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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-04-01 · Heft 4 (1.4.1881) · p. Seite 91

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 4 (1.4.1881)
Date
1881-04-01
Page
Seite 91 (sequence 11)
Language
German
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91 auf Augenblicke einer frohen Seefahrt bei sanft bewegtem Wellenschlag und Hellem Sonnenschein. Ost aber, von: Sturme gepeitscht, thüriuen sich gefahrvoll die Wogen, schwarze Wollen rauben den freien Ausblick, und der vertvegene Stenerinann sieht die scharfen Felsenriffe nicht, an welchen sein Fahrzeug unfehlbar zerschellen »ins;, lvenn er sich nicht noch zur rechten Zeit von dem besonnenen, vorsichtigern Freunde warnen läßt." „ T u sprichst in Räthseln," sagte verwundert Maimuni, „ich verstehe dich nicht." „Verzeihe," versetzte Moischa, „meine Gedanken sind durch ein Buch, ivelches ein spanischer Freund mir geschickt, abgezogen. Er schildert mir den Verfasser als einen von seiner jüdischen Religion überaus begeisterten Philosophen und vortrefflichen Dichter. Seine hohe Kraft bekunden wirklich einige herrliche Gedichte, die er beilegt, vorzüglich Seebilder, welche die furchtbare Erhabenheit und den mächtigen Aufruhr eines stürmischen, tobenden Oceans so ergreifend darstellen, daß in mir selbst, wie du gesehen, ein solches Seestück nachwirkte und meine Rede dunkel machte." „ Du bist doch sonst nicht so zerstreut. Wie heißt der Dichter und das Buch, welches dich so nachdenklich macht?" „Jbn Allevi und sein Buch Chozari," entgegnete Moischa. Er ist vor zwei Deeennien aus Sehnsucht nach dem heiligen Lande dorthin gewandert; und von diesem Schmachten und Sehnen nach Zion sind zahlreiche wehniüthige Gesänge »nd ergreifende Zionlieder durchweht. Wie sein großer Ahn Moses soll er, nahe dem Ziele seiner Wanderung, vor Jerusalem gestorben sein." „Ich kenne ihn, Juda Halevi war eine edle, reine Dichterseele! Und was hat in dessen Buche Chozari (oder Kusari) dich so seltsam aufgeregt?" fragte Maimuni. „Ach," sprach Jbn-Moischa vor sich hin, „so scheint das Gerücht dockwahr zu sein." — Er maß den Freund mit prüfendem Blicke und fuhr laut fort: „Kennst du nicht die abenteuerliche Geschichte vom Chazarenkönig Butan? Die Chazaren (Kosarenh ein kriegerischer Bolksstainm, Abkömmlinge der Finnen, die nach Auslosung des Hunnenreiches an der Grenze Asiens und Europas, am kaspischen See, sich niedergelassen, waren ehrgeizig, »inthig und siegreich, und die byzantinischen Herrscher, die Perser und Araber fürchteten die Einfälle dieser rücksichtslosen Eindringlinge. Die Perser hatten eine feste Mauer aufgerichtet, welche die Pässe zwischen dem Meere und dem Kauk'asusgebirge versperren sollte; doch auch diese durchbrachen sie. Wohin die kühnen Steppeusöhne ihren Fuß setzten, da waren sie Eroberer und machten die Besiegten zu tributpflichtigen Vasallen. Sie überstiege» das Gebirge, fielen in Armenien ein und eroberten die Krim, die sie Ehazarien nannten Es fehlte ihnen aber jedwede religiöse Cultur und Gesittung, sie lvaren die rohesten Götzendiener, wie ihre Nachbarn, die Bulgaren und Russe». Da sie nun in nähere politische Beziehungen und Handelsverbindungen mit Arabern, Christen und Juden traten und mit ihnen häufig verkehrten, so lvurden sie von dem Wunsche beseelt, gleich ihnen eine bestimmte Religion anzunehuieu. Aber welche? Was denkst du, Maimuni, welcher sie schließlich den Vorzug gaben? Gerade der verachtetsten, die nirgends geduldet wird, der jüdischen Religion. Bei Allah! das ist toll, meinst du nicht auch?" „Hm! ich null dich nicht unterbreche», erzähle lveiter." „Ein chazarischer König berichtet diese sonderbare, aber wahre Bekehrungsgeschichte etwa so: Der König Butan hatte eine» Abscheu vor dem wüsten Götzenthuine seiner Vorfahren empfunden und dieses in seinem Reiche verboten,

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