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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-04-01 · Heft 4 (1.4.1881) · p. Seite 95

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 4 (1.4.1881)
Date
1881-04-01
Page
Seite 95 (sequence 15)
Language
German
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95 Gomorrha? sind nicht alle diese Erzählungen anerkannt und unbezweifelt? Wie ist es nur im Geringsten möglich, hierbei an Täuschung oder Blendwerk zu denken?" Da sagte der König Kusari: „Ich sehe wohl, daß ich doch auch die Inden befragen muß, die Ueberreste der alten Israeliten; denn ich werke, daß jeder, welcher eine geoffenbarte Religion anerkennt, seine Beweise und Griinde von ihnen hernimmt." Er ließ sich also einen jüdischen Gelehrten holen, und befragte ihn über seinen Glauben. Gelehrter: „Wir glauben an den Gott Abraham's, Jsaak's und Jakob's, der die Israeliten ans Egypten geführt mit Zeichen, Wundern und Versuchungen, der in der Wüste sie gespeist und ihnen das Land Kanaan gegeben, nachdem er sie mit großen Wundern durch das Meer und den Jordan geführt, der den Moses mit seinem Gesetze absandte und später noch andere Propheten, welche zur Beobachtung des Gesetzes ermahnten, den Befolgern guten Lohn, den Widerspenstigen harte Strafe verhießen. Wir glauben überhaupt Alles, was in der Thora steht, doch erfordert dies eine weitläufige Besprechung." Kusari: „Es scheint, daß ich mir mit Recht zuerst vorgenommen, die Juden nicht zu befragen, da ich wußte, daß sie durch die Niedrigkeit und Bedrückung, in welcher sie leben, ihre Erinnerung und Urtheilskraft verloren haben. Warum hast du, Jude, nicht lieber gesagt, du glaubest an den Schöpfer und Regierer der Welt, an ihn, der dich geschaffen, ernährt und dergl.? Das sind Beweisgründe, wie sie jeder, wessen Glaubens er auch sei, vorbringt, und um deren willen er der Wahrheit nachstrebt, um seinem Schöpfer in Gerechtigkeit und Weisheit ähnlich zu werden." Gelehrter: „Das, was du meinst, ist die Vernnnftreligion, welche auf bloßes Nachdenken sich gründet und somit vielen Zweifeln unterworfen ist. Wenn du die Philosophen über dieselbe befragst, so wirst du finden, daß sie kaum in einer Handlungsweise, kaum in einer Meinung übereinstimmen, weil sie nur zu manchen Behauptungen genügende Beweise, zu manchen bloß wahrscheinliche, bei denen man sich höchstens beruhigt, zu vielen aber auch nicht einmal wahrscheinliche liefern können, geschweige denn einen vollständigen Beweis." K u s a r i: „Ich sehe nun ein, daß deine Rede von Anfang an einleuchtend ist, und ich null demnach mich weiter mit dir besprechen." „Was denkst du nun Maimuni," unterbrach sich der Vorleser, „über diese Einleitung zu einem Buche, welches das Judenthum, ja jedes noch so gegeringe Gebot des israelitischen Gesetzbuches verherrlicht?" „sie ist nicht ungeschickt ansgedacht," erwiederte er, „der Gedankengang ist klar und durchsichtig, das Arabisch fließend; ich kenne das Blich schon von früher her, es ist in Form eines Dialogs leichtverständlich und fesselnd geschrieben, obschon die philosophische Anschauung darin nicht nach meinem Geschmacke ist. Inda Halevi trennt die Weltweisheit von der Religion, sie hätten, meint er, keine Beziehungen zu einander, die Philosophie sei das schwankende Reich der Gedanken, während die Religion auf festen geschichtlichen Thatsachen und Wundern sich anfgebaut hat. Nach meiner Ansicht dagegen sind beide eng zusammengehörig, zwei Lichtstrahlen einer und derselben Sonne; obgleich gelrennt, ist doch in beiden dasselbe Licht, dieselbe Wärme, derselbe Urquell, die Religion von Gott, die Vernunft von Gott; folglich müssen beide, uu'itit auch aus verschiedenen Wegen, schließlich zu denselben Ergebnissen führen." „Du schweifst ab, Maimnni, was hülst du von dem Hauptgedanken, daß die jüdische Religion die beste sei, und daß der König nach einer weitläufigen

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