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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-04-01 · Heft 4 (1.4.1881) · p. Seite 92

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 4 (1.4.1881)
Date
1881-04-01
Page
Seite 92 (sequence 12)
Language
German
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92 ohne sich einer anderen Religionsform anzuschließen. Durch einen Traum war er in seinem Streben nach einer würdigen Gottesverehrnng noch bestärkt worden. Ein Einzel, der ihm erschienen, verhieß ihm nämlich Reichthnm nnd Waffenglück gegen die Araber, tvenn er sich zum wahren Gotte bekennen würde. Denselben Traum hatte auch der Unterkönig gehabt. Als er dann einen großen Sieg über die Araber errungen und die armenische Festung Ardebil erobert hatte, entschlossen sich der Ehagan (König) und der Peg tVieekönig,) das Jndenthiun öffentlich zu bekennen. Der Chalif und der byzantinische Kaiser hatten aber gewünscht, den Ehagan der Chazaren für die Annahme ihres Bekenntnisses zu bewegen, und zu diesem Zwecke hatten sie Abgeordnete, von Religionsknndigcn begleitet, mit Lchreiben und reichen Geschenken an Bnlau geschickt. Dieser hat hierauf einen Religivnsdisput unter seinen Augen zwischen dem byzantinischen Geistlichen, dein muhamedanischen Religionsweise» und einem jüdischen Gelehrten veranstaltet. Die Bertreter der drei Religionen dispntirten aber lauge hin und her, ohne einander von dem Vorzüge der einen Religion vor den andern zu überzeugen. Da aber Bnlau gemerkt, daß die Vertreter der christlichen Religion und des Islam beide sich ans das Judenthum, als auf den Ausgangspunkt ihres Glaubens, beriefen, so hat er den Vertreter des christlichen Glaubens unter vier Angen gefragt, ob er den Islam der jüdischen Religion vorziehe. Als dieser das Judenthnm ans Kosten der Religion Mnhamed's sehr hochgestellt, hat Butan dasselbe Mittel auch bei dem muhamedanischen Weizen angewendet, um auch ihm das Geständnis; abzulocken, daß das Jndenthnm höher stehe als das Christenthum. Darauf hat Bnlau den Gesandten des Ehalifen nnd des Kaisers erklärt: Da er aus dem Munde der Gegner des Jndenthnms das unparteiische Geständnis; von dessen Vorzüglichkeit vernommen, so bleibe er bei dem Vorsätze, die mosaische als seine Religion zu bekennen. Er hat sich darauf mit etwa viertausend seiner Großen zum Jndenthnm bekehrt. Diese vor mehr denn vierhundert Jahren geschehene Bekehrung der Kvsarcn wühlte nun der Dichter zum Ausgangspunkte seines das Jndenthnm verherrlichenden Werkes: Kusari." Jbu-Moischa fixirte dabei scharf Gesicht und Mienenspiel des Maimonides, als tvenn er sich immer noch genauer überzeugen wollte, ob das über seinen Fretmd ansgesprengte Gerücht, welches dessen Leben bedrohte, wahr sei. Seine Unruhe verbergend fuhr er fort: „Ich habe das Buch bei mir. Gestatte mir einige Seiten ans der Einleitung dir vorzulesen, ich bin neugierig, dein Urtheil darüber zu hören. Der Verfasser beginnt: Man fragte mich oft, durch tvelche Beiveise ich unsere Religion gegen die Angriffe vertheidigen könnte, welche dieselbe theils von den Philosophen, theils von den Bekennern anderer Religionen zu erleiden hat. Da erinnerte ich mich an die Beweisgründe, welche ein jüdischer Gelehrter dem König von Knjar vvrlegte, von welchen der König so völlig überzeugt wurde, daß er vor etwa vierhundert Jahren znm Jndenthnm überging, wie ans den Geschichtsbüchern bekannt ist." „Er fragte erst einen Philosophen," unterbrach ihn Maimuni, .„welche Gottesanschannng er für die beste hielte, aber seine Antwort befriedigte den König nicht ganz. Er entgegnete: Eine gute Religion muß nicht nur gute Gesinnungen, sondern auch gute Thaten erzeugen." „Ganz Recht," erwiederte Jbu-Moischa, „nach dem Philosophen besprach er sich mit den Religionsvertretern. Ich mich dir aber diese Stelle ganz vvrlesen, um zu sehen, ob dein Urtheil darüber mit dem meinigen übereinstimmt." Er liest: „Ich möchte tvohl jetzt einen Christen oder Mnhamedaner befragen,

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