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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-05-01 · Heft 5 (1.5.1881) · p. Seite 123

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 5 (1.5.1881)
Date
1881-05-01
Page
Seite 123 (sequence 19)
Language
German
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123 Lehrhause besaß. Die zahlreichen Gemeindeparcellen, welche sich namentlich im türkischen Reiche Europas und Asiens bildeten, machten das Bedürfniß nach Rabbinen fühlbar; jede Gemeindegruppe stellte einen Rabbiner und meistens gar ein Collegium an. Jeder nur irgendwie beanlagte Kopf verlegte sich daher auf das Studium der talmudischen und rabbiuischen Literatur, weil jeder sicher war, irgendwo ein Unterkommen zu finden. Die Zahl der Talmudkundigen war daher im sechzehnten Jahrhundert viel, viel größer als bis dahin. Dadurch trat aber eine große Zehrfahrcnhcit ein. Da der Talmud und noch mehr die späteren Rcligionscodices eine Meinungsverschiedenheit über fast jeden einzelnen Punkt des religiösen, rituellen, rechtlichen und eherechtlichen Lebens begünstigten, so trat eine Zerklüftung ein, weil selten zwei Rabbiner über eine aufgeworfene Frage eines Sinnes waren. Jeder war tm Stande, aus dem weitschichtigen Schriftthum Gründe für Ja oder Nein beizubringen. Der eine hielt sich an Maimuni, der andere an Alfaßi, ein dritter an Aschen oder an den Codex von Jakob Ascheri, oder an Nachmani, an Ben Aderet oder an eine andere Autorität; die deutschen Inden meistens an deutsche Autoritäten." (Gesch. 429). Diesem Mangel an einem sümmtliche religiöse Satzungen, Bräuche, und Observanzen enthaltenden Codex wollte Joseph Karo abhelfen, was ihm auch von seinem Standpunkte aus thatsächlich durch die Abfassung seines bald zu großer Anerkennung gelangten, „«chulchan Aruch" in vorzüglicher Weise gelungen ist. Zum Schlüsse wollen wir noch erwähnen, daß zur Zeit als Joseph Karo das Oberrabbinat in Safet bekleidete, das Collegium aus folgenden Männern bestand: R. Joseph Karo, Moses de Trani, Samuel Kwirka, Abraham Aroino, Isaak b. Abr. Aroch, Moses Kordoero, Elischa Galiko, Moses Nagara, Joel Aschkenafi, und Jsak b. Moses Dajan Halewi (vgl. die von uns edirten Resp. der Js. de Latas S. 17). Auch mit Salomo Alkabez, dem Dichter des bekannten ^Sabbatliedes „Lecho Dodi", der in Safet lebte, wie mit Joseph de Trani, Samuel de Medina (Raschdam) und Isaak Adrabi war Karo sehr befreundet. Von den anderweitigen Zeitgenossen Karo's sei hier blos noch der von dem jüdischen Geschichtsschreiber so wenig gewürdigte R. Isaak b. Immanuel de Latas*) erwähnt. Isaak de Latas, der schon 1543 in Italien" lebte und von seinen Zeitgenossen, ja selbst von R. Joseph Karo als eine talmudische Größe anerkannt wurde, stamnite aus Frankreich ab. Seine Geburtsstadt war Latas in der Provence, einer Landschaft im Südvsten von Frankreich, daher er den Namen „de Latas", d. h. aus Latas hatte. In der Einleitung seines Commentars zum „Bechinat Olam" von Jedajo hapenini Bedraschi, der sich ebenfalls handschriftlich auf der k. k. Hofbibliothek zu Wien befindet, sagt er ausdrücklich : „Rabbi Jedaja wird deshalb vom Volke Bedraschi genannt, weil er aus der Stadt Bedraschi sBeziersj in der Provence, unweit von Latas, der Geburtsstadt meiner Eltern, daher meine Familie sich Latas nennt, abstammt". Seine Rechtsgutachten sind von dem höchsten Interesse für die Beleuchtung seiner *) Wir sind um so mehr in der Lage, über de Latas etwas Näheres mittheilen zu können, als wir dessen Rechtsgutachten, die sich als antographcs Mannscript in der k. k. Hofbibliothek in Wien befinden, im Jahre 1860 edirt haben Die Herausgabe dieser Responscn wurde von Sr. Majestät dem Kaiser Franz Joseph I. subventionirt.

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