Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1881)
- Date
- 1881-05-01
- Page
- Seite 120 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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120 und sich nach einem Orte zu wenden, wo man seine Religion ohne Verfolgung beobachten kann; keine Rücksicht auf Gefahren, auf Haus und Kinder darf von der Ausführunb des Entschlusses abhalten. Die göttliche Lehre steht dem Einsichtigen höher als alle Zufälle eines traurigen Schicksals, diese vergehen und jene besteht. Selbst bei zwei Gegenden, die beide von Juden bewohnt werden, deren eine aber frömmere und wohlgesittetere Einwohner einschließt als die andere, ist es Pflicht, diese zu verlassen und jene aufzusuchen; wie viel mehr, wenn eine Gefährdung der Glaubensfreiheit von Nichtjuden verhängt wird. Ist jedoch gar die Verfolgung derart, daß die Dränger verlangen, ihre Gebräuche nachzumachen, dann ziehe man alsbald weg, verlasse allen Besitz und wandere Tag und Nacht nach einem freien Orte; ist ja die Welt groß und weit! Die Entschuldigung mit der Rücksicht auf Haus und Kinder kann nicht genügen; wer am Orte solch schmählichen Religionszwanges bleibt, wird fast ein muthwilliger Religionsverächter. Und obgleich man sich selbst, so lange man unter dem Zwange leben muß, als einen Religionsverächter betrachten kann, darf man dennoch in der Hoffnung leben, daß jedes Gute, welches man in i'olchem Zustande übe, doch seinen Lohn bei Gott finde, ja seinen doppelten, da es unter Gefahren und wahrlich nicht wegen der Anerkennung bei den Menschen geübt werde. Darum lasse man sich aber nicht im Entschlüsse der Auswanderung wankend machen, sei aber auch nachsichtig gegen Gesetzübertreter und suche sie in Freundlichkeit der Pflichterfüllung zuzuführen." (Fortschling folgt.) Heschichtstiitder aus der nachtalmu-ischen Zeit bis auf die Gegenwart (1500—1880.) Stach den Quellen bearbeitet von I)r. M. H. Friedländcr. (Fortsetzung) Von Rom ging Reubeni nach Portugal, wo er vom König Juan Hl., dem er versprach, daß die Juden ihm ihren Beistand leisten werden, damit er Palästina von Sultan Soliman erobern könne, ebenfalls auf das Ehrerbietigste empfangen tvurde. Die portugiesischen Juden verehrten ihn über alle Maaßen, indem sie ihn für den sehnsuchtsvoll erwarteten Messias hielten. In Lissabon wurde durch Reubenis Erscheinen der schon als Christ geborene von der Natur mit körperlicher Schönheit und geistigen Fähigkeiten reichausgestattete Jüngling Salomo Molcho (Diego Pires) so sehr ergriffen, daß er, obschon er als Neuchrist ein einträgliches lmd ansehnliches Staatsamt bekleidete, heimlich zum Judenthum zurückkehrte. Er führte gleich Reubeni eine streng asketische Lebensweise und widmete den größten Theil seiner Zeit und Kraft dem Studiuni der Kabbala. Durch das viele Fasten, wie überhaupt durch die inannigfachen Kasteiungen, die er sich auferlegte, wurde sein Körper so schwach, daß er, der ohnedies eine überaus lebhafte Phantasie hatte, von Visionen und furchtbaren Träumen stets behelligt wurde. Er verließ Portugal und