, eine innere Erleuchtung der Natur entgegenbringen, soll ihr Anblick ihm die göttlichen Geheimnisse offenbaren. Das hat keiner klarer als Hiob ausgedrückt: „die Weisheit, woher kommt sie'? Die Flut spricht: „Nicht in mir ist sie!" Das Meer spricht: „Nicht in mir ist sie." Das Gold ist nicht ihre Bürgschaft, das Silber nicht ihr Kaufpreis. Gott allein kennt ihren Weg, er weiß ihre Stätte. Als er dein Winde sein Gewicht bestimmt, den Gewässern ihr Maaß, als er dem Regen ein Gesetz gezogen, und die Bahn gezeichnet dem Wetterstrahl, da hat er die Einsicht geschaffen und verwirklicht. Er spricht zum Menschen: fürwahr nur bei Gottesfurcht ist Weisheit, Vernunft nur bei Sündenscheu."

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