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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-04-01 · Heft 4 (1.4.1881) · p. Seite 82

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 4 (1.4.1881)
Date
1881-04-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 — wird, aufgeben und fallen lassen. Da tritt denn an uns, zumal es ja nicht geläugnet werden kann, daß die Annäherung und Gleichstellung, wie wir sie anstreben, thatsächlich ohne die Hinwegrünmnng von Hindernissen, die ans unserer Seite liegen, nicht erfolgen könnte, die Pflicht und Nothwendigkeit heran, diesem Gedanken näher zu treten, den Inhalt der an uns gestellten Forderung zu prüfen und uns zu fragen, in wie weit wir ihr gerecht werden müssen, nicht weil die Rücksicht auf unsere irdische Wohlfart, sondern weil Wahrheitssinn, Gerechtigkeit und gewissenhafte Anerkennung sittlicher Pflichten uns solches gebieten. Worin besteht denn aber diese jüdische Sonderart, von der in unseren Tagen soviel geredet wird? Nach Allem, was uns darüber gesagt tvorden ist, scheint es gar sehr, daß diejenigen, die uns an dieselbe erinnern, sich selbst darüber gar nicht klar geworden sind, was sie eigentlich damit meinen, welchen Begriff sie mit einem solchen Worte verbinden. Noch viel weniger weis; aber das Israel der Gegenwart selbst, sich darüber Rechenschaft zu geben, inwieweit die Sonderstellung, die es einninimt, ihre innere Berechtigung hat, und über welches Mas; hinaus sie derselben entbehrt und ermangelt. Es ist daher nicht nur, weil die Zeitverhültnisse uns daran gemahnen, sondern auch weil wir unser eigenes Gewissen darüber beruhigen müssen, für uns eine unabweisbare Pflicht, uns über diese Sache zu verständigen und uns zu fragen, was uns Israeliten, die wir mit den anderen Landesbewohnern zu einem Bolle geworden sind, noch zu einem besonderen Bunde vereinen darf und was nur wiederum, so jene Bereinigung sich auch thatsächlich vollziehen soll, von uns entfernen und abthnn müssen. Es ist klar, das; jede Besonderheit, die Israel außerhalb des Bodens seiner Religion für sich beizubehalten sucht, als nicht erstrebenswerth bezeichnet werden kann und wol auch Mißbilligung auf mancher Seite Hervorrufen müßte. Diese nächtige und, wie wir wol hinzufügen dürfen, auch zeitgemäße Frage wollen wir uns näher besehen und dadurch auch zur richtigen Erkenntnis; der Stellung gelangen, die Israel inmitten der Menschheit eiuznnehmen hat. Es ist keinem denkenden Beobachter entgangen, daß der Verfall des religiösen Geistes und Lebens, der in den letzten Jahrzehnten in Israel in einem erschrecklichen Maße um sich gegriffen und alle Bemühungen der Bessergesinnten, die eine herrliche Neugestaltung des Judentums anbahnen und es tvieder ans' seinen geistigen Grundlage» aufbanen wollten, vereitelt und erfolglos gemacht hat, vornehmlich auf zwei Ursachen zurückznführen sei, deren unheilvolle Folgen nicht ausbleiben konnten. In seiner Bedrängnis; suchte Israel Zuflucht bei Gott, in seinem Leiden Trost in der Religion. Der erhabene Glaube, der in ihm lebte, seinen Geist erleuchtete und sein Herz erhob, führte ihm die Erinnerungen au seine herrliche Vergangenheit vor die Seele und in dem Besitze derselben sah es stolz über die Erbärmlichkeit düsterer Gegeittvart hintveg; er erweckte stets von Neuem die Hoffnung auf die lichte erlösnugsreiche Zukunft, in der alle Völker einmütig den Ewigen anbeten und die Erkenntnis; der Wahrheit über die ganze Welt sich ausbreiten kvcrde. Die Religion erfüllte die Herzen mit edlem Streben, mit Würde und Treue, mit Innigkeit und Beseligung und verlieh dem Leben eine höhere Weihe und Bedeutung. Unsere Borfahren bedurften nicht der irdischen Macht, des äußeren Glanzes, der vergänglichen Glücksgüter, um zufrieden zu sein und die Wonne des menschlichen Daseins zu genieße». Sie fanden Frieden, Beglückung, Mut und Ehre in der Religion. Das änderte sich nun Alles, als der Geist einer neuen Zeit die ehernen Ketten der Finsternis; sprengte Hub die Sonne der Freiheit, die an dem Himmel der Völkerwelt aufgegangen >var, auch über die

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