Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1881)
- Date
- 1881-06-01
- Page
- Seite 148 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Licht der Welt erblickt hatte. Er entstammte einer deutschen Familie, die mit Salomo Lnria verwandt war. Da ihm frühzeitig der Vater durch den Tod entrissen wurde, kain er mit seiner Mutter nach Kahira in Egypten, wo er im Hause seines reich begüterten Onkels, des Bruders seiner Mutter, Namens Mordechai Francis, der ein Steuerpächter war, erzogen wurde (Asulai Schein hag.) Im Lehrhause des berühmten R. David Abi Simra überragte er bald alle seine College«!. Nicht blos mit der talmudischen sondern auch mit der kabbalistischen Literatur wurde er von seinem allgemein hochverehrten Lehrer vertraut gemacht. Die äußerst trefflichen Fortschritte, die Lnria seiner ungewöhnlichen Geistesgaben halber in seinen Studien gemacht, haben dazu beigetragen, daß sein reicher Onkel ihm seine junge mit den schönsten weiblichen Tugenden und Eigenschaften gezierte Tochter zur Gattin gab. Die günstige materielle Lage, in' der Lnria sich nunmehr befand, benutzte er, um sich ausschließlich seinen Studien hingeben zu können. Die Kabbala, für die er sozusagen schwärmte, beherrschte ihn ganz und umdüsterte seine Phantasie im höchsten Grade. Er wurde in Folge dessen von einer Melancholie ergriffen, sah trübe und mürrisch in das irre und wirre Leben, mied endlich jede menschliche Gesellschaft und zog sich in eine einsame Gegend am Nil zurück. Er vernachläßigte selbst seine junge Frau, kam blos allsabbatlich zu seiner Familie, für deren Erhaltung sein Schwiegervater sorgte, und sprach auch mit seinen nächsten Angehörigen äußerst wenig. Wenn er überhaupt zu sprechen sich genöthigt sah, so bediente er sich blos der hebräische Sprache. Der Sohar, den er für das Geistesproduct des berühmten Tanaiten R. Simeon b. Jochai Hielt, war sein Lieblingsstudium, das ani meisten geeignet war seine reiche Phantasie noch mehr zu erhitzen. Seine asketische Lebensweise imponirte seinen Zeitgenossen in solch hohem Maße, daß sie ihn als einen Heiligen betrachteten und verehrten. „Man sprach bereits allgemein davon, daß der Prophet Eliah ihn oft besuche und chm erhabene Lehren mittheile; daß im Schlafe seine Seele zum Himmel cmporstelge und dort mit den Seelen aller großen Lehrer der Vorzeit verkehre. Einen« Freunde, der ihn während er schlief beobachtete, und da er die Lippen bewegte sein Ohr hinznneigte und nachher ihn fragte, was er gesprochen habe? antworte er, sein Geist steige immer im Schlafe bis zu den Dienstengeln empor, welche ihm die geheimste Weisheit mittheilen. Als jener ihn bat, ihm davon etwas zu eröffnen, erwiederte er, jedes einzelne Geheimnis; sei unendlich inhaltsreich, und wachse wie ein Strom an. Er habe schon darüber nachgesonnen, wie er seinen Zuhörern durch eine kleine Röhre fürs Erste nur eine schwache Probe einflößen könne, damit sie nicht «vie Kinder, die zu viel Milch mit einem Male trinken, ersticken". (Jost. Gesch. des Jud. 111. S. 139.) Später (1568) verließ er sein Einsiedlerleben und verfügte sich, angeblich auf Anraten des Propheten Eliah, nach Safet, einem Orte, den die hervorragendsten Kabbalisten der damaligen Zeit zum Schauplatze ihrer Thütigkeit gewählt hatten. Hier wurde er von den maßgebensten und einflußreichsten Persönlichkeiten wie Joseph Karo, Moses Corduero, Verfasser des „Pordes Riinonim" Moses Alscheich, Commentator der Heil. Schrift, auf das Ehrerbietigste empfangen. Wißbegierige Jünger ströinten herbei, um von ihm mit den Mysterien der Kabbala vertrant gemacht zu werden. Geschrieben hat er selbst nicht, trug alles mündlich vor. Seine Schüler jedoch, die ihn wie einen Engel verehrten, sammelten seine Aussprüche und schrieben sie nieder. Es wurden von denselben bei dieser Gelegenheit viele kabbalistische Ansichten und Aussprüche, die von anderen minder gefeierten