Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1881)
- Date
- 1881-05-01
- Page
- Seite 118 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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118 zum Scheine annehmen, die mit Verwüstung und Grausamkeit sich die Herzen zu gewinnen wähnte. Man merkt allerdings heute kaum im ganzen Almohadenreiche vom Atlasgebirge bis zur Grenze Egyptens, daß dort jemals zahlreiche Christen und Juden gewohnt haben, denn alle Synagogen und Kirchen sind zerstört; ob aber Alle, die Muhamed bekennen müssen, gute Muhamedaner sind?"- „Ich weiß nicht," versetzte Jbn-Moischa mit sichtlicher Rührung, „waruni ich bei dir eine Ausnahme mache und diesmal die Pflicht des treuen Muselmans vergessen will. Ich habe bis jetzt Freundschaft, ja Liebe zu dir im Busen gehegt, habe oft deinen scharfen Verstand, deinen klaren Geist, deine große Gelehrsamkeit bewundert und möchte nicht, daß ein solcher Kopf dem Henker verfalle. Drum fliehe, ehe das Gerücht sich weiter verbreitet, ich kann dich nicht mehr vertheidigen, nicht länger schützen, fliehe von hier so rasch als möglich, fliehe, bevor es zu spät. Du schwebst in Lebensgefahr, du wie deine Familie wären sonst verloren. Lebe wohl! Noch eins. — Du sollst eine Schrift verfaßt haben, welche viel Aufregung hervorgerufen hat." „Verzeihe," unterbrach ihn Maimonides, „wohl arbeite ich Tag und Nacht an einem großen Werke, das, wie ich hoffe, meinem Volke zum Nutzen und Segen werden wird; doch Alles, was ich bis jetzt veröffentlicht habe, ist eine kleine Schrift über Kalenderberechnung ans astronomischen Grundsätzen, — ich habe sie in meinen Jünglingsjahren für einen Freund ausgearbeitet — ferner ein Commentar zu einigen Traktaten des Talmuds und eine Logik, welche, sümmtlich rein wissentschaftlich gehalten, unmöglich Aufregung verursachen konnten." „Ich habe mich," versetzte Moischa, „nicht korrekt ausgedrückt, ich hätte sagen sollen ein Sendschreiben; man klagt dich und deinen Vater an, heimlich Briefe geschrieben zu haben, welche die Scheinmuhamedaner in ihrer Hartnäckigkeit noch unterstützen, sie lehren, bei einem Zustande geduldig auszuharren, der sie zwingt, doppelzüngig zu reden, niit glatter Zunge ein Bekenntniß abzulegen, das sie im Herzen verabscheuen. Jst's deiner würdig, der Lüge und Heuchelei das Wort zu reden?" * „Edler Jbn-Moischa, vor dir will ich kein Geheimniß haben, du bist so eifrig bestrebt, mir und den Meinigen das Leben zu erhalten, während eure Finsterlinge und Eiferer uns nachstellen; ich tvill dir Alles offen bekennen. Ich kann mein Herz nicht herausreißen und es anders bilde», es schlägt einmal von Jugend auf für das Wohl und Wehe meiner Gtaubensbrüder; ihnen zu helfen, ihr Loos zu bessern ist mein erster Gedanke des Morgens und mein letzter, wenn ich zur Ruhe gehe. Es blutet inir das Herz, wenn ich, an die Zwittergestalt in Glauben und Thun denke. Soll ich ihnen aber rathen, daß sie sich Alle als Opfer zelotischer Verfolgungswuth hinschlachten lassen? Ist es nicht religiöser, gläubiger gehandelt, im Unglück zu dulden, zu hoffen und auf bessere Zeiten zu vertrauen? Da hat ein jüdischer Zelot die Behauptung aufgestellt, wir sollten, selbst mit dem Tode bedroht, das islamitische Bekenntniß nicht ablegen; denn wer zu Allah und Muhamed auch gezwungen sich bekannt hat, sei kein Jude mehr, sei ein Gottesleugner, ein Götzendiener und müsse nach dem jüdischen^ Gesetze als solcher behandelt werden. Es sei Gotteslästerung, auch nur zum Scheine die Moscheen zu besuchen, selbst wenn man am Gebete nicht theilnehme. Ein Mensch, der dies thue, dürfe nicht erwarten, daß Gott mit Wohlgefallen auf sein Gebet schaue, welches er dann still und geheim in seinem Hause