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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-05-01 · Heft 5 (1.5.1881) · p. Seite 111

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 5 (1.5.1881)
Date
1881-05-01
Page
Seite 111 (sequence 7)
Language
German
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111 Menschen seien. Er forderte für den Fall, daß Vernunft und Auctorität, z. B. in Bezug auf Lehren einer bestehenden Religionsgemeinschaft, in Collision kämen, daß dann die Vernunft gälte. — In klassischer Art aber ist die Einheit des Unendlichen mit dem Endlichen durchgeführt in dem großartigen System des stammen und Verstandesschärfen spanisch holländischen Juden Baruch de Spinoza"). Es giebt, so sagt er, ein einziges, unendliches, ewiges Wesen, Gott, die innere Ursache und Kraft der Gesammtheit der wechselnden Einzeldinge; das Einzelding besteht nur durch seine Theilnahme an Gott; der menschliche Geist, unser besseres Theil, hat in sich die Fähigkeit der Erlösung vom Bösen, nämlich durch die befreiende Erkenntnis; des nothwendigen Wesens der Dinge im Spiegel der Ewigkeit, eine Erkenntniß, welcher sofort die intellectuelle Liebe zu Gott folgt, ein Theil der unendlichen Liebe, mit der Gott sich selbst liebt; in ihr besteht die menschliche Seligkeit. — Auch der Idealist Leibniz"), der jede Seele eine Ausstrahlung Gottes nannte, betonte die Vernunftwahrheiten; sein Popularisirer Wolfs") war ein Hauptbegründer der sogenannten Aufklärung; er zählt zu der theoretischen Philosophie auch die „natürliche" Theologie, als ein Product nur der Vernunft. — Hier schließen sich Mendelssohn und Lessing an. Letzterer erklärt rund heraus"): „Die Offenbarung giebt dem Menschen nichts, worauf die menschliche Vernunft, sich selbst überlassen, nicht auch kommen würde;" mit anderen Worten: Gott offenbart sich jedem Menschen, weil er in jedem Menschen wohnt, mit jedem Menschen sich verbunden hat. So warm menschenumfassende, menschenverbindende Gedanken gefunden worden durch Staatsmänner, fromme Menschen und Philosophen. Und gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts erhob sich gegen die christlichen Staats¬ und Zwangskirchen allgemeiner der menschlich freie Gedanke. Noch Friedrich Wilhelm I. von Preußen äußerte: „Wir sind Herr und König und können thun, was wir wollen""); aber sein Sohn, Friedrich II., sprach: „Ich bin der erste Diener meines Staats". Jener verbot dem Freidenker Edelmann, nach Berlin zu gefjett45); Dieser ist Urheber der bekannten Worte: „In meinem Staat kann Jeder nach seiner Fayon selig werden". II. Begriff von Toleranz und Humanität. Nach diesem historischen Ueberblick wird es eher möglich sein, die Begriffe Toleranz und Humanität klar zu legen. 1. Beide, Toleranz wie Humanität, haben dies gemeinsani, daß sie die Absicht einer Verbindung, einer Einheit, von Menschen verschiedenen Glaubens bezeichnen. Beide wollen eine Gemeinschaft dieser verschiedenen Elemente Herstellen. Beide bezeichnen daher einen Gegensatz zu der Ausschließlichkeit der Staatskirche, deren Leiter von Haus aus jede solche Verbindung perhorresciren, da sie von jeden: Bürger eine und dieselbe Religionsform fordern. Toleranz wie Humanität setzen daher einen Zustand voraus der Art, daß die Bürger nicht mehr einer und derselben Religionsform angehören, sondern mehreren; daß also.eine Volks- oder Staatskirche, welche alle Staatsangehörige 40) 1632 bis 1677. - 4I) 1646 bis 1716. - 1679 bis 1754. - ") Erziehung des Menschengeschlechts, 8 4; Werke, IX, 401. — ") Scherr, deutsche Cnlturu. Sittengesch., 3.91., 393. - ") ib. 434; im Jahr 1739, Juni.

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