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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-04-01 · Heft 4 (1.4.1881) · p. Seite 89

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 4 (1.4.1881)
Date
1881-04-01
Page
Seite 89 (sequence 9)
Language
German
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— 89 zur Welt vermögen wir ihn uns näher zu bestiuiinen. Aus dem Gegensätze Gottes zur Welt'ist Gott der Ungewvrdene, Ewige, Erhabene, Alles Umfassende, der Geist über den Stoff, der Schöpfer über das Geschaffene. Als solcher schließt Gott alle Realitäten in sich; er ist das Urbild der Schönheit, das absolute Selige und Vollkommene, oder mit andern Worten: „Gott ist besser als die Tugend und das Wissen, besser als das Gute und Schone, erhaben über jedes Lob und jede Benennung, das schlechthin einfache unveränderliche ewige Eine, für das selbst der Name des einfach Einen nicht angemessen ist. Ans diesem Wege gelangte Philo auch zil seinen andern positiven Angaben von Gott. Er bezeichncte ihn als die Bernnnft des Weltganzen, die Alles erfüllt und ninfaßt, undAlles durchschaut. Er ist allmächtig, allwirksam, allgegenwärtig u. s. w. und heißt deshalb „der Ort", dem er erklärend hinzufügt: „Gott ist sich selbst der Ort, als erfüllt von seinem Wesen sich selbst genug. Sv wird er von nichts nmschlvssen, denn er ist Eins und Alles. Weiter nennt er das Licht als Bild für Gott. „Gott ist das Urlicht aus dem unzählige Strahlen ansströmen, die Quelle des reinsten Lichtstrahls, das Urbild alles ander» Lichts; ferner: „Gott ist die Sonne der Sonne." Diese positiven Bezeichnungen Gottes ergeben sich ihm ans Gottes Beziehungen zur Welt und stehen somit nicht mit seiner Lehre oben von der Unerkennbarkeit „Gottes an sich" in Widerspruch. Um jedem Mißverständnisse vvrznbengen, sagt er ausdrücklich: „Gott ist nicht im Raume, in der Zeit, hat keine menschliche Gestalt, keine menschlichen Affekte, von ihm ist nichts Böses und kein Uebel; er hat überhaupt keine Aehnlichkeit mit einem Geschöpfe. Er ist ewig, unveränderlich, einfach, frei und setbstgenügsam, svdaß nur ihm das Sein im wahren Sinne znkommt. Ein Analogon für diese Zeichnung Gottes findet er in dem Geiste des Menschen. Für die Feststellung der Existenz Gottes gegenüber den Leugnern derselben gilt ihm der physikoteleologische Beweis mit seinem Schluß: „Denn kein Kunstwerk entsteht von selbst; höchst kunstvoll ist aber die Welt, so muß sie auch von einem Wesen mit vortrefflicher und höchst vollkommener Bernnnft gebildet sein." Wenn Jemand, sagte er, in eine mit guten Gesetzen versehene Stadt kommt, in der die bürgerlichen Verhältnisse aufs Schönste geordnet sind, was anders wird er annehnien, als daß diese Stadt von guten Herrschern regiert werde? Wer nun in diese wahrhaft große Stadt, die Welt, tritt und betrachtet die Erde, die gebirgige und ebene, angefüllt mit Thieren und Pflanzen, betrachtet der Flüsse und Bäche raschen Lauf und der Meere Strömung und die Temperatur der Luft und der Jahreszeiten alljährlichen Wechsel, ferner die Sonne und den Mond, die den Tag und die Nacht regieren, der andern Planeten und Fixsterne und des ganzen Himmels Umläufe und Kreisbewegungen, muß er nicht gebührender oder vielmehr nothwendiger Weise die Ueberzeugnng gewinne» von dem Vater, Schöpfer und Regierer der Welt? Interessant ist bei Philo, wie er diese Philvsopheme mit den Anssprüchen und Lehren der Bibel auszngleichen sucht oder gar mit ihnen nachweist oder für sie Begründungen sucht. Die heiligen Schriften seines Volkes galten ihm als Quelle tiefster Weisheit und göttlicher Eingebung. Wir bringen hiervon: k. über die Lehre von der Erkennbarkeit und der Unerkennbarkeit Gottes. Die Lehre von der Unerkennbarkeit Gottes steht scheinbar im Widerspruch mit den oben eitirten biblischen Mahnrufen: „Gott zu erkennen!" Philo bezieht dieselben ans die Werke Gottes, in denen Gott sich dem Menschen offenbart und von ihm erkannt sein will. So findet er in 2 M. 20. 18. „Moses trat in das Düstere, daselbst Gott war," die Angabe von der unerkennbaren Natur des

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