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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-04-01 · Heft 4 (1.4.1881) · p. Seite 87

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 4 (1.4.1881)
Date
1881-04-01
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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87 Welt in ihrer Abhängigkeit von ihm, was wir als den Uebergang zur zweiten Rede erkennen, Dieselbe erstreckt sich von Kap. 3—6 und hat B. die Welt in ihrer Verbindung mit Gott zu ihrem Thema. Hier wird erst die Erklärung der Erscheinung alles Endlichen durch die Hinweisung auf die göttliche Weltordnung gegeben. Gegen diese auf Gottes Weisheit beruhende Endlichkeit vermag der Mensch allerdings nichts zu unternehmen. Aber er soll durch sein Thun keine äußere, sondern eine innere Welt, die sittliche schaffen. Der Blick auf die Vergänglichkeit hat das Heidenthuni zum Jagen nach Genuß, zu den Werken der Ungerechtigkeit und der Verzweiflung getrieben. Dagegen erhebt sich Kohelcth und stellt die Endlichkeit als eine zur Tugend drängende Mahngestalt auf, die von dem Vergänglichen zum Unvergänglichen emporsteigen lehrt. So zieht er in Kap. 3 gleich nach der Aufzählung der göttlichen Weltordnung gegen Diejenigen her, die gegen dieselbe Thateu zu vollbringen glauben; V. 15 gegen die Ungerechtigkeit; V. 18 die Ueberhebung des Menschen; Kap. 4. 1—4. die Bedrückung des Rechts; V. 4 — 7. die Ueberspannnng unserer Thätigkeit; V. 7—15. die Absperrung und Ausschließung Anderer von allen Rechten; Kap. 6. den Geiz. Als Gegensatz zu denselben werden in Kap. 7 die Lehren der Religion aufgestellt, die das höchste Gut in die Freudigkeit über gute Handlungen setzen. Mehreres darüber enthält die dritte Rede von Kap. 8—10. C. die Erfolge. Der Nachweis der praktischen Bedeutsamkeit dieser Lehren für das Leben wird hier anschaulich dargestellt. Kap. 8. der Gottesfürchtige hat keinen Unfall zu fürchten. Das Glück des Frevlers und das Unglück des Gerechten sind nicht von Dauer. Ueberhaupt kann der Mensch Gottes Walten nicht ganz erforschen und muß es einem höhern Plane zuschreiben, wenn er sieht, daß es dennoch dem Gerechten schlecht und dem Frevler gut geht. Nochmals wird die Verschiedenheit des Frevlers und des Gerechten, in dem freudigen Bewußtsein einer guten That bestehend, dessen nur der Gerechte theilhaftig wird, nachgewiesen. Auch der Weise steht höher als der Unweise und dieses durch seine sittliche That, die Verwirklichung der Weisheit. Er erzählt von einem Weisen, der unbeachtet und dürftig gelebt, aber zur Zeit der Belagerung dennoch die ganze Stadt durch seine Weisheit zu retten verstand. Die vierte Rede von Kap. 11—12 bringt endlich v. die Zusammenstellung der Lehren aus dieser Betrachtung als Anweisung für das Leben. Dieselben fordern ganze Thaten, vollständige Werke, ohne Klügeln nach augenblicklichem Gewinn. Am Schlüsse des Buches geschieht die Zusammenfassung des Ganzen in den Spruch: „Der Schluß der Betrachtung, Alles lasset uns hören: Gott ehrfürchte und seine Gebote beobachte, denn dieses ist der ganze Mensch." Auch die Psalmbücher haben in einzelnen Psalmen zusammenhängende Betrachtungen über verschiedene Themata aus der Glaubens- und Sittenlehre, als z. B. der Psalm 78 über die Vergeltung; Psalm 130 über die Allwissenheit'und Allgegenwart Gottes; Psalm 73 und 93 über des Frevlers Glück und die Gerechtigkeit Gottes; Psalm 90 über die Ewigkeit Gottes; Psalm 147. 148. 103. 104 über die Schöpfung u. a. m. Einen neuen Impuls zu dieser Art von Philosophiren gab die Berührung des Judeuthnms mit dein Griechenthum. Das Bekannt- und Vertrautwerden mit der Denk- und Lebensweise der Griechen, die Aneignung der griechischen Sprache, die Kenntniß ihrer philosophischen Schriften haben eine neue geistige Bewegung unter den Juden hervorgerufen. Es machte sich bei ihnen das Streben immer mehr geltend, die Lehren ihrer heiligen Schriften mit den Anschauungen der griechischen Weisen in Einklang zu bringen und sie in dem Gewand griechischer

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