Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1881)
- Date
- 1881-06-01
- Page
- Seite 140 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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140 abgebildet, mit allen Eigenarten, Vorzügen und Schwächen, der wunderlichen Vereinigung der kühnen Kritik mit starkem Aberglauben, des ungehemmten Skepticismns mit einem raffinirten Spiritisnms. Toralba bekämpft die Unduldsamkeit als ein denkwidrige Verirrung, preißt die Toleranz als Gebot der Vernnnft, der Philosophie. Tragen nicht getaufte und ungetanste dieselben Tugenden und dieselben Laster? Sehen wir nicht Männer außerhalb des herschenden Bekenntnisses von höchster Selbstlosigkeit, von sittlicher Strenge und idealen Geistes-Richtungen? Sollen die, welche den unsterblichen Zierden der Menschheit, Aristid, Solon, Lykurg, Sokrates, Plato, Henoch, Abraham und Job nacheifern, weniger des Zeitlichen und Ewigen, des bürgerlichen und des göttlichen Heiles tvürdig sein, als Männer niederer Gesinnung und nackten Glaubens? Die Figur des Salomo Barkassns erscheint als der vorzüglichste, am reichsten entwickelte Character; eine tief wirkende und ergreifende Persönlichkeit, ausgerüstet mit innigem Gottvertrauen, hoher Bildung und glänzender Beredsamkeit, ein würdiger Anwalt einer würdigen Sache. Lauterkeit der Gesinnung, sitt liehe Reinheit des Charakters; selbstlose Hingebung an Freunde, innige Liebe zu den Mitmenchen, vor Allem ein unbesiegbarer Optimismus, in allen Wechselfällen des Geschickes, die einige Güte und Weisheit herauszulesen, eine erhabene, unübertroffene Toleranz, welche die Gesammt-Menschheit in sich schließt: — das sind die hervorstechendsten Züge, mit welchen Vodin, der von Buckle und Hallam in eine Reihe mit Aristoteles und Machiavell gestellte große Geschichtskenner und politischer Philosoph das Bild des Semiten gezeichnet hat. Er gesellte ihn zu den Erwählten, die nicht auf die Erde kriechen, die abhold den äußerlichen Ehren, dem eiteln Reichtum, den körperlichen Vergnügungen, ihre schwärmische Liebe der Wissenschaft zuwenden, und an ihrer unermüdeten Beschäftigung, Freude und Beseligung finden. Sein Bild zeigt keine Spur jenes Hangens und Strebens nach dem Irdischen, welches man ungerecht den Inden als Stammes-Merkmale anhäftet, nicht den mindesten Anflug von der Starrheit und Verbitterung, welche man als Furcht der langen Vereinsamung und Erniedrigung, in der man ihn gehalten, bei dem Juden vermutet. Ausgerüstet mit einer souveränen Beherrschung der gesammten Litteratur, einer vornehmen Eleganz des Denkens und einer Herzenswärme, tvelche die Menschenliebe einflößt, wird er vom Autor immer vorgeschoben, wenn Exegese und Kritik, wenn der gesunde Menschenverstand ein Wort zu reden hat. Seine Wissenschaft, selbst seine Logik ist erfüllt und getragen von ethischem Ernst; seine Virtuosität in feinsten Unterscheidungen ist ihm ein Mittel, die innerste Wesenheit der Dinge zu erfassen, die Elemente der complieiltesten Fragen blos zn legen. Seine belehrenden Reden, seine lichtvolle Beweisführung liebte er mit einem passenden Vergleiche, einer sinnigen Parabel zu schmücken, von wohl pointirter Schärfe. Mit einem >vänderbaren Genie vereinigt er in sich bei tiefer Kenntnis der Bibel, die Weisheitslehren des Midrasch, die scharfsinnige Dialektik des Talmud, den Neu platonismns des Philo, den philosophischen Gottesgedanken des Saadia mit dein Rationalismus des Maimonids und der kühnen Kritik des Iben Esra, ist er der treue, adäquate Ausdruck der jüdischen Natur, und jüdischen Rave, welche in sich Mittel und Kraft gefunden, während der vielen Jahrhunderte der Verfolgung und Ausschließung aufrecht zu stehen, und eine wunderbare Geistesfrische sich zu retten. Ein klarer, methodischer Denker sind Glauben und Vernunft bei ihm immer in vollendeter Harmonie. Gegen die Meinung des Lutheraners Friedrich,