Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1881)
- Date
- 1881-05-01
- Page
- Seite 125 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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125 toren erwiesen, daß Ungarn kein Boden ist für eine Saat, aus welcher Friedensstörung, Volksaufreizung uitb tiefgehende Feindschaft zwischen Bürger und Bürger emporfchießen sollen. Alles was hierzulande nach antisemitischer Bewegung riecht, ist an den Namen Jstoczy zu knüpfen. Denn das, was da unten im Comitate Bacs-Bodrog ein serbischer Ungar in Brochüren Gehässiges, Verleumdendes und Talmudschändendes nach und aus Rohling veröffentlicht, hat sich selbst gerichtet und ist in den Allgen Aller dadurch lächerlich geworden, weil der Verfasser, ein Specereihändler, am Schlüsse des Pamphlets sein Spccereigeschäft annoncirt, anpreist und das Publikum auffordert, nur bei ihm Einkäufe in „geselchtem Fleisch" zu machen, Da nierkte Jeder die Absicht — den Neid, und man ward verstimlnt. Bei Ihnen in Deutschland sind wohl auch nur Neid, der Krämerneid und der Unwille darüber, daß die Israeliten sich anständig ernähren, mit Impulse der feindlichen Agitation; aber in Deutschland ist man nicht so plump, es Jeden auf den ersten Blick wissen zu lassen. Dort versteht man, dem Wolf einen Schafspelz umzuhüllen, ilm nicht rauh und gemein zu erscheinen, dort verbirgt inan die treibenden Motive des Hasses, umkleidet sie mit nationalen Mäntelchen und spielt sich auf Germanenthum und Patriotismus hinaus. Soviel Manier, List und Intelligenz besitzt unser Serbe nicht und konnte sich darum auch nicht so berüchtigt machen wie — Jstoczy Dieser Mann läßt seit Jahren keine Gelegenheit vorüber gehen, uin seine parlamentarischen Reden mit Angriffen auf die Juden zu würzen. Mag welches Gesetz immer im Abgeordnetenhause verhandelt werden — Jstoczy citirt seine Juden gleich den Kevenant's, Jstoczy wird immer die Juden einbeziehen und zur Heiterkeit des Hauses beweisen wollen, daß der Talmud, der der Juden Gesetzbuch sei, jede Frevelthat gegen Nichtjuden erlaube, daß die Juden keine Patrioten, eine sociale Krankheit und schuld seien an allen Uebeln und Calamitäten des Staates. Er ist es auch, der seit Oktober v. I. monatliche Flugschriften von antisemitischer Tentenz herausgibt, denen allerdings auch monatliche Gegenschriften auf dem Fuße folgen; er ist es, der in Ungarn einen antisernitischen Bund mit festen Statuten gründen wollte, die aber von der Regierung nicht genehmigt, oder nach einer andern Version gar nicht eingereicht wurden, weil die Regierung in Beantwortung einer Interpellation aufs Bestimmteste versicherte, sie werde es nie dulden, daß in Ungarn ein Bund mit der Aufgabe, einen Theil der friedlichen Bevölkerung zu bekriegen, sich geltend mache. S o sprach voriges Jahr Ministerpräsident Tis za im Parlamente, als ihn ein Abgeordneter fragte, ob er davon Kenntnis; habe, daß sich im Lande eine Agitation gegen die Juden vorbereite, s o sprach er klar und deutlich, beruhigend und zurückweisend noch bevor in Deutschland die Judenfrage vor den Reichstag gebracht und von der dortigen Regierung mit gewundenen Worten abgethan wurde. Dieser Jstoczy hat auch einen Theil der Pester Universitätsjugend für seine Gesinnungen gewonnen, der ihm auch vor wenigen Wochen eine Adresse überreicht hat. Diese akademischen Bürger sehnten sich nach den Lorbeeren ihrer College;; in Berlin und Leipzig, ja beriefen sich sogar auf ein ermuthigeudcs Schreiben, das ihnen von Henrici zugekommen ist, und begnügten sich nicht, durch die genannte Adresse ihrem Jstoczysmus und Antisemitismus Ausdruck zu geben, sondern wollten auch noch eine Versammlung einberufen und ein Comitä einsetzen, welches sich mit der Agitation gegen die Juden befassen und besonders dahin zielen soll, daß das jüdische Element unter den Universitütshörcru, welches an der Hochschule in einem größer« Verhältnis; als nach der Einwohnerzahl der Juden in Ungarn vertreten ist,