Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1881)
- Date
- 1881-04-01
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2969669-2969670-2969675--0097-2970499- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
HS Weisheit erscheinen zu lassen. So entstand die alexandrinische jüdische Philosophie, die in der Geschichte der Religionsphilosophie eine bedeutende Nolle spielt. Schon in der griechischen Bibelübersetzung der Septnaginia bemerken wir, wie die Uebersetzer an der wörtlichen Wiedergabe der sinnlichen Ansdrücke voll Gott und seinen Thaten in der Bibel, Anstoß nahincn und für dieselben Umschreibungen und Bezeichnungen setzteir, welche jede grobsinnliche Borstellnng von Gott beseitigen sollten. In den Uebersetzungen der Kapitel von der Schöpfung sind sogar Ansätze von Philosophenien, die an die spätere philonische Kosmologie erinnern. Eine größere Ausbeute ergeben die vorhandenen Bruchstücke des jüdischen Philosophen Aristobnl (1f,0 v.). Auch bei ihm sind es meist die Anthropomorphismen in der Bibel, die er zu erklären sucht. Es bedeutet, nach ihm, die Hand Gottes die göttliche Macht; das Sprechen Gottes die Kundgebung dieser Macht; die Ruhe Gottes die Unveränderlichkeit der göttlichen Werke, auch den Bestand der Weltordnnng; die Erscheinung Gottes auf Sinai in Feuer, Donner und Blitz, das Bild der wunderbaren Offenbarung n. a. in. In der Kosmologie sagt er von Gott, er sei nicht blos der Herr, sondern auch der Schöpfer der Welt, von dein nur Gutes ansgeht; das Schädliche kvlliint nur ans seinem Gefolge. Bon der göttlichen Weisheit wird angegeben, daß die Welt ihr Werk sei. In dein apokryphischen Buch der Weisheit Salomos bringt das Kap. 8. 10. die Unsterblichleits- und die Präcxistenzlchrc der Seele nach Plato; tut Kap. II. 17. haben wir die Lehre von der Umbildung eines formlosen Stoffes durch die göttliche Intelligenz und die Stellen int Kap. 1. 4; 8. 20; die Lehre, daß der Leib der Sitz der Sünde sei n. s. w. Eine Menge von stoischen Lehren hat das vierte Makkabäerbuch. Unter diesen und anderen Männern, die ans diesem Gebiete weiter arbeiteten, nimmt Philo der Alexandriner oder Philo der Philosoph die hervorragendste Stelle ein, schon wegen der Reichhaltigkeit seiner philosophischen Arbeiten, aber noch mehr in Folge seines großen Einflusses ans die Mit- und Nachwelt in jüdischen, heidnischen und christlichen Kreisen. Jin Jndenthuine sind seine Philosophen«: bis nach Palästina gedrungen, lvo sie bei den Bolks- und Gesetzeslehrern Eingang fanden, die sie unter verschiedenen Modifikationen weiter verbreiteten, bis dieselben von ihnen in die Gcheimlehre einniündeten und in der nachtalinndischen Zeit die Basts manchen kabbalistischen Systems wurden, aber auch in einigen religivnsphilosophische» Arbeiten der philosophisch gebildeten Juden int Mittelalter ihre Auferstehung feierten. Wir halten es daher nothwendig, die philonische Philosophie mit ihren Lehren, die gelvissermaßen die Grundlage der Religionsphilosophie im Talmild und Midrasch geworden, in ihrem Zusammenhänge mit der Bibel und deili Talmud hier darznstellen. I. Gott, Erkennbarkeit Gottes, sein Wesen, seine Eigenschaften, A n t hr o p o m o r p h i s in n s. Bon „Gott" wird mehr in negativen als in positiven Bezeichnungen gesprochen. „Gott" an sich, seinem Wesen nach, ist für unsere Sinne unfaßbar, unerkennbar; für unsere Begriffe nnbezeichenbar, ohne Eigenschaft und ohne Namen. Das Sein allein, daß Gott ist, aber nicht was er ist, kann von ihm ansgesagt iverden. Der „Seiende" ist die einzig richtige Benennung für ihn, welche zugleich die des biblischeil Tetragranimaton „Jhvh" ist. Der göttliche Auftrag an Moses, Gott in diesem Namen den Israeliten zu verkünden <2. M. 2.f, lautete nach Philo: „Lehre die Kinder Israel, ich sei der Seiende, damit sie den Unterschied zwischen dein Seienden und Nicht seienden kennen lernen imd zugleich erfahren, daß mir, der allein das wahre Sein ist, gar fein Name besonders zlikvinint. sJiur aus der Beziehung Gottes