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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-06-01 · Heft 6 (1.6.1881) · p. Seite 136

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 6 (1.6.1881)
Date
1881-06-01
Page
Seite 136 (sequence 8)
Language
German
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136 geistigen Vermächtnisses, des religiösen Testamentes, welches er für die spätesten Nachgeborenen vertraulich, im Geheimen abgefaßt hat, des HeptaplomereS ein Werkes, das an Bedeutung, an Gelehrsamkeit der politischen Encyklopädie, den sechs Büchern von Staate, nicht nachsteht, an Reichthuni und Gehalt aber die darin entwickelten religiösen und philosophischen Ideenan Schärfe der Kritik und der logischen Beweisführung sie weit übertrifft. Es ist das einzige Werk Bodins, welches, geschrieben einen innern Drang zu befriedigen, für die Oeffentlichkeit nicht bestimmt war, und in welches, so lange er lebte, das Auge eines Zeitgenossen nicht geblickt hat. Selbst der Nachwelt gegenüber glaubte er nur in dunkeln, geheimen Andeutungen, in Buchstabenzeichen, sich zur Autorschaft dieses Werkes bekennen zu dürfen. Ein viertel Jahrtausend wunderte es lichtentzogcn als Manuscript und lagerten in den Bibliotheken wissensfreundlicher Fürsten, berühmter Gelehrten und Dichter: allen ein Abscheu. Die Tochter Gustav Adolfs, die Königin Christine, ließ viele Jahre hindurch auf eine Abschrift fahnden, der Dichter Milton griff selber zur Feder, um das sinnreichste Werk des französischen Polyhisters bei sich zu besitzen; es war in den Händen der Hugo Grotius, Hermann Coming, Johann Christian v. Böneburg, Leibnitz. Zahlreicher wurde das Verlangen nach Abschriften zu Ende des l7. und Anfang des 18. Jahrhunderts, wo jeder namhafte Gelehrte für deren Besitz Mühen und Kosten nicht scheute. Ebenso allgemein aber waren die Verwünschungen, die bittern und eifernden Urtheile über seinen gefährlichen Inhalt, daß die Versuche des Christian Thomasins, des Helmstädter Professors Polykarp Leyscr und zuletzt des Freiherrn von Senkenberg zur Drucklegung des Werkes an der allgemeinen, kleinmüthigen Aengstlichkeit vor dessen Wirkungen scheiterte. Es verschwand wieder aus dem Gesichts- und Studienkreis, ward vergessen und' verschollen und entging selbst den Blicken des großen Lessing. Endlich 1840 unter dem Einfluß der großen Reaktion der natürlichen Vernunft, welche mit Sturmesbrausen die Schleusen und Dännne der Dogmatik durchbrochen, erschien ein kurzer Auszug des Buches von dem bekannten Literarhistoriker Guhrauer, bevorwortet von dem berühmten Convertiten und Theologen Neander. Ungekürzt und ungeschmälert ist es im Besitz der Oeffentlichkeit erst seit 1858"). Als Bodin dieses Werk schuf, war in Frankreich der Religions- und Bürgerkrieg zur lichterlohen Glut entflammt; wild gährten die Elemente durch einander; der ganze Staat war in wahnsinnigster Aufregung; die Zerstörungswut des religiösen'Fanatismus, die Raserei der Zügellosigkeit hatte jede Stimme der Vernunft und des Patriotismus erstickt und dem Terrorismus von 1793 und 1799 ein Vorbild der Schreckensherrschaft gegeben. Extase und Not stritten um den Vorrang, täglich wurden von den Pariser Kanzeln Mord und Brand gepredigt. Wachsbilder des Königs wurden auf die Altäre gestellt, und während der Messe von den Priestern durchstochen. Aus dieser Umgebung flüchteten sich die Gedanken des Verfassers nach Italien, nach dein glücklichen Freistaate Venedig und in eine Zeit zurück, da gerade Elias Lewita, zu dessen Füßen Cardinäle der Christenheit saßen, in jener Stadt, und abwechselnd in Rom und Padua, für die Kenntnis der hebräischen Sprache wirkte; da ein jüdischer Diplomat von großer Gewandheit, Salomon Aschkenasi zwischen diesem Freistaate uttb der Türkei nach einem langen Kriege deit Frieden vermittelte. Corouäus, ein reicher, venetianischer Kaufmann, welcher gelehrte Unterhaltung leidenschaftlich liebt, vereinigt unter dem Schutz freiheitlicher Gesetze seiner

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