Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1881)
- Date
- 1881-04-01
- Page
- Seite 93 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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spricht der König Kusari, denn die Handlungsweise eines von beiden ist doch ohne Zweifel die Gott wohlgefällige. Was aber die Inden betrifft, so genügt es mir, sie in ihrer Niedrigkeit zu sehen und sie von Allen verachtet zu wissen. — Er rief also zuerst einen christlichen Weisen und befragte ihn aber seine Glaubenslehre, Dieser antwortete ihm: Ich glaube an einen Anfang alles Geschaffenen, an die Ewigkeit Gottes, der die Welt in sechs Tagen hervorgebracht hat; ferner daß alle Menschen Nachkommen Adams seien und ihr Ursprung von ihm sich herschreibe; daß Gott seine Vorsehung über die Geschöpfe walten lasse, niit den Menschen in Verbindung stehe, Zorn und Barmherzigkeit äußere, durch Sprache und Erscheinung seiner Propheten und Frommen sich offenbare; daß er unter Menschen, die ihm Wohlgefallen, selbst throne. Mit einem Worte: Ich glaube Alles, was im Gesetze und in den Büchern der Israeliten steht, denn es sind lauter unbezweifelte Fakta, durch ihre Offenbarung vor einer großen Menge bewahrheitet. In der Folge aber verkörperte sich die Gottheit durch eine jüdische Jungfrau, indem der Messias, genannt der Sohn Gottes, von ihr äußerlich als Mensch, innerlich als Gott, äußerlich als gesandter Prophet, innerlich als gesandter Gott geboren wurde. Die drei Wesen, den Vater, den Sohn und den heiligen Geist halten wir in Wahrheit für e i n Wesen; denn wenn unsere Worte auch auf eine Dreiheit hindeuten, so glauben tvir doch nichts destowenigcr an die Einheit Gottes. Dieser thronte so lange unter den Israeliten zu ihrer Ehre, als ein göttlicher Sinn in ihnen wohnte, bis sie sich endlich gegen Jesus erhoben und ihn kreuzigten. Seitdem erging fortwährend das Strafgericht Gottes über sie und über ihr ganzes Volk; sein Wohlgefallen aber waltete unter den Einzelnen, welche dem Messias nachfolgten, so wie unter den Nationen, welche diesen Einzelnen folgten, zu welchen auch wir gehören. Und obgleich wir der Geburt nach nicht Israeliten sind, so sollten wir doch eher als die Juden Israeliten genannt werden, weil wir den Aussprüchen des Messias und seiner zwölf israelitischen Apostel, deren Anzahl den zwölf Stämmen Israels entspricht, Folge leisten. Unsere Gesetze und Gebräuche sind theils Vorschriften des Jüngers Simon, theils sind sie der Thora entnommen, ans der tvir lernen, und über deren Wahrheit und göttlichen Ursprung kein Zweifel obwaltet. Sv finden sich im Evangelium die Worte Jesus: Ich bin nicht gekommeit, irgend eines von den Geboten der Israeliten und Moses,' ihres Propheten, aufzulösen, sondern sie zu bestätigen und zu befestigen." Kusari: „Diesem Glauben kann die Vernunft nicht beipflichten, ja sie verwirft sogar die meisten Bestandtheile desselben. Jedoch, wenn du durch Beweise und Erfahrung ihn dermaßen bewahrheiten kannst, daß man von ganzem Herzen daran glauben muß und es für unmöglich hält, an etwas anderes zu glauben, dann könnte die Vernunft vielleicht durch Schlüsse und Gründe allinählig dahin kommen, das ihr vorher Unwahrscheinliche wahrscheinlich zu finden. So machen es die Naturforscher bei Wahrnehmung tvnnderbarer Erscheinungen. So lange sie dieselben nur von Hörensagen und nicht durch eigene Erfahrung kennen, schenken sie solchen Erzählungen keinen Glauben; wenn sie dieselben aber selbst gesehen, so denken sie ernstlich darüber nach und suchen ans dem Einflüsse der Himmelskörper und sonstiger unsichtbaren Kräfte die Ursachen herzuleiten, da sie doch nicht leugnen können, tvas sie gesehen. Da mir nun deine Glaubenslehren neu sind und ich nicht in ihnen auferzogen worden, so sehe ich mich nicht veranlaßt, sie von vorn herein für richtig anzuerkennen, und halte es für meine Pflicht, ernstlich nachzuforschen, bis ich ihnen auf den Grnich komme."