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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-04-01 · Heft 4 (1.4.1881) · p. Seite 96

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 4 (1.4.1881)
Date
1881-04-01
Page
Seite 96 (sequence 16)
Language
German
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W Besprechung mit dem jüdischen Gelehrten am Schlüsse des Buches überzeugt ansrnft: Er ist der Born alles Glückes, der Gott der Liebe und Vergeltung, kein Gott neben ihm, kein Fels außer dem Ewigen, und gerade dem Judenthum den Vorzug vor allen Religionen giebt? Ist dies nicht eine Schmähung Allahs und Muhameds?" „Ein Gedanke, eine Ansicht, der Glaube" erwiederte Maimonides rasch und mit scharfer Betonung „ist niemals eine Schmähung!" „Ja, es steht jetzt außer allem Zweifel," dachte Jbn-Moischa in seinem Innern, „er ist ein Jude!" „Welche Berechtignng," rief er und konnte nur schwer seine Aufregung bemcistern, „welche Berechtigung hat diese Religion noch nach Muhamed, der alle früheren Gesetze aufgehoben? Weißt du nicht, was der strenge Abdulmumen zu den Inden gesagt hat, als er nach langwieriger Belagerung Marokko in Besitz genommen? Er versammelte die zahlreiche», jüdischen Einwohner dieser Stadt und sprach zu ihnen: Ihr leugnet die Sendung des Propheten Muhamed und glaubt, daß dereinst euer Messias kommen werde, nm euer Gesetz zu bestätigen und eure Religion zu befestigen. Eure Vorfahren haben aber behauptet, daß dieser verkündete Messias spätestens ein halbes Jahrhundert nach Mnhamed's Auftreten erscheinen werde. Wohlan! dieses halbe Jahrhundert ist längst nbgelanfen, ohne daß ein Prophet unter euch anfgestauden wäre. Die Duldung, welche euch unter dieser Bedingung gewährt wurde, soll nunmehr anfhören. Wir können euch nicht mehr in eurem Unglauben lassen. Ihr habt nur die Wahl zwischen Annahme des Islam und dem Tode." „Höre ich recht?" rief Maimnui, „spricht so der v orurtheilslose Jbn-Moischa, betont ein freier Mann eine alte Ungerechtigkeit mit solchem Nachdrucke? Oder ist es auch schon genug, freisinnig innerhalb der eigenen Religion zu denken, sonst aber zu glauben, diese Liberalität schließe nicht aus, von Fanatismus und Bornrtheil gegen das Judenthum erfüllt zu bleiben? War dein Urtheil hier frei? War dies auch nur der Schein eines Beweises für die Nichtberechtignng der jüdischen Religion? Wie? wenn jene Vorfahren nur aus Furcht vor dem Schwerte die Frist von einem halben Jahrhundert sich erbeten hätten, oder einen Bibelvers, welcher auf einen Erlöser anspielt, falsch gedeutet hätten; wäre darum eine Religion hinfällig, nichtig, die zweitausend Jahre hindurch ihre Bekenner getragen und beseeligt, in tansendfachen Leiden getröstet und anfgerichtet hat? Soll die ehrwürdige Mutter des Ehristenthnms mich des Islam ans Befehl der Kinder, die die Erbschaft empfangen wollen, zu Grabe gehen? Mit welcher Berechtignng stellt sich der Islam, wie das Ehristenthnni als fertigen Bau hin und sieht die israelitische Religion nur als das Gerüste an, das nunmehr abgetragen werden soll? Dieses angebliche Gerüste hat sich bis jetzt wenigstens ebenso bewährt, lute die neuen Bauten, hat Sturm und Unwetter, Last und Druck ertragen, hat trotz Beil und Eisen, Stoß und Schlag, Uebermnth und Rohheit Stand gehalten, ist durch das Atter noch nicht morsch, nicht zernagt worden von des Wurmes Zahn und von der Fäulnis; Aetzkraft. Nur der Körper des Judeuthnms konnte gewaltsam zerstückelt werden, sein Geist aber lebt und belebt seine Bekenner ans dem ganzen Erdenrund!" (Fortsetzung folgt)

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