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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-06-01 · Heft 6 (1.6.1881) · p. Seite 139

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 6 (1.6.1881)
Date
1881-06-01
Page
Seite 139 (sequence 11)
Language
German
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139 Kunst; ein Feind von allem Mystischen und Geheimnißvollcn, wider welches er alle Lach- und Spottgeister aufruft. Mit ihm beginnen die Toleranzcharaktere, welche Bodin in verschiedenen Nuancen vorführt. S enamus verkörpert die Toleranz aus Kälte und Indifferenz, die Duldung aus Bequemlichkeit und Verträglichkeit. Er will nicht auffällig werden, möchte sich nirgends ausschließen, lieber als Freund und Gedankengenosse überall angesehen werden: so geht er zur Kirche mit den Katholiken, tn den Tempel mit den Reformirten, zur Moschee mit den Türken, in die Synagoge mit den Juden; wirft ihm Jemand Atheismus vor, beweist er deu Freunden, daß er Alles in Allem mehr Religion als Jeder der Andern besitze. Er hat eine heftig angefochtene Stellung in der Diskussion und ist vielen Angriffen ausgesetzt. Jedoch sein gesunder, liebenswürdiger Humor hilft ihm aus precären Lagen. Mit der Kunst, einen lächerlichen Halbgedanken bis zum vollen Blödsinn zu ergänzen, treibt er die Gegner oft mehr m die Enge als sie ihn mit ihren gelehrtesten Argumenten. Sein Witz würzt die Unterhaltung, wenn das Pathos die Schuldigkeit nicht thut, die Controverse schlaff wird und zu ermatten droht, springt Senamus bei und bringt Frische und Heiterkeit in die Scene. Einen Toleranzcharakter höheren Grades sehen wir in den: Muhamedaner Oct avius, der unter den Gegnern des Christeuthums eine Art Vorpostenstellung einnimmt: er eröffnet den Angriff und führt ihn mit unleugbaren« Geschick; er zielt nach dem wundesten Punkt und weiß ihn zu treffen wie der schärfste Schütz. Er vertritt die Toleranz als Gebot der politischen Klugheit, der Staatsnothwendigleit. Er ruft die Geschichte zur Zeugin an, daß auch große Staaten zerfallen, wenn die Zwietracht der Confessioneu an ihren Säulen rüttelt; wenn Haß geschürt wird gegen Bekenntnisse, die tiefe Wurzeln geschlagen, und innerhalb des Volkes ein klaffender Riß geschaffen wird, daß die einzelnen Theile in völlig gegenseitiger Entfrenidung mit den elementaren Pflichten der Nächstenliebe auch jede patriotische Reguiig unterdrücken. Diese Zwietracht führt selbst das stärkste Gemeinwesen zur Verwesung und Auflösung — ein Zersetzungsproceß der um so mehr beschleunigt wird, je niehr gerade Religionsfragen die Leidenschaften steigern, die Gemüther erhitzen, und unberechenbarer Ausschreitungen fähig niachen. So sind Staaten, so sind a««ch gesalbte Häupter der Könige ihrem eigenen Fanatismus zum Opfer gefallen. (S. 119.) Im Vordergrund der Situation, als Hauptträger der wissenschaftlichen und philosophischen Jdeenentwicklung, stehen zwei Charaktere, denen die Aufmerksamkeit das Interesse und die Zuneigung sich sofort zuwendet, auf deren Schultern die ganze Last des Dialogs ruht: der Jude Salomo bar Cassus u««d der Philosoph Diego Toralba. Toralba, ein Mann von außerordentlichen Gaben und staunenswerther Vielseitigkeit, den« die Räthsel des Daseins, das problematische der irdischen Erscheinungswelt sich gelichtet haben, ein ernster, würdiger Denker, figurirt als Vertreter der Methaphysik, Philosoph und Deist, ein Feind der Autorität, bei großer Hinneigung zur Schwärmerei, steht er auf eiuer Höhe, auf der alle Widersprüche sich einen, alle Gegensätze in Harmonie sich auflösen. Denker und Schwärmer, verbindet er die Methaphysik mit Mysticismus, die Vernunft «nit Träuinerei, die Philosophie mit einer Art interconfissioneller Universal-Tradition, repräsentirt durch die Patriarchen und Profeten der Hebräer, die Waisen aller Zeiten und Völker, die Philosofen des Orientes und Griechenlands. In ihm hat Bodin, der Neuplatoniker der Renaissance sich selber treu

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