Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1881)
- Date
- 1881-04-01
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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86 Stelle, der Prüfungen zu des Menschen Wohl verhängt, was wir nicht immer zu verstehen vermögen. Dieser Gott will nicht den Tod des Leidenden, sondern nur seine Läuterung und Rettung. Der Dnalisnnis hört ans und die Einheit ist wiedcrhergestellt ohne Tod und Vernichtung. Ebenso philosophirt das Buch Koheleth über die Bestininiung des Menschen, das höchste Gut, und die Idee der Unsterblichkeit. Die Seelenfreudigkeit an unfern Werken während und nach Vvllziehung derselben, die int Bewusstsein des Menschen wurzelt und seinen Unterschied vom Thiere ansmacht, diese als das höchste Gut init dem Nachweis, das; sie nur auf dem Boden der Religion durch die Tngendwerke, in der Berbindung des Weltlichen mit dem Göttlichen anfznfinden sei, bilden den Hauptgedanken des Buches. Wie der Psalmist in Bezug ans die Kürze des Lebens, die Erfolg- und Zwecklosigkeit desselben n. s. w., znm Ausruf gelangt: „Ach, nichtig ist der ganze Mensch!", aber nicht, um in der Nichtigkeit unterzngehen, sondern, um durch dieselbe beit Weg zur Ewigkeit, zu Gott und zur Tugend, anfznfinden, so geht das Buch Koheleth voit der Nichtigkeit ans, weist dieselbe in allen menschlichen Bestrebungen nach und gelangt zu dem Schluss, das; dieselbe nur die Welt in ihrer Abkehr von Gott, aber nicht in ihrer Berbindung mit ihm treffe. Das Buch enthält vier Reden in zwölf Kapiteln. Die erste Rede von Kapitel 1 u. 2 spricht von der Welt an sich ohne ihre Beziehung auf Gott und zerfällt in drei Theile. a. Äp. 1. B. 1—11. Die Natur und der Mensch. Die Natur ans ihren Wegen und in ihren Kreisläufen hat ihre bestimmten Gesetze, wo der Mensch nichts aufzuhalten, zu ändern oder gar Neues zu setzen vermag. Er ist ihr Unterthan und endet in ihr. Nichts ist da, was ihn verewigen könne. Man denkt des Ersten nicht und des Letzten tvird auch nicht gedacht werden. In derselben ist nicht für den Menschen das zu erringende höchste Gut. b. Map. 1. 12—18. Geistige Schätze. Die Welt in ihrer materiellen Gestalt hat allerdings nicht das höchste Gut. Aber vielleicht liegt es in ihrer Erforschung durch den Menschen? Auch darin nicht, weil das Forschen ein vergebliches Abquälen ist, welches in den Gesetzen der Natur nichts ändert. Das Krumme wird dadurch nicht grad, das Fehlerhafte nicht ganz. Aber vielleicht ist in dem Erlverb geistiger Schütze das höchste Gut? Ach, die Weisheit bringt Verdruss; Erkenntnis erzeugt Schmerzen; das Wissen bleibt lückenhaft und der Friede des Menschen ist vernichtet; es kann da das höchste Gut nicht sein. c. Die Freude. n. Die s i n n l i ch e. Um zu zeigen, das; nicht in ihr das höchste Gut ist, weist derBerfasser kurzweg auf die schnelle Flucht, die Nichtigkeit derselben hin. Er läßt in der Untersuchung den König Salomo einen Rückblick ans sein Leben und seine Vergnügungsanstalten werfen, wo die rasche Vergänglichkeit derselben mit tiefem Schmerz empfunden wird; er schliesit, das; es in der sinnlichen Freude höchstens nur eine augenblickliche Erregung, so lange der Freudenrausch dauert, giebt. t>. D i e gci st i g e Freude. Auch in dieser ist nicht das höchste Gut für den Menschen. Der Weise hat einen bedeutenden Vorzug vor den Thoren, steht zu ihm im Verhältnis; des Tages zur Nacht, aber weicher Gewinn, wenn der Tod beide gleich wegrafft und vergessen macht? Etwa das durch den Weisen Gegründete? Wer bürgt, das; darüber nach dessen Tod ein Weiser und nicht ein Thor schalten werde. Aber vielleicht haben wir dasselbe in der Freude an Genus; und Arbeit ivährend ihrer Dauer? Doch auch diese ist nicht in unserer, sondern in Gottes Hand. Den» wer konnte mehr geniesten als Salomo? Mit diesem Schlüsse der ersten Rede überschreitet der Verfasser die Grenzen seines Themas; er wird zum Glauben an Gott hingedrängt und spricht von der