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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-06-01 · Heft 6 (1.6.1881) · p. Seite 149

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 6 (1.6.1881)
Date
1881-06-01
Page
Seite 149 (sequence 21)
Language
German
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149 Autoren herrührten, R. Isaak Luria unterschoben, um ihnen dadurch gleichsam das Siegel der Heiligkeit aufdrücken zu können. Besonders viel zur Glorificirnng Lurias trug sein Schüler Chajim Vital, auch Kalabrese genannt, bei. Chajim Vital kam aus Italien, wo sein Vater Gesetzrollenschreiber war, nach Palästina und machte sich in Safet, wo das Studium der Kabbala florirte, ansäßig. Seine Hauptbeschäftigung war hier die Kabbala sowohl als die Alchemie und Goldmacherkunst. Von Luria, dessen vorzüglichster Schüler er gewesen sein soll, wurde er besonders bevorzugt, daher er nach dessen ani 5 Ab 1572 erfolgten Tode, als der würdigste Kabbalist gefeiert wurde. Vital sammelte nach dem Dahinscheiden seines Lchres dessen sämmtliche Aussprüche und Ansichten, die seine Schüler sich stets ausgezeichnet hatten und so entstand das große Werk Lurias, Ez Hachajim „Baum des Lebens". Bei dieser Gelegenheit müssen wir noch des großen hebr. Dichters der danialigen Zeit, der ebenfalls in Palästina wohnte, gedenken. Es ist dies R. Israel Nagara. Israel Nagara, war der Sohn des R. Moses Nagara, der anfangs ein Mitglied des Rabbinats-Colleginms zu Safet, dessen Präsident R. Joseph war, gewesen ist und später das Rabbiuat zu Damaskus bekleidet hat. Frühzeitig schon hatte sich das Dichtertalent Israels gezeigt und es ist ihm auch thatsächlich gelungen, die Dichter der spanischen Schule, die seine Vorbilder waren, in mancher Beziehung sogar zu übertreffen; denn die Dichtungen der Spanier drückten zumeist den tiefwurzelnden Schmerz über die verlorne Herrschaft Israels allerdings niit Innigkeit und Wahrheit der Empfindung aus, doch nicht immer in fließendem und ungekünsteltem Ausdruck, Israel Nagara aber verstand es, die mannigfaltigsten Metra mit Geschick und Leichtigkeit zu handhaben, ohne der Sprache Zwang anthun zu müssen. Er ist durch sein selten gewordenes Werk „Semiroth Israel" „Gesänge Israels" in der hebräischen Literatur rühmlichst bekannt. Seine Pismonim, die sich handschriftlich auf der k. k. Hofbibliothek in Wien befinden, habe ich im Jahre 1858 zum ersten Male unter dem Titel „Hymnen des Israel Nagara" herausgegeben. Die Hymnen Nagaras, welche nach dem Ausspruche seiner Zeitgenossen den Psalmen direkt angereiht zu werden würdig seien, entsprechen sowol dem religiösen Bedürfnisse, als sie in poetischer Beziehung allen Anforderungen mehr als genug Folge leisten. Ein erhabener Geist durchzieht sie und belebt die Kraft des Glaubens an die göttliche Allmacht und der Erbauung an ihrem heiligen Willen. Sachs äußerte sich über Nagara in folgender Weise: „Als die Zeit des Gesanges längst entschwunden und die in Spanien und der Provence von edlen Geistern lange gepflegte Kunst aus der Mitte der Juden entwichen schien, entstand ihr im Oriente ein eifriger Pfleger in R. Israel Nagara, der die verstummte Zionsharfe wieder von den Weiden nahm und ihre liebliche Töne entlockte. In einer edlen Form, in künstlich verschlungenen Rhythmen, mit Inbrunst und frommer Hingebung sang er den alten Meistern nach, und die Sehnsucht, die in ihnen glühte, stimmte auch ihn bald zu klagenden, bald hoffnungsreichen Klängen; auch er umwand Sabbath und Fest mit Kränzen und goldenen Schnüren, an denen die Perlen poetischen Empfindens aufgereihet waren. Spannte er auch keine neue Saite auf das alte klangreiche Psalter, das schon so vielfache Melodien getönt, so wußte er mit kunstfertiger Hand es in alter Weise erklingen zu lassen, — kein ursprünglicher schöpfrischer Genius, aber ein kundiger Virtuos, voll Talent, Uebung und

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