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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-06-01 · Heft 6 (1.6.1881) · p. Seite 133

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 6 (1.6.1881)
Date
1881-06-01
Page
Seite 133 (sequence 5)
Language
German
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133 lung eine |}eit lang präsidirte, wollte nicht einwilligen, daß die Deputirten des Volkes, wie der König Vorschlag, angeblich behufs Erleichterung der Unterhandlungen mit den anderen Ständen, in der Tat nur, um die Bestechung mit größerem Erfolge zu betreibe», ihre Mandate in die Hände einer geringen Auzal von zu wäle'nden Personen anslieferten. Bodi» wollte nicht zustimmen, daß die Glaudenseinheit gewaltsam mit Feuer und Schwert durchgeführt würde; er weigerte standhaft die Bewilligung der Mittel zum Bürgerkriege und als der König zu gleichem Zwecke au die Veräußerung der Krougüter ging, trat ihm wiederum Bodin, der dazumal um sein Leben gespielt hat, hemmend in den Weg. Auf Drängen ihres Präsidenten hat die Ständerversammlung eine Deklaration beschlossen, derzufolge die Krougüter Staatseigeuthum sind, dem Könige und seinen Hof zur Nutznießung überlassen, deren Veräußerung jedoch ohne Zustimmung des Parlamentes nimmermehr erfolgen darf. Von nun blieb Bodin Freund und Berater des mit dem Hofe zerfallenen Herzogs von Anjou, Teilnehmer an seinen großen, politischen Plänen. Nach dessen Tode, nach Ausbruch des Bürgerkrieges, zog er sich auf seine richterliche Wirksamkeit in Laon zurück, wo er während der langjährigen politischen Anarchie der Sache der Ordnung, dem Schutze der vielbedrohten Bevölkerung unschätzbare Dienste geleistet; ungerecht Verfolgte und Verurteilte, davon einen der bereits auf dem Galgen hing, den Krallen der wütenden Ungeheuer, den Armen des grausen Todes gewaltsam entrissen. Es war ihm noch vergönnt, an der Herstellung des Bürgerfriedens durch Heinrich IV. mit zu arbeiten. Die Versöhnung der Geister durch das Ediet von Nantes erlebte er nicht mehr. Inmitten aller Aufregungen seiner polit. Stellung, der Arbeiten eines richterlichen Berufes, der Zerstreuungen eines ausschweifenden ränkevollen Hofes, hat er eine so große und manigfache Gelehrsamkeit angesammelt, die ihn in die erste Reihe unter die Gelehrten seines Vaterlandes gestellt, den besten Geistern des Jahrhunderts zugesellt hat. Seine Belesenheit in allen Zweigen der göttlichen und menschlichen Wissenschaften scheint erstaunlich; in der gesammten historischen, phylosophischen und mythologischen Litteratur der antiken Welt war er ebenso heimisch, wie in den Schriften der Bibel, und der mystischen Gedankenarbeit der Kabbalisten Unerbittlicher Kritiker von freiestem Aufschwünge der Gedanken und zugleich abstruser Mystiker, vereinigte Bodin in sich unausgeglichene Gegensätze: sein Heller Blick, sein scharfer zersetzender Verstand, seine kühne, freie Forschung, vertrugen sich mit großer Anhänglichkeit au alte Autoritäten und einem Aherglaubeu, der ein unlösbares Rätsel bildete, wäre er nicht die Eigenart der Zeit, der Bodin gleich Kepler nur seinem Tribut gezollt hat. Dabei war er von tiefer Religiösität, gläubiger, gewissenhafter Sittlichkeit durchdrungen, und die seltenen Eigenschaften seines Herzens und Geistes waren getragen von einer Willenskraft, und einer Characterstärke, die er in keiner Lebenslage verleugnete. In vertrautem Umgang mit jüdischen Gelehrten, lernte er die von ihm sehr geschätzte und vielgefeierte Sprache der Bibel und bereicherte seine Kenntnis des Judentums. Vor Allem aber war Maimouides „Führer der Irrenden" seine Liebliugslektüre, welche auf seinen Gedankengang mächtig eingewirkt hat Der „Rabbi Moses" ist sein ständiger Begleiter bei allen Arbeiten, den theologischen nicht blos, auch bei den historischen, juristischen, staatswissenschaftlichen, selbst national-ökonomischen, treffen wir ihn in der geistigen Gelellschaft dieses jüdischen Philosophen; finden wir Citate aus dessen anregenden Schriften.

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