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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-05-01 · Heft 5 (1.5.1881) · p. Seite 124

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 5 (1.5.1881)
Date
1881-05-01
Page
Seite 124 (sequence 20)
Language
German
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124 Zeit und geben ein vollständiges Bild von dem damaligen Gemeindeleben. Er stand mit den hervorragendsten Gemeinden Italiens in Corresspondenz und in den wichtigsten religiösen Fragen wurde an ihn appellirt. Seine Responsen beweisen auch/ daß er häufig seinen Wohnsitz geändert hat. So z. B. treffen wir ihn 1556 in Mantua, wo er am Neumonde Schebat an eine Frau ein Diplom crtheilte, in welchem er ihr gestattete, das Schächteramt ansznüben. In demselben machte er ihr zrn Pflicht, die betreffende Vorschriften anfangs zweimal im Tage, und nach einem Vierteljahre nur einmal des Tages, und endlich nach einem Jahre nur einmal die Woche, und für ihr ganzes Leben einmal im Monat zu widerholen (Rechtsgntachten S. IM). Im Jahre 1557 begegnen wir ihm wieder in Bologna, von >vo ans er sich in einer Eherechtsfrage an das Jnristen-Colleginm in Safet, dessen Präsident R. Joseph Karo war, gewendet hatte. (Rechtsgntachten S. 17). Im Jahr 1558 treffen wir ihn wieder in Pesaro, wo er gegen jene Rabbinen, die gegen eine neue Auflage des „Sohar" entschieden opponirten, Front zu machen glaubte und seinen diesbezüglichen Bescheid, der vielen Auflagen des „Sohar" beigedrnckt wurde, erlassen hatte. Im Jahre 1560 finden wir ihn wieder in Avignon. Am längsten verweilte er in Ferrara, einer ansehnlichen Stadt an einem Arme des Po. Hier domicilirte er schon 1562 und in den Jahren 1567 — 69 war daselbst als Lehrer der Sohn des Isaak Abravanel, des Enkels des berühmten spanischen Gelehrten gleichen Namens, thätig. Trotz seiner hohen Begeisterung für das kabbalistische Werk „Sohar" war er denn doch dem Studium der Philosophie nicht abgeneigt. In der bereits erwähnten Einleitung seines Commentars zu Bechinat Olain erzählt er selber, daß er sich in seiner frühen Jugend mit poetischen, rhetorischen und philosophischen Werken fleißig beschäftigt hatte. (Fortsetzung folgt) Milty ei tu ngen. — (Zur Antisemiten-Bcwegnng in Ungarn.) Die Wellen der antisemitischen Bewegung in Deutschland haben sich bis nach Ungarn hingewälzt, sie haben es jedoch nur bespült, aber nicht mit in die verderbliche Fluth hineingerissen. Das muß wahrheitsgetreu betont werden, um den deutschen Inden- Hassern die Annahme zu wehren: sie hätten in den Ungarn eine Bundesgenossenschaft und eine Sympathie mit ihren eigenen verwerflichen Handlungen gefunden, und um bte_ Ehre Ungarns zu revindieiren, die durch eine solche angedichtete Bundesgenossenschast arg befleckt tvird. Es haben in den politischen Tagesjournalen und in den jüdischen Zeitschriften Deutschlands so viele irrthümliche Kundgebungen über die antisemitische Bewegung in Ungarn Eingang gefunden, daß es nicht überflüssig ist, in diesen Blättern, zu deren Programm ja auch Berichte über jüdische Angelegenheiten gehören, eine wahrheitsgemäße Darstellung über den Sachverhalt zu geben. Auf zwei Punkten zeigten sich in Ungarn Merkmale einer judenfeindlichen Strömung: in der ersten und in der zweiten Stadt des Landes, in Budapest und in Preß bürg, dort offen, hier geheim, dort von einem Abgeordneten, hier von Untergeordneten; aber es hat sich gleich nach den ersten Unternehmungen der Agita-

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