Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1881)
- Date
- 1881-06-01
- Page
- Seite 150 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Ernst." lBusch Jahrb. 5. Jahrg. S. 233). Auch Asulai im Schem Hag. spricht sich äußerst günstig über Nagara aus: Die Gesänge Nagaras, sagt er, sind so erhaben, daß selbst der gefeierte Kabbalist R. Isaak Luna seiner Zufriedenheit mit denselben dadurch Ausdruck gab, daß er sagte: Seine Lieder sind des Himmels würdig id. h. von Gott wohl geachtet) u. s. w. Anfangs lebte Israel Nagara in Damuskus, wo sein Vater lange Zeit das Rabbinat inne hatte, später übersiedelte er nach Gaza lAsa) unweit von Damaskus, wo er als Rabbiner fungirte. Trotz seiner reinen Frömmigkeit und hohen poetischen Begabung wurde er und zwar von dem kabbalistischen Schwärmer Chajim Vital angefeindet und verunglimpft. In dem Werk „Meorooth Olam" wird folgende Äußerung Vitals mitgetheilt: Es ist wahr, sagte Vital, daß die Pisinonim, die er, Nagara nämlich, verfaßt hat, an und für sich sehr schön und lieblich sind, er selber ist jedoch nicht würdig, daß man mit ihm ein Wort spreche, und wer seine Pisinonim singt, dem steht nichts Gutes bevor, denn er gebrauchte stets banale Ausdrücke und zu allen Zeiten war er betrunken. In den drei Trauerwochen „Ben Hamezarim" war er einst bei Jakob Menidasch zu Gaste geladen, wo er den Hut auf die Erde gelegt, mit gehobener Stimme Lieder gesungen, Fleisch gegessen und Wein getrunken hatte', bis er berauscht war." Wahrlich einem Israel Nagara, der sein Dichtertalent nie der profanen Poesie zugewandt, der vielmehr stets über die Klänge weltlicher Liebeslieder, die schon damals in den Gotteshäusern ertönten, bitter klagte, und dessen Gesänge sich selbst des Beifalls Lurias erfreuten, solch bittere dessen Ehre und Würde tief verletzende Vorwürfe machen zu können, waren nur Schwärmer von der Sorte eines Calabrese fähig. R. 8alomo Lurja und 31. 3Ttofes Offerts. In keinem Lande wurde im sechzehnten Jahrhundert mit mehr Eifer und Liebe, mit mehr Begeisterung und Enthusiasmus das Studium des Talinuds betrieben als in Polen. Die talmudischen Hochschulen Polens erfreuten sich einer ungewöhnlichen Prosperität und wurden sehr stark von wißbegierigen Jüngern frequentirt. Diese Akademien standen in solch' hohem Ansehen, daß, so oft es galt in irgend einer Gemeinde den vaecanteu Rabbinerposten neu zu besetzen, der auf denselben reflectirende Candidat keiner anderen Empfehlung bedurfte, als den Nachweis, daß er ein Schüler derselben war. Die hervorragendsten Lehrer dieser Hochschulen waren Salomo Lurja, Moses Jsserls und Schalom Schachna. Letzterer war ein Schüler des seiner populistischen Methode wegen berühmten Jakob Pollak und hatte es sich gleichsam zur Lebensaufgabe gemacht, diese damals sehr beliebte haarspaltende Lehrweise auch in Polen einzuführen. Die von ihm in Lublin creirte Hochschule wurde von vielen Schülern, die aus allen Windrosen herbeiströmten, besucht. Er starb 1558. Salomo Lurja aus Posen (geb. 1510, gest. 1573) war ein mit hohen Geistesgaben reich ausgestatteter Kopf und zeichnete sich durch Charakterfestigkeit, Wahrheitsliebe, Unerschrockenheit, Uneigennützigkeit und wahrhafte ungetrübte Frömmigkeit vortheilhaft aus. Von seiner frühesten Jugend an war er unablässig bemüht und bestrebt, seine ganze Kraft wie seine trefflichen Fähigkeiten dem gründlichen Studium des Talmuds und der rabbinischen Literatur zu widmen. Sein Vorbild waren die französischen Tossafisten, daher er die sophistische