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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-06-01 · Heft 6 (1.6.1881) · p. Seite 146

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 6 (1.6.1881)
Date
1881-06-01
Page
Seite 146 (sequence 18)
Language
German
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146 Maßstab des Geldes, Heinrich den des Geistes. Es waren zwei Naturen, die durchaus kein Verständniß für einander hatten. Für Heinrich war Salomon die unerschöpfliche Quelle, aus der ihm immer von Neuem Geld zuströmte, und wenn auch Onkel Salomon etwas barsch war, so wußte dessen milde Fran Betty geb. Goldschmidt ihn zu besänftigen, sie war stets Heine's Anwalt, wenn er mit der ihn in diesem Punkte allein auszeichnenden consequenten Beharrlichkeit die Kasse seines Onkels herausforderte. Salomon sagte ihm, als er im Jahre 1827 in London viel Geld verbrauchte: „Du Verschwender, Tollkopf, aus dir wird nie Etwas Ordentliches werden, du kannst nichts als Geld verschwenden und Bücher schreiben!" Heine sprach dagegen zum Onkel: „Das Beste an dir ist, daß du meinen Namen trägst." Der Witz: „Lieber Onkel, geben Sie mir 100000 Mark und vergessen Sie auf ewig Ihren Sie liebenden Neffen" circulirt auch von Saphir und Rothschild. Es bleibt noch hervorzuheben, daß Salomon Heine, der so viel Wohlthätigkeit geübt, seinen Neffen testamentarisch nicht bedachte und durch diese That mit Ursache war, daß Heinrich Heine erkrankte. Von Natur war Heine herzensgut, mitleidig und freigebig. Wie bezeichnend ist es für ihn, daß er bent Äarbiergehülfen, der statt des ihm zugesagten älteren schwarzen Sammtrocks den nagelneuen blauen sich genommen, denselben beließ, worauf das in der Familie sprüchwörtliche: „hat das Barbierchen doch Glück gehabt" zurückzuführen ist. Wie liebte er seine Mutter und Schwester über Alles! wenn er von ihnen sprach, strahlten seine Gesichtszüge. Heine war von Haus aus nicht pessimistisch angelegt, erst das Leben hat auf seinen heiteren Seelengrund die Schmerzensschrift der Enttäuschung geschrieben; in ihm rangen die heitere Natur und der Ernst der Erfahrung. Die hoffnungslose Jugendliebe zu seiner Cousine Amalie hat sein Leben umschattet. In seinem düstern Herzen brennt das beständige Licht der Poesie, die ihn tröstet und aufrecht hält. Darum springt er so gerne vom Fröhlichen zum Traurigen, vom Ernst zum Spott, der aber doch oft sehr harmloser Natur war, wie z. B.: Als er seinem Bruder Max, der ihm Gedichte zeigte, sagte: „Schreibe Prosa, lieber Max, genug Unglück in der Familie an einem Dichter." Heine hielt seinen Schmerz nicht der schaulustigen Menge hin, damit sie sich daran weide, oder ihn bemitleide; dazu war er zu stolz. Der Schmerz war sein Allerheiligstes, in das nicht Jeder dringen sollte. Heine wollte sich betäuben lassen in dem lärmenden Getriebe des Lebens, aber seine Wunde wurde nie geheilt. Heine hatte den Math, seinem Genius zu folgen und richtete sich nicht nach Schablonen, er hat nie seine Feder entweiht, und daß er einer bayerischen Prinzessin, die, um ihn kennen zu lernen, ihn zum Kaffee rufen ließ, die Antwort schreibt: „er sei gewohnt, dort den Kaffee zu trinken, wo er gespeist habe" ist für ihn charakteristisch. Zwei literaturhistorische Fragen bleiben auch durch Maria Embden's Mittheilungen über den Dichter ungelöst. Obwohl das Vorhandensein von Memoiren in der uns vorliegenden Schrift in Abrede gestellt wird, so ist doch durch glaubwürdige Schriftsteller das Gegentheil authentisch bezeugt,, wodurch auch nur der Zukunft die Lösung dieser Frage anheimfüllt. Auch die Frage, warum der Rabbi von Bacharach nicht fortgesetzt wurde, bleibt ungelöst. Während man anzunehmen gewohnt ist, daß dieser nach Form und Inhalt großartig angelegte Cnlturroman, der das fast 2000jährige Elend der Juden zusammenfaßt', in dem alle Thränen und Seufzer des israelitischen Volkes gesammelt sind, wegen Heine' s Uebertritt zum Christenthume nicht weiter erschienen sei, wurde nach Marien's

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