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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-04-01 · Heft 4 (1.4.1881) · p. Seite 85

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 4 (1.4.1881)
Date
1881-04-01
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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gezeigt worden zu erkennen, daß der Ewige Gott ist und Keiner mehr!" (5. M. 4. 35—39.) „Sv erkenne es heute und fiihre es deinem Herzen zu, daß der Ewige Gott ist, im Himmel oben, ans der Erde unten, sonst Keiner!" (Das. V. 39.)' „Erkenne den Gott, deines Vaters und diene ihm mit williger Seele." (l. Ehr. 28. 9.) Nur dessen rühme sich der Ruhmsüchtige: betrachten und mich erkennen, spricht der Ewige, (Jerem. 9. 23.)" vorhanden, welche auf die Erwerbung dieser Erkenntnis, dringen und sie gewissermaßen den Israeliten zur Pflicht machen. Gott, sein Wesen, seine Eigenschaften, die Schöpfung, die Welt, der Mensch, seine Seele, die menschliche Willensfreiheit, die göttliche Vorsehung, die Offenbarnng, das Gesetz, die Unsterblichkeit, die Vergeltung u. a. m. bilden die Themata derselben; sie sollen verstandesgemäß erforscht und nach Vernunftgründen dem Menschen vorgeführt und erklärt werden. Dieselbe hat nicht das voranssetzungslose Denken und Forschen der Philosophie zu ihrer Grundlage, sondern geht von dem Positiven, der gegebenen Offenbarungslehre aus und will Gott in dem Spiegel seiner Werke, in der Natur intb in der Geschichte, erschauen und erkennen. In der Gestalt, wie sie uns in dem biblischen Schriftthume vorliegt, bemerken wir eine Verschiedenheit ihrer Darstellung, die auf eine geschichtliche Entnücklnng hinweist. In den Büchern des Pentateuchs und der Propheten haben nur meist nur die Mittheilnng der Resultate dieser Forschung in kurzen Sätzen, aber nicht ihren Jdeengang selbst in seinem langsamen Fortschreiten und den logischen Herleitnngen von Satz zu Satz, wie wir dies in den Lehrsystemen der Philosophie gewohnt sind. Der religiöse Dichter oder der Prophet liebt es, die Prämissen früher in seinem Gemüthe mit sich selber abzumachen und darauf mit den gewonnenen fertigen Resultaten anfzntreten. So beginnt der Prophet, der über die göttliche Vorsehung und Vergeltung spricht, gleichsam aus der Mitte seiner Betrachtung mit dem Satze: „Der Hort, ganz ist sein Werk, denn alle seine Wege sind Recht; ein Gott der Treue ohne Unrecht; gerecht und redlich ist er!" oder: „Sehet jetzt, denn ich, ich bin es, kein Gott bei mir; ich tödte und belebe, verwunde und heile und Niemand rettet ans meiner Hand!" Erst die Schriften des dritten Theils der Bibel, der Hagiographen, bringen vollständig abgerundete, religionsphilosvphische Abhandlungen. So behandelt das Buch Hiob die Vergeltnngslehre oder „die Leiden des Gerechten im Einklänge mit der göttlichen Gerechtigkeit," das philosophisch sänimtliche Meinungen dafür und dagegen mit ihren Vertretern anführt und sie widerlegt, bis es zuletzt zu einem andere» Resultat gelangt, das als die erwiesene Lehre dargestellt wird. Die Hauptgedanken desselben sind: Der Unglückliche ist kein von Gott Verworfener, zu ewigen Leiden Verdammter, der nur in dem Tod seine Erlösung findet; die Leiden sind nicht immer Folgen der Sündhaftigkeit des Leidenden, sondern haben auch in dem göttlichen Erziehungsplane des Menschen ihren Grund. Durch dieselben soll er vollendeter werden, der Tugend inniger anhangen und Zeugniß seiner religiösen Festigkeit ablegen. Ziel der ganzen Arbeit ist die Bekämpfung der heidnischen Lehre vom Schicksal, Fatum, dem gegenüber der Unglückliche zu ewigen Leiden verdammt sein soll. Als Stoff wird hierzu die in den Volkssagen sich erhaltene Lebensgeschichte Hiobs bearbeitet. Der Verfasser hat absichtlich dafür die Form der Tragödie gewählt, wo Gott dem Hiob erst in der Gestalt des unbeugsamen Schicksals sich offenbart, gegen dessen Macht er im Kampfe zu erliegen scheint, bis der Schluß die glückliche Wendung und Ausgleichung bringt, die den Glauben an das Schicksal vernichtet. Der Gott in der Gestalt des Schicksals schwindet und der biblische Gott der Gnade und Barmherzigkeit tritt an dessen

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