Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1881)
- Date
- 1881-04-01
- Page
- Seite 97 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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97 Literarische WMHeitungen. N. Paris. (Secidtd des Etudes Juives). In einer Zeit, wo der Berichterstatter auf dein Gebiete des Judenthums von allen Seiten nur Trostloses zu berichten hat, hier die zu einer traurigen Zeiterscheinung gewordene Anfeindung alles Jüdischen, dort mittelalterliches Verharren auf einem längst überwundenen Standpunkte, ist es eine willkommene Aufgabe, über eine erfreulichere Erscheinung zu berichten, welche von einem lebendigen Regen, von fortschrittlichem, wahrhaft wissenschaftlichem Eifer ini Judenthume wieder Kunde bringt. Während die jüdischen Blätter Deutschlands höchstens Fragmente, Aphorismen des Wissens zu bringen im Stande sind, theils aus Mangel einer allseitigen Begeisterung für dasselbe und in Folge dessen an Mitarbeitern, theils weil die einschlägige Presse durch Polemik gegen innere Zustände, Judenhetze, orthodoxen Verfolguugseifer re. re. zu sehr von eigentlich höheren Zwecken abgelenkt wird, hat sich in Paris, wo alle genannten Hindernisse wegfallen, ein Verein gebildet, an dessen Spitze bedeutende Männer sich befinden, und der zum Zweck hat, jüdisches Wissen zu verbreiten, und also das, für die Kenntniß der geschichtlichen Entwicklung des Judenthums — vor allem wird Frankreich dabei berücksichtigt — geeignete Material zu sammeln. , Dieser Verein führt den Namen: 8eei6t6 des, Etudes Juives, und liegt die erste Nummer seines Organes die „Revue des Etudes Juives“ uns mit seinem reichhaltigen Inhalte bereits vor. Zur näheren Erklärung über das Zustandekouunen, den Zweck und die Absicht des Vereins geben nur hier einen Auszug seiner Sitzungsprotokolle. Am 10. November 1879 fand die erste Generalversammlung statt, auf Einladung des Barons James v. Rothschild. Es versaminelten sich eine Anzahl junger Israeliten von Paris, um eine Gesellschaft für jüdische Studien zu gründen. Die Sitzung wurde durch das provisorische Bureau geleitet, das mit Zustimmung der Versammlung aus den Herren Baron James von Rothschild, Präsident, Oberrabbiner Zadoc Kahn, Isidor Löb, Sekretär, zu denen im Laufe der Sitzung sich der Oberrabbiuer Isidor hinzugesellte, zusammengesetzt war. Der Präsident dankte den ailU'esenden Mitgliedern für die Bereitwilligkeit, mit der sie dem an sie gerichteten Aufruf Folge geleistet. Er setzte sodann den Zweck der zu gründenden Gesellschaft auseinander. Die erste Idee dieser Gesellschaft, sagt er, gehört dem Großrabbiner Zadoe Kahn. Das Objekt, welches sich die Organisatoren vorsetzen, ist, dem Zustande der Stagnation, in welcher sich die jüdischen Studien seit mehreren Jahren befinden, ein Ende zu setzen, das Verdienst zu ermuthigen, indem man seine Werke verbreitet, zu Untersuchungen über das Leben, die Sprache, die Sitten der Juden anzuspornen, und schließlich die Arbeiten junger, fleißiger Autoren zu veröffentlichen. Der Verein soll dazu beitragen, die Wissenschaft zu fördern, welche seit jeher einer der schönsten Zierden unserer Vorfahren war, wodurch sie Achtung und Anerkennung erlangt hatten. Ihr soll in einer Epoche wissenschaftlicher und intellektueller Bewegung, wie diejenige, in welcher wir das Glück haben zu leben, eine Stätte gegründet sein, durch die sie würdig vertreten sei im Reiche der übrigen Wissenschaften. Diese Worte wurden mit dem Beifall der Versammlung aufgenommeu. 8