Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1881)
- Date
- 1881-05-01
- Page
- Seite 122 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969670-2969676--0132-2970535- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
122 sie konnten in Italien ihm nicht's Böses zur Last legen, da er in den Augen der Fürsten angesehen war. Er verband sich mit David Reubeni und beide verfolgten damals ein und dasselbe Ziel. Auch an die Gelehrten schrieb er von den Visionen, die er gehabt, wie ich es in dem Buche der Chronik der Könige von Frankreich und der ottonianischen Großfürsten beschrieben habe u. s. w. Später wollte Salomo mit dem Kaiser über Religionsangelcgenheiten eine ausführliche Unterredung halten, er machte sich daher auf den Weg, als der Kaiser in Regensburg war, wo er mit ihm sprach. Der Kaiser aber blieb fest, hörte nicht auf ihn vor Kürze des Athems (d. h. aus Mangel an Zeit) und ließ ihn und seinen Freund, den Fürsten David (Reubeni) nebst seinen Leuten ins Gefängniß werfen, woselbst sie einige Zeit zubrachten. Als hierauf der Kaiser nach Italien zurückkehrte, brachte man sie gefesselt auf Wagen nach Mantua und sperrte sie in einen Kerker. Dann nahm der Kaiser init den Gelehrten Rücksprache, und da diese fanden, daß er den Tod verdient hatte, hieß der Kaiser ihn hinausführen und verbrennen. An einem der folgenden Tage legte man einen Zaum um seine Kinnbacken, damit er nicht sollte sprechen können, und führte Salomo hinaus auf den Richtplatz. Als die ganze Stadt seinetwegen in Aufruhr war und Feuer vor ihm brannte, sprach einer von den Fürsten des Kaisers: Nehmet ihm den Zaum von den Zähnen, denn ich habe ihm etwas von dem Kaiser mitzutheilen und nachdem sie also gethau, sprach er zu ihm: Der Kaiser sendet mich zu dir, Fürst Salomo, um dir zu sagen, daß wenn du von diesem, deine»! Wege abgehst, dir vergeben werden soll, er dich am Leben erhalten will, und du in seiner Nähe leben sollst, wo aber nicht, so ist das Unheil über dich beschlossen. Indes; erhob er sich weder noch bewegte er sich vor ihm, sondern antwortete wie ein Heiliger gleich einem Engel Gottes: Nur wegen der Zeit, während ivclcher ich diesem christl. Bekenntnisse angehört habe, ist mein Herz bekümmert, nunmehr aber thuet wie es euch gefällt und meine Seele möge zurückkehren in ihres Paters Haus. Da wurden sie von Zorn gegen ihn erfüllt, warfen ihn auf den Holzstoß n. s. w. (Wiener „Emek habacha" S. 80.) Den lebhaften Anregungen dieses Märtyrers Molcho hatte es Joseph Karo zu verdanken gehabt, daß er einen großen Theil seiner Zeit und Kraft dein Studium der Kabbala gewidmet, was auch aus einzelnen Stellen seines „Schulchan Aruch" ersichtlich ist. Durch die Abfassung des Schulchan Aruch, der ein Kunstwerk genannt zu werden verdient, hat sich Karo ein unzerstörbares Monument errichtet, indem er mit demselben einem Bedürfnisse der Zeit entgegen gekommen ist. „Es inangelte in der That, sagt Grätz sehr richtig, an einer das ganze Gebiet der religiösen Praxis umfassenden Norm, nicht aus Unkunde, wie ehemals in Maimunis Zeit, sondern gerade ivegen Ueberladung des Wissens. Die Wanderung der Juden von West nach Ost, von Nord nach Süd, und die Buchdruckerknust hatten nämlich einen bedeutenden Umschwung erzeugt. Die jüdischen Druckerei» in Italien hatten die Beschaffung von sonst theuren und seltenen Schriften ungemein erleichtert. Je mehr der Talmud, die Commeutarien dazu, die Religionscodices verschiedener Art und die Gutachtensammlungen vervielfältigt worden waren, desto mehr nahm die Zahl der Talmudbeflissenen in fortschreitendem Verhältnisse zu. Die begabten Armen erhielten diese Bücher durch den frommen Sinn Reicher, oder konnten sie in Bibliotheken benutzen, welche fast jede größere jüdische Gemeinde in einem unterhaltenen