Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-06-01 · Heft 6 (1.6.1881) · p. Seite 141

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 6 (1.6.1881)
Date
1881-06-01
Page
Seite 141 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2969669-2969670-2969677--0152-2970556
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

141 daß von manchen Erscheinungen Physiker und Theologen wol verschieden urteilen, erhebt er Einspruch; was vom Standpunkt des Physikers falsch ist, kann für den Theologen nimmermehr wahr sein. Er geht nicht so weit, Wundererscheinungen zu lengnen, aber er bestreitet ihnen das Recht, in metaphysischen und göttlichen Dingest als Beweise angerufen zu werden; sonst wäre Simon Magus das größte und göttlichste Wesen. Salomo spricht den Satz aus, daß die Schärfe des geistigen Auges zum Schauen tauglicher und geeigneter als die der körperlichen, — ein Satz, welchen die Lehre des Kopernikus vollauf bestätigt, und dessen ganze Tragweite Bodin selber, der ihn aus Maimonids genoinmen, wol kaum erfaßt hat. Als Orakel des Apollo, voll Lobes-Erhebungen auf die Hebräer, deren Religion die älteste und die beste, von Senamus eitirt werden, verschmäht Salomo diese Hülfe; er weist das Zeugnis als eine Fälschung zurück und zwar eine Fälschung der ersten Christen, welche damit ihrer Religion den Heiden gegenüber ein Ansehen geben wollten. Der Lutheraner Friedrich meint, der Dämon Apollo habe so nur aus boshafter Schadenfreude wider die Christen gesprochen. Bald jedoch steht er nicht an, einen ähnlichen Gewährsmann für die christliche Trinität anzurufen, ein Orakel, welches der Muhaminedaner Octavius als aus derselben christlichen Werkstatt hervorgegangen nachweist. Mit großem Unwillen spricht Salomo Barkassns von jenen, welche die mit tiefen Wurzeln cingepflanzte Frömmigkeit verspotten. Er erachtet es für sündhaft und gottlos, von irgend einer Religion anders als mit der größten Ehrfurcht zu sprechen. Ein Verbrechen, sagt er, ist es, die religiöse Ueberzeugung eines Mitmenschen zu erschüttern, die Meinung seiner Frömmigkeit durch Argumente in Zweifel zu ziehen. Er weigert sich daher lange, in dem religiösen Disput, zu dem er wiederholt aufgefordert'wird, einzutreten, den angebotenen Kainpf aufzunehmen. Vergebens weist Coronäus darauf hin, daß in einem Kreise so gebildeter, wissensgieriger Männer die freie Meinungsäußerung durch keine Schranke und kein Vorurteil gehemmt ist, daß vor Allem den entzückenden Reden und höchst unterrichtenden Ausführungen Salomos, welche Ansicht er auch äußern mag, jeder gern und mit Liebe zuhört. Salomo schützt religiöse Serupel vor, alte Bräuche seines Volkes, um deni Wortkampf auszuweichen. Erst als die Freunde dein hartnäckigen Schweigen verdächtigende Motive unterlegen; von jüdischer Engherzigkeit sprechen, welche die Wahrheit und die Wissenschaft in deni Schrein des eigenen Herzens wie der Geiz niedere Schütze in Kisten und Kasten verschließet, aller Welt unzugänglich; von dem Unverinögen reden, in das helle Licht der christlichen Wahrheit mit triefendem Auge zu blicken, läßt er sich in eine Kritik des Christentums ein. Die Kritik des Christentums, welche Bodin dem Juden in den Mund legt und in welcher die wissenschaftliche Bedeutung der Schrift gipfelt, kennt ihresgleichen nicht in der Geschichte bis auf die letzten Dezennien. Sie erinnert häufig an ähnliche Partien bei Spinoza, dessen theologisch-politischer Tractat von dem Heptaplomeres durch eine großartige, scharfsinnige Exegese vielfach übertroffen wird. Kein größeres . oder geringeres Ereignis der evangelischen Geschichte gibt es, das nicht in dein heißen Schmelztiegel dieses Gedankenprocesses auseinanderfließt. Die vornehmsten Grundlagen des Christentums, seine Dogmen und seine Sakramente, werden einerseits durch ein Zusammenhalten ihres Gedankenextractes mit den elemantaren Voraussetzungen einer wissenschaftlichen Denkweise, einer logischen Welt- und Gottanschauung; von der andern Seite durch eine scharfsinnige exegetische Prüfung der evangelischen Dokumente auf ihre Echtheit; durch eine Kritik ihrer Aussagen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.