Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1881)
- Date
- 1881-05-01
- Page
- Seite 119 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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119 verrichte, es sei werthlos, wenn er auch alle religiösen Uebungen, alle Gebote und Satzungen im Verborgenen beobachte. Er hält ferner einen solchen für unwürdig, öffentlich als Zeuge aufzutreten; denn Muhameds Religion sei Götzendienst. In der heiligen Stadt Mekka, in der Kaaba werde noch heute derselbe Götze verehrt, der bei den vormuhamedanischen, heidnischen Arabern Gegenstand der Anbetung gewesen. Nach unserui Gesetze muß man bei drei Verboten selbst den Tod erleiden, ehe man sie Übertritt: Mord, Unzucht und Götzendienst. Folglich, so schloß jener übereifrige Gottesgelehrte, müsse man lieber in den Tod gehen, als das islamitische Bekenntniß, wenn auch nur zuni Scheine, ablegen. Er hat durch diese Behauptung, indem er sie mit Bibelstellen bekräftigte, ungemeine Aufregung unter meinen Glaubensbrüdern in Afrika hervorgebracht. Jeder fühlte sich in seinem Gewissen schwer belastet, und mancherrSchwankende, der nicht die eiserne Willenskraft besaß, fortwährend nur zum Scheine eine Religion zu bekennen und dabei mit ganzem Herzen der angeerbten treu zu bleiben, erwog schon bei sich, ob er nicht lieber ganz und aufrichtig dem Islam sich zuwenden solle, da nach der Ansicht jenes Maunes das abgelegte islamitische Bekenntniß ihn ohnehin schon zum Unwürdigen und Abtrünnigen gemacht habe. Hätten diese Schmähungen blos meine Person betroffen, und wären sie in noch-erhöhtem Maße über mich allein ergangen, ich würde keine Vertheidigung unternommen haben, ich hätte geschwiegen und gedacht: mag Schande und Schmach mich bedecken, ich habe gesündigt wie meine Vorfahren, ich Hütte die Absicht des Angreifers für löblich gehalten. Da er aber ganze Gemeinden zu Sündern und Frevlern stempelt, ihr Zeugniß für unglaubwürdig hält, ihr Gebet einen Gräuel nennt, ihnen nichtjüdische Märtyrer zum Muster vorführt, da konnte und durfte ich nicht schweigen. Wenn eine solche Ansicht erst Verbreitung und Ansehen gewonnen, welch' Jammer und Elend, welche Unzufriedenheit und Verwirrung konnte sie nicht anrichten! Von solcher Angst erfüllt, habe ich die Jrrthümer des Zeloten bloszulegen und zu verbreiten unternommen. Ihm und zugleich allen meinen Glaubensgenossen mußte ich vor Allem klar zu machen suchen, daß der, welcher nothgedrungen sündigt, nicht mit dem zu vergleichen sei, welcher es freiwillig und aus bösem Herzenstriebe thut. Ich führte deshalb aus unserer Geschichte den Beweis dafür, daß der Herr, solange das gezückte Schwert über unserem Haupte geschwebt habe, die gezwungenen Sündigenden nicht als Ungläubige und böswillige Uebertreter seiner Gebote und Verordnungen verworfen habe. Rabbi Meir hat in solcher Nothlage verbotene Speisen genossen. Ist Rabbi Meir, der große Mischnalehrer, darum ein Heide gewesen? Rabbi Elieser hat in ähnlicher Situation durch eine zweideutige Aenßerung den Richter irre geführt und die Verfolgung von sich abgewälzt. Wäre ein Rabbi Elieser kein würdiger Zeuge? Haben die götzendienerischen Israeliten zur Zeit des Propheten je aufgehört, Israeliten zu sein? Uud wir zumal sprechen ja nur eine leere Formel aus, ohne daß wir gezwungen werden, den Glauben an Muhamed durch religiöse Handlungen zu bekräftigen, ein Bekenntniß, von dem Alle wissen, daß es nicht ernst gemeint sei und nur den unduldsamen Herrscher täuschen soll. „Nicht Jeder," betonte ich in diesem Sendschreiben, „hat den Mnth, sich als Märtyrer hinopfern zu lassen. Der Talmud berichtet zwar von vielen Märtyrern des Glaubens; sie leuchten uns als Muster vor. Wer aber solchen Heroismus nicht besitzt, der darf nach dem israelitischen Gesetze nicht verurtheilt werden. Der Entschluß, den ich sowohl mir als Freunden uud Anfragenden enipfehle, ist demnach," so schloß ich, „diese Gegenden zu verlassen