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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-06-01 · Heft 6 (1.6.1881) · p. Seite 132

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 6 (1.6.1881)
Date
1881-06-01
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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Freiheit mit der gleichzeitigen Unterdrückung Anderer, wie Licht und Finsterniß in einem und demselben Raume. Diese so einfache Wahrheit ist heute noch nicht in das volle Bewußtsein der Menschen eingcdrnngen, den großen Geistern des 16. Jahrhunderts war sie völlig fremd. Calvin schichtete den Holzstoß für Michael Servetus, einen der edelsten und tüchtigsten Männer der Zeit unter stummer und lauter Billigung, unter beifälliger Anerkennung der deutschen Reformatoren. Nur Einen wissen wir aus jener Zeit, dein die Freiheit Alles in Allem war, dem sie sich offenbarte mit ihrem vollen blendenden Glanze, in dem unerschöpflichen Reichthnm aller ihrer Einzelflammen und Strahlen, der ihr anhing mit der schwärmerischen Liebe einer großen Seele, der ihr diente in Wort und Schrift mit gleichein Eifer als Staatsmann, als Gesetzgeber, als Redner, als Denker und Schriftsteller, unbekümmert nm die Nachtheile und Gefahren, die es ihm gebracht. Dieser Eine war der Franzose Jean Bodin, ein wahres Universalgenie, Jurist, Philosoph, Nationalekonom, Bibelkritiker, Staatsrechtslehrer, Abgeordneter, Staatsmann und Diplomat, eine reich begabte Persönlichkeit, in deren Weltenschauung viel Widersprechendes sich geeint hat. Wäre er nicht gescheitert an der Klippe seiner Zeit, an einem häßlichen Wahn, den er mit den besten Geistern seines Zeitalters gemein hatte, er wäre dem 16. Jahrhundert das geworden, was Baruch Spinoza dem 17., Gotthold Ephraim Lessing dem 18. Nach unzähligen Beziehungen und Richtungen steht er diesen Männern nahe, wie diese beide ist auch er seiner Zeit und seinen Zeitgenossen um gewaltige Strecken vorausgeeilt, hat er vielen Generationen im Voraus die Gedankenarbeit znm Theil weggenommen, zum Theil vorgezeichnet und den Haß aller Lichtfeinde auf sich geladen. Seine Jugendgeschichte ist von einem undurchdringlichen Dunkel umgeben, von seinen Eltern erfahren wir nichts, von ihm wissen wir, daß er 1530 zu Angers im südlichen Frankreich geboren, zu Toulouse das Rechtsstndium absolvirt hat, und 1562 nach zweijähriger Advokaten-Praxis in den öffentlichen Justizdienst eintrat, in welchem er durch seine unbeugsame Rechtlichkeit, durch Biederkeit des Charakters in einer Zeit der allgemeinen Käuflichkeit der höchsten und niedrigsten Beamten, das hohe Vertrauen König Karls IX. und seines Nachfolgers sich erworben. Seine liberale tolerante Gesinnung, seine Vertrauensstellung zum ketzerischen Herzog von AlenHvns hat ihn bei der allgemeinen frommen Menschenschlachterei in der heiligen Bartholomänsnacht znm erstenmal in Lebensgefahr gebracht. Wie durch ein Wunder rettete er sich den auf ihn eingedrnngenen gkaubens- und handfesten Mördern mit einem Sprung durchs Fenster. Kaum hatte die Aufregung sich igelegt, so zog Heinrich 111. Bodin wiederum an den Hof zu Paris, der Gelehrte »vurde sein täglicher Tischgenosse, den der König wegen seiner gediegenen, geistreichen Unterhaltung mit hoher Gunst auszeichnete. Allein auch diesmal konnte der Frenndschaftsbund nicht von langer Dauer sein. Als Bodin, der inzwischen als Gelehrter einen Ruf erlangt, weit über die Grenzen seines Vaterlandes, zum Abgeordneten des 3. Standes für die Ständeversammlung zu Valvis gewühlt, den gewonnenen bedeutsamen Einfluß nicht allein zur Verbesserung des öffentlichen Justizdienstes und der Civilgesetzgebung, sondern auch tu gleichem Maaße zu Gunsten der religiösen Toleranz, als zur Wahrung der Volksrechte ausgeübt; als insbesondere zwei der wichtigsten und gefährlichsten Vorschläge Heinrichs III. an dem Scharfblick und der Energie Bodins gescheitert waren, wandelte sich die königliche Gunst in Haß. Bodin, der der Versainm-

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