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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-05-01 · Heft 5 (1.5.1881) · p. Seite 117

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 5 (1.5.1881)
Date
1881-05-01
Page
Seite 117 (sequence 13)
Language
German
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117 Wlaiinonides. Histarischk Erzähtnnq von Dr. M. Dessauer in Cöthen. (Fortsetzung) Halt ein, Rasender!" schrie Jbn-Moischa und sprang heftig erregt vom Sitze auf, „um deinen Kopf, um deines Vaters, deiner Mutter Leben, um deine ganze Familie ist's geschehen, wenn ein anderer Moslem dich so reden hörte! Ich wollte durch den Inhalt des Buches Kusari deine innersten Gesinnungen erforschen und erfahren, ob es wahr sei, daß du ein Jude bist, und die Familie Maimun hier nur unter der Maske des Islam lebt. Deine eigenen Worte und der Ueberschwang deiner Rede haben dich verrathen und das Gerücht in mir zur Gewißheit erhoben. Unglücklicher! Du wandelst sorglos auf einem Feuer speienden Berge. Weißt du nicht, daß in unserem Gebiete bei Todesstrafe kein Jude verweilen darf, vergißt du, daß du in Fez bist? kennst du die Almoha den, kennst du Abdulmumen nicht?" „Ja, ich kenne ihn, ich kenne ihn, sein glühender Feuereifer ist uns bis in's Mark gedrungen. Dreizehn Jahre war ich alt, als ich Spanien, mein schönes Vaterland, meine Geburtsstadt Cordova verlassen mußte. Es blutet mir noch heute das Herz, wenn ich mich der schauerlichen Stunde erinnere, da mein Vater die ganze Familie um sich versammelte und also sprach: Es sind schwere Tage über uns hereingebrocheu, die verfolgungssüchtigen Almohaden schreiten mit Feuer und Schwert von Sieg zu Sieg,' sie haben unser schönes Andalusien erobert und ihr unduldsamer Emir duldet int ganzen Atmohadenreich kein fremdes Bekenntniß. Sollen wir etwa zum Scheine zu Muhamed uns bekennen und die wichtigen Worte aus sprechen: Es giebt keinen Gott als Allah, und Muhamed ist sein Prophet? Sollen wir öffentlich die Moscheen besuchen und im Verborgenen zu unserm Gotte beten, verstohlen unsere Feiertage heiligen, unsere Gesetze beobachten, heimlich Bräuche und Satzungen unserer Väter bewahren und öffentlich ihnen zuwider handeln? Nein, wir wollen nicht ewig die Lüge in unseren Herzen tragen, nicht innen Jude, außen Moslemin sein, wir wollen nicht bei jedem Schritte zittern und befürchten, eines Spähers Auge könnte in unser Heiligstes dringen und unfern Glauben uns zum Verbrechen anrechnen. Hier ist unsers Bleibens nicht, da haben wir nur die Wahl zwischen Tod und Abfall von unserer Religion. Drum müssen wir fort von hier; bereitet euch vor, meine Lieben, in wenigen Tagen den schweren Gang in die lieblose Fremde zu unternehmen, unsere Heimath ist ja ebenso lieblos und verstößt uns. Wohin wir uns wenden werden, das weiß ich noch nicht gewiß, doch auch unsere Vorfahren wußten nach der Zerstörung Jerusalems nicht, wohin sie ihre Schritte lenken sollten; der Herr hat sie geführt, er ist überall bei uns, es schlummert und schläft nicht der Hüter Israels! Einige Jahre nachher war von der blühenden israelitischen Gemeinde zu Cordova keine Spur mehr zu finde», unsere berühmten Schulen zu Sevilla und Lucena ivurden geschlossen. Es ist ein bejammernswerthes Loos, plötzlich heimatlos und verlassen dazustehen, Und dennoch war das Loos der in der Heimat Verbliebenen noch trostloser; denn sie mußten ewig lügen und heucheln, eine Religion

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