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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-05-01 · Heft 5 (1.5.1881) · p. Seite 126

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 5 (1.5.1881)
Date
1881-05-01
Page
Seite 126 (sequence 22)
Language
German
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126 von den höher» Studien zurückgedrängt und sein Anwachsen hintangehalten werde. Ueberall derselbe Vorwurf: die Juden studieren zuviel, wollen durch Intelligenz eine Macht werden. Doch Polizei und Regierung haben die Versanimlnng verboten, die Studenten wurden ad audiendum verbum reetoris citirt, strenge gerügt und vermahnt und für die Fortsetzung ihrer Handlungen mit der schärfsten akademischen Strafe bedroht. Darüber war Jstoczy gewaltig ergrimmt, hat die vorige Woche den Ministerpräsidenten interpellirt, Tisza aber antwortete, daß er mit dem Verbote der Versammlung nur consequent im Sinne seiner bereits voriges Jahr gemachten Äußerung gehandelt habe: jedes Unternehmen zur Befehdung der Juden oder einer andern Bürgerklasse, welches mit dem Gesetze des gleichen Schlitzes für Alle collidirt, mit allen Mitteln zu unterdrücken. Kann man also in Ungarn von einer wirklichen Antisemiten-Bewegung sprechen, wenn die ersten Anzeichen einer solchen sofort auf dem Regierungswege retrospedirt werden, und hat nicht auch Herr vr." Dessauer Unrecht, wenn er in Nr. 3 dieser Blätter behauptet, daß die Ungarn in Puncto Antisemiteuthum „in die Fußstapfen der cilivisirten Deutschen" treten? Ist Jstoczy allein Ungarn? Nicht so offen und thätig sind die Antisemiten in Preßburg, in der klassischen Stadt der Judenplünderung hervorgetreten, jedoch war die Berniuthung nicht unbegründet, daß sie auch hier judenfeindliche Pläne im Schilde führen. Die antijüdische Monatsschrift Jstoczy's hat hier Mitarbeiter; in den hiesigen Localblättern war vor drei Monaten täglich eine Annonce: „Gesinnungsgenossen, zur Sachlage!" zu lesen, die man allgemein als einen Aufruf zum Besuche der antisemitischen Versammlungen deutete,' ja man hat sogar Gasse und Haus bezeichnet, wo die Conventikel abgehalten worden sind, deren Berathungsgegenstände waren, den Verkehr mit den Juden zu meiden, sich gesellschaftlich von ihnen fernzuhalten und sie, die seit einem Jahrzehnt aus dem Ghetto, der Judengasse, in die innere Stadt mit ihren Geschäften gewandert sind, hier unmöglich und unschädlich zu machen. Schreiber dieses hat über Aufforderung Vieler eine Rede gegen diese Bewegung gehalten, die nachhaltig einwirkte, und nachdem die größten christlichen Firnien mit dieser Agitation in Verbindung gebracht und deren Namen ausdrücklich in einen, Wiener Blatte genannt wurden, erklärten sie sofort öffentlich, daß sie von eineni antisemitischen Bunde keine Kenntniß haben, vielweniger an dessen Spitze stehen oder ihm angehören. Diese Verwahrung von Seite geachteter Männer hat den Bestrebungen der Leute minorum gentium einen Dämpfer aufgesetzt und seit zwei Monaten ist auch jedes geheime Zeichen einer judenseindlichen Bewegung geschwunden. Mitten in dieser Bewegung kam auch aus dem nahen Wien gelegen die veröffentlichte Rede des vr. Jellinek: „Die hebräische Sprache ein Ehrenzeugniß des jüdischen Geistes," weil durch sie ein hervorragendes Motiv des Judenhasses, die angebliche Arbeitsscheu der Juden, entkräftet und durch die nachgewiesene Toleranz des Judenthums gegen Fremde auch das Rechtsbewußtsein gegen die Bekenner desselben geweckt wird. Denn ich muß bemerken, daß Alles, was vr. Jellinek schreibt, in allen hiesigen Kreisen viel gelesen und beachtet wird, weil man in ihm den rechten Mann sieht, der in jeder schriftstellerischen Arbeit Zeitstimmungen eiuzuflechten, Zeitbilder einzureihen und Zeitfragen zu beantworten versteht, wie dies auch in der jüngst gedruckten Rede „der Dekalog" und in seiner Grabrede auf Herrn Maximilian Dormitz er, Comthur des Franz Joseph-Ordens und Ritter der Eisernen Krone der Fall ist. Also auch hier hat sich die Otter des Antisemitismus vorläufig verkrochen und darum kann von eineni Nachtreten in die Fußstapfen der

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