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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-04-01 · Heft 4 (1.4.1881) · p. Seite 100

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 4 (1.4.1881)
Date
1881-04-01
Page
Seite 100 (sequence 20)
Language
German
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100 Die Emanzipation der Juden ging in Frankreich nicht von den Führern der geistigen Bewegung, wie Rousseau und Voltaire aus, sondern vom Volke. Die genannten Coriphüen waren selbst einer Toleranz der Juden feindlich. Voltaire schrieb an die Comtesse Fontaine, sie wegen erhaltener Judensteuer beglückwünschend, die Verse: Adieu malgre mes epilogues Puissiez-vous tons les ans Me lire tleux ou trois romans Et taxer quatre synagoges. Der Regent hatte nämlich dem Herzog von Braucas und der Comtesse Fontaine die Gunst bewilligt, 20000 Lire von den Inden in Metz und des Plat-Pays zu erheben. Schon 1784 ward Ludwig XVI. dahin geführt, in einem Edikte das Brückengeld den Juden abzuschaffen. Diese den Inden günstige Bewegung im Volke veranlaßte 1785 die Sociütö Royale des Sciences et Arts in Metz ein Preisschreibcn über die Frage: „Giebt es Mittel, die Juden in Frankreich nützlicher und glücklicher zu machen," (lüst-il des inoyens de rendre les juifs plus utiles et plus licureux en France) auszuschreiben. Neun Memoiren liefen darauf bei der dazu allgestellten Commission ein. Der Berichterstatter dieser Commission war auf eigenen Wunsch Rüderer, Parlamentsrath zu Metz, gelvvrden, ein vom wahren Eifer für das Wohl der unterdrückten Juden beseelter Manu. Diese Memoiren sind noch jetzt im Archive der Akademie zu Metz enthalten. Das erste ist ein einfacher Brief, geschrieben von St. Domingo, von einem Staatsanwalte, dessen Namen nicht zu entziffern ist. Die Schlußfolge des Briefes ist: „Die Juden sind Menschen wie wir und daher befähigt, Franzosen zu sein. Das zweite Memoir ist noch kürzer, der Gedanke nicht so erhaben. Die Schlnßfolge ist den Inden feindlich. Verfasser ist Hailleeourt, Parlamcntsprokurator in Metz. Dieser bemerkt, daß die Juden im Jahre 1608, drei Familien oder neun Personen zählend, sich in Metz ansiedelten lwas ein Jrrthum ist), nun achttausend Seelen zählen lnoch ein größerer Jrrthum), und wenn man sie nützlich macht, sie Handwerker, Künstler, Geschäftsleute ruiniren würden; um sie glücklicher zu machen, müßten sie erwerben und in zwanzig Jahreil lvürden sie alsdann den dritten Theil der Besitzthümer innehaben, welche die Kirche noch nicht besitzt. Es sei gefährlich ein feiges und barbarisches Volk in ein herrschendes zu verwandeln, welches zugleich geizig und grausam sein würde. Um sie glücklich zu machen, ohne Andern zu schaden, müsse man sie in Masse nach den Wüsten Guyanas transportiren. Persönliche Feindschaft veranlaßte Hailleeourt jedenfalls zu solch feindseligem Urtheil und seine Voraussicht hat sich bei den Inden, die nun seit neunzig Jahren fast im Besitze aller Bürgerrechte sind, nicht verwirklicht. Das dritte Memoir rührt von einem polnischen, in Paris lebenden Juden, Zalkiud Honrw'itz, her. Dieser Schriftsteller vergleicht eine gelehrte Gesellschaft, die einen Concnrs über die Mittel, die Juden nützlicher und glücklicher zu machen, eröffnet, mit Karl V., der Gebete auordnet für die Befreiung des Papstes, den er selbst belagert hält. Die Mittel, welche man sucht, sind sehr einfach. Höret auf die Inden nnnützlich zu machen; bewilligt ihnen, oder vielmehr gebt ihnen das Bürgerrecht zurück, dessen ihr sie gegen alle göttlichen und menschlichen Gesetze beraubet, sowie gegen euer eigenes Interesse; seid nicht wie Menschen, die ans Mnthwillen eines ihrer Glieder lähmen. Er vertheidigt die Maximen der Inden

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