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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-05-01 · Heft 5 (1.5.1881) · p. Seite 121

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 5 (1.5.1881)
Date
1881-05-01
Page
Seite 121 (sequence 17)
Language
German
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121 ging nach der Türkei. In Adrianopel lernte er Joseph Karo kennen, den er für das Stndimn der Kabbala einnahm. Er verweilte eine Zeitlang in Palästina, namentlich in dem von Kabbalisten stark bewohnten Safet, wo er allsabatlich Borträge hielt, die von einem großen andächtigen Auditorium mit gespannter Aufmerksamkeit angehört und bewundert wurden. Später ging er nach Italien, nach Rom, wo er mit dem Papste Clemens VH. und anderen Cardinälen frenndfchastlich verkehrte. Jedoch der Leibarzt des Papstes, Jakob Mantino erkannte ihn bald als einen Schwärmer und Abenteuerer und verfolgte ihn so sehr, daß er dem Jnqnisitionsgerichte in die Hand fiel, dieses aber mußte ihn ans Anordnung des Papstes, der sich seiner annahm, wieder frei lassen. In Rom kam er wieder mit Renbeni zusammen. Beide Schwärmer faßten den Entschluß sich nach Regensburg, wo damals gerade der Reichstag versammelt war, zum Kaiser Carl zu verfügen. Sie erhielten auch thatsächlich beim Kaiser Audienz. Einer nicht ganz verbürgten Nachricht zufolge sollen sie den Versuch gemacht haben den Kaiser zur Annahme des Judenthums anzuregen. Die Folge dieser Audienz war, daß sie beide in Fesseln geschlagen wurden, Molcho ließ der Kaiser nach Mantua bringen, wo er 1532 von einem Glaubensgerichte zum Feuertode verurtheilt wurde, während Renbeni nach Spanien gebracht wurde, wo er im Kerker starb. Der Geschichtschreiber R. Joseph Hacohen berichtet in seinem „Emek habacha" Ausführliches über die beiden Schwärmer. Wir wollen hier blos das, was er über Molcho erzählt, reprodnciren: „Es ging hervor ein Reis aus Portugal, Namens Salomo Molcho, aus dem Stamme der Israeliten, welche dort seit den Tagen der gewaltsamen Bekehrung zerstreut lebten. Seine Jugend verlebte er in jener Zeit unter den königlichen Schreibern. Als er jedoch jenen David sah, berührte Gott sein Herz, er wendete sich wiederum dem Herrn, dem Gotte unserer Väter zu, und wurde Jude. Er verstand aber damals noch nicht das Geringste von der Lehre des Herrn und der Heiligen Schrift. Nachdem er jedoch Jude gegeworden, verlieh der Herr Weisheit dem Salomo, er wurde in sehr kurzer Zeit gelehrter als alle übrigen Menschen und Viele bewunderten ihn. Hierauf zog er nach Italien, erdreistete sich, über die Lehre unseres Gottes vor Königen zn sprechen und zog sich vor ihnen nicht zurück. Er war indeß zuvor nach der Türkei gegangen und hatte dann in Rom verweilt, ,wo er mit dem Papste Clemens VII. sich unterredete, der ihm gegen den Willen aller Gesetzeskundigen seine Huld zu Theil werden ließ und ihm einen in seinem Namen ausgestellten und untersiegelten Erlaubnisschein gab, sich niederzulassen, wo es ihm gut dünken würde nm sich Jude nennen zu dürfen." „Auch in der Kabbala erwarb er sich große Kenntnisse und brachte aus seinem Munde Worte der Aninuth hervor, denn der Geist Gottes sprach aus ihm und das Wort desselben war stets auf seiner Zunge. Aus dem Quell der Tiefen der Kabbala hatte er herrliche Lehren geschöpft, sie niedergeschrieben und an seine Freunde in Solouichi geschickt, welche sie daselbst drucken ließen. Er predigte öffentlich in Bologna und an anderen Orten, und Viele zogen ihin nach, um seine Gelehrsamkeit mit anzuhören uild ihn durch Räthsel zu prüfen, aber Salomo gab ihnen über alle Gegenstände Auskunft, nichts war ihm verborgen, was er ihnen nicht hätte sagen können, und als sie die Gelehrsamkeit Salomo's erkannten, sprachen sie: Es ist wahr, was wir über dich vernommen haben, und deine Gelehrsamkeit ist iveit größer als der Ruf, der von dir zu uns gedrungen ist. Viele wurden indessen von Neid gegen ihn erfüllt, aber 10

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