Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1881)
- Date
- 1881-07-01
- Page
- Seite 164 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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164 und Neigung sich jemals durch den Gedanken, daß ganze Schichten der Gesellschaft, niit denen er sich nur lose verknüpft fühlt, mit ihm Schuld und Brandmal seiner Sündigkeit theilen müßten, sich eher und leichter von seinem sündigen . Wandel werde abbringen oder vor einer sündigen Einzelhandlung eher und leichter zurückschrecken werde, als wie durch die Wucht einer Verantwortlichkeit, die lediglich auf ihn und allenfalls noch auf seinen engsten und nächsten Kreis mit herniederfällt? Im Judenthum leben ethische Juden, die an sich reiner und höher, auch in erziehlicher Hinsicht viel wirksamer sich bewähren, die Idee von der Heiligkeit des göttlichen Namens, der über uns genannt ist, und die uns zur Heiligung des Namens, zu Kiddusch Haschschem verpflichtet, und die Idee von der Gottähnlichkeit des Menschen, welche jeden im Ebenbilde des Ewigen Erschaffenen verpflichtet, seines Ursprungs eingedenk, die göttliche Ebenbildlichkeit durch Reinheit seiner Sitten sich zu wahren. ’ Das sind nicht etwa Ideen, die verborgen im Schooße unseres Bekenntnisses schlummern und erst gewaltsam geweckt werden müssen. Nein! Seit je und je leben sie in Herz und Mund und Hand der Juden, werden sie im Inneren gehegt, mit den Lippen bekannt und wirklich geübt. Mögen darum diese im Judenthum lebenden religiösen und ethischen Ideen auch fürderhin ihren Ehrenplatz behaupten und sich davon nicht durch neue, noch unerprobte Lehren der Gesellschaftsethik verdrängen lassen! So oft wir ein Buch der Thora schließen nach öffentlicher Vorlesung, rufen »vir: Chazak w’nithehazzak, d. h. „Sei stark und wir werden erstarken!"') Ja, laßt nur jeden Einzelnen in Israel stark sein und die Gesammtheit wird erstarken, und erfüllen wird sich an ihr die Verheißung des ersten und größten Lehrers: „Und alle Völker der Erde werden sehen, daß der Name des Ewigen über dir genannt ist, und sie werden mit Ehrfurcht dir begegnen!"^) ') Nach Sam. II, 10, 12. - 2) Deut. 28, 10. Jean Modln, ein franMscher Staatsmann nnd Rechtslehrer, ein Lc Ising im 16. Jahrhundert. Vortrag, im Saale der Handelsakademie in Prag ain 29. Januar 1881, gehalten von Or. I. S. Bloch. (Schluß.) In den wichtigsten Grundprincipien und Elementargedanken steht Toralba auf dein Standpunkt Salomos. Die Ideen, welche jener im Namen der h. Schrift und der Rabbinen vorträgt, zeigt Toralba im Einklailge mit seinein philosophischem System. Nur in sehr wenigen und geringfügigen Fragen weichen sie von einander ab. Die Versöhnung und Ausgleichung der Religion mit der Philosophie, »vie sie Sadiah angebahnt, Maimonides und Chasdai Kreskas scharfsinnig durchgeführt und in Spinoza ihre höchste Vollendung erreicht hat, »vird in diesen beiden Freunden, welche immer Hand in Hand gehen, plastisch veran-